Geldprobleme führen zu Fusionen und Übernahmen
Biotechbranche: Kosten übersteigen Umsatz

Trotz schlechterer Bedingungen für die Finanzierung ist die junge deutsche Biotech-Industrie auch im vergangenen Jahr stark expandiert. Zu diesem Ergebnis kommt die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgruppe Ernst & Young in ihrer jüngsten Studie über die Branche.

shf FRANKFURT/M. Danach ist die Zahl der Unternehmen 2001 nochmals um 10 % auf 365 und der Umsatz der Branche um ein Drittel auf gut 1 Mrd. Euro gewachsen. Da sich die Mehrzahl der Firmen noch in der Forschungsphase befindet und kaum Produkterlöse erzielt, ist auch der Verlust vor Steuern kräftig von 247 Mill. Euro auf 411 Mill. Euro gestiegen. Die Forschungskosten haben in der Branche mit 1,2 Mrd. Euro erstmals den Umsatz übetroffen.

Zudem sehen die Experten von Ernst & Young weiterhin Schwächen in der Struktur der Branche. Mehr als drei Viertel aller Unternehmen beschäftigen noch weniger als 30 Mitarbeiter und sind damit noch deutlich entfernt von der "kritischen Masse", die als erforderlich für einen dauerhaften Geschäftserfolg oder einen Börsengang gilt. "In Zukunft ist jedoch eine steigende Zahl von Fusionen und Übernahmen zu erwarten, mit denen schlagkräftigere Unternehmen gebildet werden", sagte E&Y-Vorstandsmitglied Alfred Müller.

Zögerliche Konzentration

Dies wird auch von Vertretern der Wagniskapitalfonds seit längerem erwartet, allerdings kommt die Konzentration der Branche nur langsam in Gang. Für zusätzlichen Druck dürfte das momentan schwache Finanzumfeld sorgen. Zwar ist der Zufluss an privatem Risikokapital laut Ernst & Young im vergangenen Jahr mit 525 Mill. Euro nahezu konstant geblieben. Gleichzeitig war das "Fenster zur Börse" jedoch nahezu komplett verschlossen. Insgesamt schrumpfte daher der Kapitalzufluss stark von knapp 1,4 Mrd. auf 0,55 Mrd. Euro. Bei vielen börsennotierten Biotechunternehmen erreichten die Kurse in den vergangenen Tagen neue Tiefststände. Da eine Wende an der Börse nicht zu erkennen ist, gehen die Experten der Beratungsgruppe davon aus, dass auch bei privaten Finanzierungsrunden die Bewertungen zurückgehen. Von den Gründern werde eine stärkere Beteiligung am Risiko gefordert.

Die E&Y-Studie belegt, dass die Unternehmen in der Produktentwicklung Fortschritte gemacht haben. Die Zahl der Wirkstoffe in klinischer Prüfung hat sich seit 1999 auf rund 180 verdoppelt. Der Löwenanteil davon wird von privaten Unternehmen bearbeitet, die damit vor besonderen Herausforderungen in der Finanzierung stehen. Denn vor allem in der klinischen Testphase steigen die Entwicklungskosten deutlich. Dieser Trend zeigt sich auch am überproportionalen Anstieg der Forschungsausgaben.

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