Gelöschte Daten nicht für immer verloren
Wenn die Festplatte crasht

Es gibt viel Gründe, warum plötzlich Daten verschwinden können. Oft ist aber noch nicht alles verloren. Es gibt Unternehmen , die sich darauf spezialisiert haben, wertvolle Daten wieder herzustellen - oft sogar einfach per Internet.

WiWo/ap BÖBLINGEN. "Niemand - weder Computerexperte noch der Heimanwender - ist davor geschützt, wertvolle Daten zu verlieren", erklärt Peter Böhret, Geschäftsführer der Ontrack Data Recovery GmbH in Böblingen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in der amerikanischen Stadt Minneapolis hat sich mit seinen weltweit mehr als 400 Mitarbeitern auf die Wiederherstellung von verlorenen Computerdaten spezialisiert.

Ob Viren, Naturkatastrophen, mechanische oder elektromagnetische Defekte oder einfach nur versehentliches Löschen - die Ursachen für Datenverluste sind so vielfältig wie die geretteten Dateien. Korrespondenzen, Kundendaten, Bilder, Doktorarbeiten, es gibt nichts, was die 35 Experten von Ontrack in Böblingen nicht wiederherstellen. Ihre Aufgabe gehen sie entweder vom Betriebssystem oder von der Hardware aus an.

Beim Löschen einer Datei entfernt das Betriebssystem zunächst nur den Verzeichniseintrag. Die physikalische Beschaffenheit der Datensektoren bleibt hingegen solange unverändert, wie der Platz auf der Festplatte für neue Dateien benötigt und überschrieben wird. Hier setzten die Software-Detektive an, die im Optimalfall alle Daten rekonstruieren können. Dabei liest ein spezielles Programm die betroffene Festplatte Bit für Bit aus, rekonstruiert zusammenhängende Dateien und Ordner und stellt diese auf einer anderen Partition (ein abgetrennter Bereich der Festplatte) oder über das Netzwerk wieder her.

Je nach Grad der Beschädigung kann auch eine Datenrettung über das Internet vorgenommen werden. Dies setzt jedoch voraus, dass die Festplatte keinen mechanischen oder magnetischen Defekt aufweist. Bei der "Remote Data Recovery" stellt man eine Online-Verbindung mit dem Ontrack-Server her und lädt von dort ein kleines Programm herunter. Damit wird eine Startdiskette erstellt, mit deren Hilfe der defekte Rechner neu gebootet und vom Experten am anderen Ende der Leitung untersucht wird. Dabei erstellt der Ingenieur eine Fehleranalyse und einen Kostenvoranschlag für die Online-Wiederherstelltung der Daten.

Bei einer schwerwiegenden physischen Beschädigung der Festplatte ist jedoch der Weg ins Labor meist die einzige Möglichkeit der Datenrettung. Solche Fälle können nach Naturkatastrophen, einem Brand oder aufgrund von Sabotage-Akten auftreten. Der häufigste Defekt ist aber der so genannte Headcrash. Dieser Schrecken aller PC-Nutzer tritt ein, wenn der feine Schreib-Lese-Kopf, der im Normalzustand in mikroskopischem Abstand über der Festplatte schwebt, direkt mit dieser in Berührung kommt und diese dabei beschädigt.

Kunden- oder Produktdaten können nicht mehr abgerufen werden, auf Pläne oder Messdaten kann nicht mehr zugegriffen werden. Die Kosten der Ausfallzeiten sind oft um ein Vielfaches höher als die Preise eines Recovery-Unternehmens, die bei etwa 1 000 Euro anfangen. Oft ist der Weiterbestand eines Unternehmens vom Erfolg der Experten abhängig. Vor dem eigentlichen Recovery-Prozess steht eine eingehende Untersuchung des eingelieferten Datenträgers. Dann wird entschieden, wie man am besten vorgeht.

Details der Datenrettung sind Betriebsgeheimnis

Die ganz in Weiß gekleideten Mitarbeiter im Reinraum können auch in scheinbar aussichtslosen Fällen verschwundene Daten wieder rekonstruieren. Verbrannte Festplatten, zerkratzte CDs und selbst zerbrochene Datenträger können mit einer Erfolgsquote von 75 Prozent noch ausgelesen werden. Im antistatischen Reinraum werden Festplatten, Disketten, CDs und andere Speichermedien behutsam geöffnet und unter dem Mikroskop auf den genauen Schaden untersucht. Wurden Festplatten vor mehreren Jahren noch komplett zerlegt und die Platten mit so genannten Spin Machines manuell ausgelesen, kann Ontrack heute durch eine enge Kooperation mit den Hardware-Herstellern und eigens entwickelten, hardware-spezifischen Werkzeugen defekte Bauteile austauschen, um den Datenträger für seinen letzten Einsatz vorzubereiten. "Mehr kann ich Ihnen nicht verraten", sagt Peter Böhret - die genauen Details werden als Betriebsgeheimnis gehütet.

Nach der Hardware-Behandlung wird der Inhalt auf einen neuen Datenträger kopiert. In mühsamer Sisyphus-Arbeit wird aus dem Durcheinander der vorgefundenen Bits die logische Struktur wiederhergestellt - von der Partition bis zur einzelnen Datei. Abschließend werden die Daten sicher abgespeichert. Der defekte Datenträger wird endgültig vernichtet oder zusammen mit den gesicherten Daten dem Kunden übergeben. Der ganze Vorgang kann bis zu acht Wochen in Anspruch nehmen und dann so viel kosten wie ein teures Auto.

Für Privatanwender kommen die Dienstleistungen der Recovery-Spezialisten daher meist nicht in Frage. Deshalb sollte man nie vergessen, die kostenbaren Daten regelmäßig zu sichern. Am besten werden diese auf eine Backup-CD gebrannt. Daneben gibt es Software-Lösungen wie die Norton Utilities von Symantec, die im Notfall eine Rettungschance bieten.

Boehret empfiehlt außerdem, sich nicht darauf zu verlassen, dass eine Festplatte ewig hält. Auf die Sicherheit ihrer Daten bedachte Anwender sollten die Festplatte nach spätestens drei Jahren auswechseln, rät der Ontrack-Geschäftsführer. Außerdem ist es wichtig, auf einen erschütterungsfreien und kühlen Standort des Computers zu achten, der die sensible Technik vor Ausfällen schützt.

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