Gemeinsam mit Axa sollen weiter Produkte angeboten werden
Tchibo setzt auf Versicherungspolicen

Der Handelskonzern Tchibo und der Versicherer Axa wollen nach der Riester-Police auch andere Versicherungsprodukte anbieten. Vorbild für das Vorgehen ist die britische Supermarktkette Tesco.

KÖLN. Keine Eintagsfliege soll das Geschäft mit Versicherungen für den Hamburger Kaffee- und Handelskonzern Tchibo sein. "Wir werden im ersten Halbjahr 2002 weitere Versicherungen auf den Markt bringen", kündigte Tchibo-Vorstandsmitglied, Stephan Swinka, gestern in Köln an. Welche Policen in der Produktpipeline seien, ließ er offen. In jedem Fall werde "die Tchiboisierung der Welt mit Axa auf den Dienstleistungsbereich ausgedehnt."

Wie berichtet bietet Tchibo gemeinsam mit dem Kölner Versicherungskonzern Axa die "Tchibo Zuschuß-Rente" an, welche sich von anderen Riester-Renten durch niedrigere Kosten unterscheiden soll - gewährleistet durch hohe Standardisierung und günstigen Vertrieb. In Zahlen: während bei Axa im Fall der Tchibo-Police 7 % des Gesamtbeitrags an Kosten anfielen, seien es bei den drei anderen Axa-Riester-Policen 8 % bis 11 %. Bei den Konkurrenten liege der Kostensatz nach Berechnungen der Bewertungsagentur Morgen & Morgen höher, bei Viktoria und Hamburg-Mannheimer je 13 %, Allianz 14 % und Provinzial Kiel 17 %.

Axa-Vorstand, Rolf Richter, ist überzeugt, dass der Versicherer durch die Partnerschaft einen neuen wichtigen Vertriebskanal erschlossen habe. Dadurch werde eine "strategische Schwäche" gelöst, die Axa auszeichne. Anders als Konkurrenten wie Allianz oder Generali verfügt der Versicherer über keinen Bankpartner in Deutschland. "Der Vertriebskanal - so skurril er auf den ersten Blick anmutet - ist wunderbar", meint Richter. Beide Partner hätten rund ein halbes Jahr über die Kooperation verhandelt. "Wenn wir es nicht gemacht hätten, dann wäre ein anderer Versicherer zum Zuge gekommen", erklärt Richter. Swinka hatte zuvor bestätigt, dass Tchibo zwischen verschiedenen namhaften Versicherern hätte wählen können.

"Wir haben keine Gespräche mit Tchibo geführt", heißt es jedoch bei Victoria und Allianz. Der Branchenführer beobachtet die Entwicklung beim Konkurrenten Axa allerdings aufmerksam: "Die Allianz schließt für die Zukunft keinen Vertriebsweg aus", sagte ein Sprecher auf Anfrage. "Am Ende entscheidet der Kunde über den Erfolg."

Bei seinem Vorgehen orientiert sich Tchibo auch an der britischen Supermarktkette Tesco. Sie gilt als Pionier in der Finanz-Beratung und kooperiert unter anderem mit der Royal Bank of Scotland. Privatkunden bekommen seit 1997 in den Tesco-Geschäften oder über die Internet-Adresse Unterlagen, um Versicherungen abzuschließen, Konten zu eröffnen oder Kreditkarten zu erwerben. Den Rest erledigt die Bank. Der Service kommt an: Insgesamt konnte die Kette bislang 2 Mill. Kunden akquirieren. In 2001 erzielte Tesco damit einen Profit von mehr als 3 Mill. Pfund. Auch die Konkurrenten Sainsbury und Safeway bieten seit Jahren Finanz-Dienstleistungen an.

Kritisch reagieren Versicherungskaufleute und Verbraucherschützer auf die Übertragung des Modells nach Deutschland . "Das Axa-Tchibo-Experiment zeugt nur von Umsatzgier, ein hochkomplexe Dienstleistung lässt sich nicht einfach durch Hökerei an der Kaffeetheke ersetzen", meint Ludger Theilmeier, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute. Mit demselben Nettoaufwand wie bei der Riester-Rente sei mit anderen Methoden in bestimmten Fällen eine doppelt bis dreimal so hohe Rente möglich.

Der Grund: Die Verbaucher könnten zwischen verschiedenen Produktsegementen wählen. Alleine die Auswahl sei sehr beratungsintensiv, sagt der Geschäftführer des Bundes der Versicherten, Hans Dieter Meyer. Und der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) weist darauf hin, dass erst ab Mitte des laufenden Jahres alle Varianten der Riester-Förderung seriös miteinander zu vergleichen seien. Die Verbraucher sollten daher abwarten. Der VZBV moniert außerdem fehlende Zertifizierungsinformationen in den Faltblättern bei Tchibo. Bereits am vergangenen Freitag habe der Verband eine Abmahnung der beiden Unternehmen erreicht.

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