Gemeinsame Aufträge - Langfristiges Engagement
Liaison von Juniper und Siemens trägt erste Früchte

Die im Mai angekündigte Zusammenarbeit der Siemens AG mit dem US-Netzausrüster Juniper Networks Inc. kommt offenbar gut voran. Erste Aufträge haben die beiden Partner bereits in der Tasche.

HB MÜNCHEN. Vergangene Woche entschied sich die Deutsche Telekom für Produkte von Siemens und Juniper zum Ausbau des DSL-Netzes. Juniper-Chef Scott Kriens ist zufrieden: "Siemens bedeutet viel für uns", sagte er dem Handelsblatt. Auch in der Siemens-Netzwerk-Sparte (ICN) sieht man die Kooperation positiv.

Mitte Mai hatte der Münchener Technologie-Konzern seine amerikanische Netzwerk-Tochter Unisphere an Juniper für 740 Mill. $ verkauft. Siemens erhielt die Hälfte der Summe in bar, den Rest in Aktien. Nun ist der Konzern mit knapp 10 % an Juniper beteiligt. Gleichzeitig vereinbarten die Unternehmen eine Zusammenarbeit im Vertrieb.

Juniper-Boss Kriens verspricht sich viel von dieser Kooperation: "Wir wollen vor allem von der Marke Siemens profitieren", sagte der Amerikaner. "Außerdem kann uns Siemens mit seiner weltweiten Verkaufsmannschaft helfen." Juniper ist zwar in den USA gut aufgestellt, im Rest der Welt aber weit weniger vertreten als der Traditionskonzern Siemens.

Dennoch hat auch Siemens ein Interesse an Juniper: Beide Firmen leiden wie der Rest der Netzwerk-Branche unter der Investitionszurückhaltung der großen Telekommunikationskonzerne. Siemens streicht bei ICN deshalb mehrere tausend Stellen.

Als kleiner, spezialisierter Anbieter kann sich Juniper besser halten. Die Firma stellt Vermittlungsanlagen für den Datenverkehr im Internet her, so genannte Router. Erklärtes Ziel von Juniper ist es, gemeinsam mit Siemens zu Marktführer Cisco Systems Inc. aufzuschließen. Die Kalifornier beherrschen rund drei Viertel des Marktes.

Analysten gehen davon aus, dass die Kombination Siemens/Juniper dem Konkurrenten Cisco durchaus Marktanteile abnehmen kann. Dass das Duo Cisco überholen kann, halten die meisten Beobachter aber für unwahrscheinlich.

Ursprünglich hatte Siemens geplant, Unisphere selbst an die Börse zu bringen. Der Börsengang wurde aber wegen der schlechten Stimmung auf dem Parkett immer wieder verschoben und schließlich in letzter Minute abgesagt.

Zusammen mit Unisphere habe Juniper nun 600 Kunden, freut sich Kriens. Dazu gehören die größten Telekom-Konzerne der Welt wie Deutsche Telekom, France Telecom oder die japanische NTT. Juniper hatte die Branche zuletzt mit einem Quartalsgewinn von 6,2 Mill. $ überrascht. Im laufenden Quartal werde wegen der Übernahme aber wieder ein Verlust auflaufen, kündigte Kriens an.

Weder Siemens noch Juniper rechnen damit, dass die Nachfrage schnell wieder anzieht. "Im besten Fall bleibt der Markt stabil", gibt sich Kriens pessimistisch. Durch spektakuläre Firmenzusammenbrüche wie die von Worldcom oder jetzt Mobilcom laufen derzeit massenhaft die Kunden weg. Siemens begründet seine Stellenstreichungen mit strukturellen Problemen der Branche. Das Niveau der Boomzeit der späten 90er Jahre werde wohl nicht wieder erreicht, heißt es.

Die neue Kooperation soll die Krise überstehen: "Wir erwarten, dass Siemens lange unser Großaktionär und Partner bleibt", sagt Juniper-Chef Kriens.

Quelle: Handelsblatt

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%