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Geliebte Schönheit

Von vernetzten Spielchen um Macht und Moral und das Aussehen.

Schön ist alles, was man mit Liebe betrachtet. Das dachte man zumindest in Zeiten, als Werbung und Medien noch nicht mit Hilfe einer Laetitia Casta, Heidi Klum oder eines Brad Pitt den Begriff der Schönheit derart diktierten wie heute - und als es das Internet noch nicht gab.

Denn wer sich heute vielleicht nicht geliebt, aber wenigstens schön fühlt, der kann sich auch vernetzter Quellen bedienen, um sein Ego aufzupolieren. Eine ganze Reihe Dienstleister stellt eingeschickte Fotos ins Web, und Tausende Surfer mit mehr oder weniger ausgeprägten Machtgelüsten können sich daran ergötzen, erstens zu gucken und zweitens die Optik der Opfer auch noch zu benoten. Der Busen hängt? Das gibt Abzug. Haare auf dem Rücken? Igitt, geht ja gar nicht, maximal zwei von zehn Punkten. Und wen wundert?s, dass vor allem knapp bekleidete Frauen mit brauner Haut und festen Brüsten eine hohe Punktzahl einfahren.

Eine Spielerei, sicherlich. Aber auf den ersten Blick gar kein so schlechtes Geschäftsmodell. Denn das Klicken auf Bilder und Bewertungen kann durchaus Spaß machen, auch wenn es politisch nicht korrekt sein mag. Die Kosten sind minimal, dagegen sind die Verweildauern auf den Seiten wie www.rankpeople.com oder www.hotornot.combeträchtlich.

Auch die Kontaktaufnahme mit dem betrachteten Objekt ist per E-Mail möglich, und spätere Treffen in der realen Welt sind nicht ausgeschlossen. Immerhin: Betrachtet hat man das Schöne schon mal. Ein Problem dabei nur, dass der Volksmund den folgenden Satz noch nicht geprägt hat: Geliebt wird alles, was als schön betrachtet wird.

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