Geldpolitik der EZB sei kein Hindernis
Bundesbank sieht weiter Konjunkturrisiken

Die Deutsche Bundesbank sieht auch nach dem Ende des Irak-Kriegs weiterhin Gefahren für die wirtschaftliche Erholung. "Einige Risiken sind geringer geworden, aber das bedeutet nicht, dass es keine mehr gibt", sagte Bundesbank-Chefvolkswirt Hermann Remsperger am Freitag auf einer Bundesbank-Konferenz in Eltville.

Reuters ELTVILLE. Ähnlich äußerte sich Bundesbank-Vizepräsident Jürgen Stark dem Text seiner Rede zufolge, die er auf dem Münchner Wirtschaftsgipfel halten sollte. Stark konnte an der Konferenz jedoch nicht teilnehmen. Die Geldpolitik in Europa und weltweit ist seiner Auffassung nach derzeit äußerst günstig für die Konjunktur. "Insbesondere die Geldpolitik der EZB ist kein Hindernis für eine Konjunkturerholung", hieß es in Starks Redetext.

Remsperger bezeichnete die wirtschaftspolitische Reformdebatte in Deutschland als anhaltenden Risikofaktor. Stark führte zudem die konsumdämpfende hohe Verschuldung der amerikanischen Haushalte sowie die angespannte Lage an den Immobilienmärkten der USA und Großbritanniens an. Zudem seien die Wechselkurse derzeit wegen der wachsenden weltweiten Ungleichgewichte - womit üblicherweise das hohe Defizit in der US-Leistungsbilanz gemeint ist - anfällig für abrupte Änderungen. Der Euro hatte mit Kursen von fast 1,13 Dollar in dieser Woche ein Vier-Jahres-Hoch erreicht. Stark hatte sich in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zugleich gegen übertriebenen Konjunkturpessimismus gewandt: "Die Weltwirtschaft steuert nicht auf eine große Krise zu."

Remsperger bekräftigte, die Wirtschaft der Euro-Zone werde sich wie von der Europäischen Zentralbank (EZB) erwartet im weiteren Jahresverlauf erholen, "aber wir sind in unserer Einschätzung ausgesprochen vorsichtig, und sprechen eher von einer Erholung als von einem Aufschwung". Er bekräftigte zugleich die Erwartung, dass die Inflation 2003 unter die EZB-Toleranzgrenze von zwei Prozent zurückgehen werde. Schließlich habe die Bundesbank den Rückgang des Ölpreises nach einem kurzen Irak-Krieg erwartet. Die jüngste Euro-Aufwertung trage unterdessen zur Preisstabilität im Euro-Raum bei. Der höhere Euro-Kurs habe die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft zwar beeinträchtigt, doch diese entspreche nach Bundesbank-Berechnungen noch immer dem langjährigen Durchschnitt.

Chefvolkswirt Remsperger sprach sich mit Blick auf die aktuelle Diskussion über die geldpolitische Strategie der EZB abermals dafür aus, die Definition von Preisstabilität nicht zu ändern. "Preisstabilität mit einer Inflationsrate über zwei Prozent zu definieren, wäre kaum zu rechtfertigen." Für die EZB ist Preisstabilität bei Inflationsraten unter zwei Prozent erreicht. Da die EZB nicht nur Inflation, sondern auch Deflation bekämpfe, strebe sie keine Teuerungsrate von Null an. Deflationsrisiken könnten reduziert werden, indem man einen Rückgang der Inflationsrate in der Euro-Zone unter eine Sicherheitsgrenze von einem Prozent verhindere. Die EZB überprüft derzeit ihre geldpolitische Strategie, zu der auch ihre Definition von Preisstabilität gehört.

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