Geldstrafe für Siegerehrung
Schumacher muss Millionenstrafe zahlen

Dollars statt Punkte: Michael Schumacher und sein Ferrari-Team sind mit einem "blauen Auge" davongekommen und bei der Jagd nach dem fünften Weltmeister-Titel auch am "Grünen Tisch" nicht zu bremsen.

dpa PARIS. Der Motorsport-Weltrat des Internationalen Automobilverbandes (FIA) beschloss am Mittwoch in Paris, Schumacher den durch umstrittene Stallorder erreichten Sieg beim Großen Preis von Österreich nicht abzuerkennen und ihm damit auch alle bisher eingefahrenen WM-Punkte zu lassen. Stattdessen verhängte das Gremium für Schumachers regelwidriges Verhalten bei der Siegerehrung eine Geldstrafe von einer Million $ (1,02 Mio Euro), so viel wie noch nie in der Formel-1-Geschichte.

"Wir respektieren wie immer die Entscheidung der FIA", teilte Ferrari offiziell mit. Nur das Team äußerte sich zum Ergebnis der mit Spannung erwarteten Anhörung. Michael Schumacher und sein brasilianischer Kollege Rubens Barrichello gaben keine Stellungnahme ab. Die Fahrer und Teamchef Jean Todt wurden vor dem Gremium angehört. Nach etwa zwei Stunden verließen Schumacher und Barrichello das Gebäude an der Place de la Concorde durch den Hinterausgang.

45 Tage nach dem von heftigen Protesten begleiteten Rennen in Spielberg ist das Ergebnis nun bestätigt. Durch das Urteil bleibt Schumacher Sieger des Grand Prix am 12. Mai vor Barrichello und dem Kolumbianer Juan Pablo Montoya. In der WM-Wertung führt der viermalige Champion weiterhin mit insgesamt 76 Punkten und 46 Zählern Vorsprung vor seinem Bruder Ralf (30) sowie vor Montoya (27). Barrichello, der vor drei Tagen beim Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring gewann, ist mit 26 Punkten Vierter. Somit kann Michael Schumacher seinen Vorsprung bereits in den nächsten beiden Rennen so weit ausbauen, dass er schon beim Grand Prix in Magny Cours am 21. Juli vorzeitig als Weltmeister feststeht.

Großes Bedauern beim Weltrat

"Der Weltrat bedauert die Art, in der die Stallorder beim Großen Preis von Österreich angeordnet und ausgeführt wurde. Dennoch ist es für das Council unmöglich, Sanktionen gegen die Fahrer auszusprechen, weil beide vertraglich an Anweisungen ihres Teams gebunden waren", hieß es in der schriftlichen Begründung des Urteils. Allerdings wurde auch deutlich, dass die Mitglieder des Weltrats das Vorgehen von Ferrari moralisch verurteilen. "Mit einigem Widerwillen" habe man entschieden, dass gegen Stallregie nichts zu unternehmen sei.

Die umstrittene Stallorder-Aktion, als der führende Barrichello seinen Teamkollegen kurz vor dem Ziel passieren lassen musste, bleibt unbestraft, weil es keine ausreichende rechtliche Grundlage für Sanktionen gibt, bestätigte der Weltrat. Zwar hatten sich die Fans beim Rennen und auch weltweit noch wochenlang empört - verboten ist Stallorder nicht. Es gibt nur sehr allgemein gehaltene, im Artikel 151 c formulierte Richtlinien.

Hingegen wurde eine gut gemeinte Geste Michael Schumacher und dem Team zum Verhängnis. Der Ferrari-Star hatte es bei der Siegerehrung in Spielberg besonders gut gemeint, als Zeichen des Danks seinem Kollegen den obersten Platz auf dem Podium und den Siegerpokal überlassen. Darin erkannte der 24-köpfige Weltrat einen Verstoß gegen Artikel 170 des Reglements. "Es ist die Verpflichtung eines jeden Teams, dass seine vertraglich gebundenen Fahrer die Prozedur der Siegerehrung einhalten und in keiner Weise die nationalen Autoritäten des Gastgeberlandes brüskieren."

Hälfte der Strafe zur Bewährung ausgesetzt

Deshalb wurden Schumacher, Barrichello und das Team gemeinsam zu der deftigen Geldstrafe verurteilt. 500 000 $ müssen sofort bezahlt werden, die andere Hälfte des Betrages wird für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt. Für Verstöße gegen das Podiums-Protokoll gibt es einen Präzedenzfall: So war dem spanischen Jerez vor Jahren der Grand Prix entzogen worden, weil sich der Bürgermeister der Stadt beim WM-Finale 1997 regelwidrig auf das Podest gedrängt hatte.

Für Schumacher war das Urteil von Paris bereits die sechste relevante Entscheidung am "Grünen Tisch" in seiner Formel-1-Karriere. 1994 war er wegen des Ignorierens der Schwarzen Flagge in Silverstone für zwei Rennen gesperrt worden, in Spa nachträglich disqualifiziert. 1995 schritten die Behörden wegen nicht regelkonformer Benzinproben ein, 1997 wurden Schumacher sämtliche Punkte wegen der Rammstoß- Aktion gegen Jacques Villeneuve beim WM-Finale gestrichen. 1999 wurden Schumacher und Eddie Irvine zunächst wegen der "Windabweiser- Affäre" disqualifiziert, später machte es die FIA wieder rückgängig.

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