Gemeinsam gegen US-Angriff
Bagdad will für Unterstützung bar bezahlen

Die in den USA und international zunehmende Kritik an den Plänen der US-Regierung für eine Militäraktion zum Sturz des irakischen Regimes lässt Präsident Saddam Hussein hoffen, dass er das Blatt vielleicht doch noch zu seinen Gunsten wenden kann.

dpa/HB BAGDAD/KAIRO/ANKARA. Bei seiner neuen "Charmeoffensive" setzt der irakische Staatschef nun vor allem auf die Überzeugungskraft des Geldes.

Dem für die Amerikaner als Operationsbasis in einem Irak-Krieg strategisch wichtigen Nachbarland Türkei bietet Bagdad Milliardenaufträge an. Einigen afrikanischen Staaten sollen die Iraker nach arabischen Presseberichten sogar Bargeld angeboten haben, falls sie keine amerikanischen Soldaten auf ihrem Territorium und in ihren Häfen dulden.

Nachdem der Irak mit Russland vor einigen Tagen Wirtschaftsprojekte im Umfang von etwa 40 Milliarden Euro vereinbart hat, sucht der irakischen Handelsminister Mohammed Mahdi Saleh derzeit in der Türkei Kooperationspartner für Projekte in den Bereichen Landwirtschaft, Erdöl und-gas sowie Verkehr und Gesundheit. Offiziell hat Ankara zwar noch keine Stellungnahme zu dem Milliardenangebot der Iraker abgegeben. Doch wo immer er Station macht, wird Minister Saleh warm empfangen. Das hindert Ankara allerdings nicht daran, gleichzeitig mit den USA über eine Kompensation für die wirtschaftlichen Nachteile zu sprechen, die der Türkei im Falle eines Irak-Krieges entstehen würden.

Auch bei den arabischen "Brüdern" setzt Bagdad auf die Überzeugungskraft wirtschaftlicher Vorteile. Das Handelsvolumen mit Ägypten, Jordanien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Tunesien ist in den vergangenen Monaten kräftig gewachsen. Selbst das Königreich Saudi-Arabien, das im Golfkrieg 1991 Ziel irakischer Scud- Raketen war, wird am 9. September erstmals seit zwölf Jahren wieder eine Handelsmesse in Bagdad ausrichten.

Doch was die arabischen Nachbarn angeht, so hat das Regime in Bagdad noch eine zweite Trumpfkarte in der Hand und die heißt "Israel". Denn erstens möchte sich wegen der nach arabischer Auffassung zu laschen und ungerechten Haltung Washingtons im israelisch-palästinensischen Konflikt derzeit kein arabischer Führer ohne Wenn und Aber auf die Seite der Amerikaner stellen. Zweitens hat der jüdische Staat mit seiner jüngsten Ankündigung zu seiner Rolle in einem möglichen Irak-Krieg Öl ins arabische Feuer gegossen. Denn die Regierung von Ministerpräsident Ariel Scharon hat klar gemacht, dass sie diesmal nicht, wie im Golfkrieg von 1991, stillhalten will. Stattdessen wolle sie jeden irakischen Raketenangriff auf Israel militärisch beantworten und sich als «guter Soldat» auf die Seite der USA stellen. Eine derartige Konstellation mit den USA und Israel auf der einen und dem Irak auf der anderen Seite würde jedoch selbst die so genannten gemäßigten arabischen Staaten in die Arme Saddam Husseins treiben.

Auf das Versprechen von US-Vizepräsident Richard Cheney, der am Montag verkündete, "Mit unserer Hilfe kann ein befreiter Irak wieder eine große Nation werden", gibt in der arabischen Welt dagegen niemand etwas. Zeitungskommentatoren von Dubai bis Ägypten werfen den Amerikanern vielmehr vor, das genaue Gegenteil anzustreben, nämlich die amerikanische Kontrolle über das ölreiche Land zwischen Euphrat und Tigris.

Um die derzeitige Krise zu entschärfen ohne die Amerikaner vor den Kopf zu stoßen, wollen die arabischen Staaten Saddam Hussein nun dazu bringen, die UnoWaffeninspektoren wieder ins Land zu lassen. Zwar haben Cheney und andere "Falken" in der US-Regierung bereits erklärt, dies allein würde nicht genügen, um die Gefahr der irakischen Massenvernichtungswaffen zu bannen. Doch die Araber hoffen nach Einschätzung westlicher Diplomaten, dass in diesem Fall Bundeskanzler Gerhard Schröder und andere europäische Kritiker der US-Angriffspläne mehr Einfluss gewinnen würden.

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