Geldwechsler stehen in den Startlöchern
Der Euro wird auch auf dem Balkan erwartet

Die Geldwechsler stehen in der Nähe des Gerichtsgebäudes von Pristina im Kosovo. Mit dicken Bündeln Dollar und Deutscher Mark warten sie auf die ersten Kunden des Tages. Wer Geldwechsler im Kosovo ist, braucht sich ums Geschäft nicht zu sorgen: Schätzungen zufolge kursieren bis zu 2,5 Mrd. DM allein in dieser serbischen Provinz.

Reuters PRISTINA. Doch auch in anderen Teilen Jugoslawiens setzen die Leute schon seit Jahren auf die Deutsche Mark als sichere Währung, die als Bargeld zu Hause verwahrt wird. Den Geldwechslern ist daher klar, dass mit der Einführung des Euro-Bargeldes im Januar eine Umtauschwelle auf sie zukommt.

"Wir alle werden unser Geld in Euro umtauschen müssen", sagt Ahmet Hasani, ein alter Hase im Geschäft mit dem Geldwechsel. Ein Kollege fügt aber hinzu: "Meiner Meinung nach wird die Mark in einem Jahr noch immer im Umlauf sein. Es ist zu schwer für die Leute, ihren Vorrat an Mark in so kurzer Zeit loszuwerden."

Wie in Deutschland haben die Bürger im Kosovo bis zum 28. Februar 2001 Zeit, ihr Geld bei Privatbanken in Euro zu tauschen. Danach ist nur die Bundesbank berechtigt, deutsche Währung anzunehmen.

Die Geldwechsler macht dies offenbar wenig Sorgen. Sie würden schon in der Lage sein, Euro zu bekommen und ihre Mark- Bestände an die Bundesbank weiterzuleiten, sagen sie. Diese Aussichten beunruhigen Koen Wasmus von der Micro Bank, -Enterprise einer der wenigen Banken, die von den Vereinten Nationen (UNO) im Kosovo zugelassen wurde. Wasmus zufolge sind die bei Micro-Enterprise angelegten Gelder in Höhe von fast 580 Mill. DM nur etwa ein Zehntel dessen, was im Kosovo im Umlauf ist.

Um der Geldwäsche vorzubeugen, hat die UNO eine Verordnung erlassen, nach der alle Beträge über 10 000 DM nur nach Einzahlung auf ein Bankkonto gewechselt werden können. Damit sollen die Menschen außerdem angeregt werden, die Banken wieder mehr zu nutzen. Alle Einzahlungen über 30 000 DM soll die Bank sofort auf ihren Ursprung überprüfen, um Geldwäsche und-schmuggel zu verhindern. Die Durchsetzung der Verordnung wird indes schwer, denn zehntausende Mark werden täglich in Straßengeschäften getauscht, und zwar Länder übergreifend.

Ein Sprecher der UNO-Bankenbehörde verwies daher auf die Notwendigkeit, den Austausch von Bargeld zwischen den Balkanländern zu regulieren. Geschieht dies nicht, rechnen die Behörden damit, dass gefälschte Banknoten verstärkt in Umlauf kommen. "Falschgeld ist ein großes Problem. Das sehen wir täglich", sagt ein Polizeisprecher. Es werde vermutet, dass ein Großteil des Falschgeldes zur Zeit aus Bulgarien stamme.

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