Gemeinsame Erklärung mit Opel-Betriebsräten
Fiat-Übernahme stößt auf Widerstand

Deutsche und italienische Betriebsräte schließen sich zusammen: In einer gemeinsamen Erklärung haben sich am Montag die Arbeitnehmervertreter von Opel und Fiat gegen eine vollständige Übernahme von Fiat durch die Opel-Muttergesellschaft General Motors (GM) ausgesprochen. "Ein ?Big Bang?-Zusammenschluss würde nur neue substanzielle Schwierigkeiten schaffen", betonten Opel-Betriebsratschef Klaus Franz und sein Fiat-Gegenüber Aldo Dottavio. In den vergangenen Tagen hatten sich die Spekulationen über eine vorzeitige Fiat-Übernahme gehäuft. GM hält bereits seit zwei Jahren 20 % der Anteile von Fiat Auto.

zel DÜSSELDORF. Opel - und Fiat-Betriebsräte verlangen statt dessen, dass zunächst einmal die Sanierung der beiden angeschlagenen Unternehmen vorangetrieben wird. Beide Hersteller sind derzeit die Schlusslichter in der europäischen Automobilindustrie: Fiat Auto verbuchte allein im ersten Quartal einen operativen Verlust von 429 Mill. Euro. Bei Opel standen Ende vergangenen Jahres fast 700 Mill. Euro Verlust in den Büchern, und während der ersten Monate von 2002 hat sich die Lage nicht wesentlich verbessert.

Die Arbeitnehmervertretungen von Opel und Fiat fordern ihre Unternehmen dazu auf, erst einmal eine einheitliche Produkt- und Markenstrategie zu entwickeln. "Zunächst muss Fiat auch sein Problem der Überkapazitäten lösen", sagte IG-Metall-Vertreter Thomas Klebe, zugleich Mitglied im Opel-Aufsichtsrat. Besonders auf deutscher Seite ist die Sorge groß, bei einer frühzeitigen Übernahme von Fiat durch die Muttergesellschaft GM noch zusätzlich in die Probleme des italienischen Konkurrenten hinein gezogen zu werden.

Die Europa-Zentrale von General Motors in Zürich hüllte sich gestern in Schweigen. Ein GM-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu der gemeinsamen Erklärung der Bertriebsräte ab. Auch die Fiat-Hauptverwaltung in Turin äußerte sich nicht zum gemeinsamen Vorgehen der Betriebsräte.

In der Automobil-Branche gilt es als ausgemacht, dass Fiat seine Produktionskapazitäten zurückschneiden muss. Fiat-Auto-Chef Giancarlo Boschetti gibt die aktuelle Auslastung der Fabriken mit 70 % an. In der vergangenen Woche hatte er deshalb angekündigt, eine Produktionsschicht aus einem der wichtigsten Fiat-Werke zu streichen. 3 000 Beschäftigte werden dadurch ihren Arbeitsplatz verlieren. Nach einem Aufruf des italienischen Gewerkschaftsbundes CGIL demonstrierten daraufhin mehrere Tausend Fiat-Beschäftigte in der Turiner Innenstadt gegen die angekündigten Stellenstreichungen.

Eine Schicht in Bochum gestrichen

Bei Opel ergibt sich ein ähnliches Bild: Im Bochumer Werk der deutschen GM-Tochter ist im Mai ebenfalls eine komplette Schicht dauerhaft aufgegeben worden. Opel reduziert damit seine Fertigungskapazität um jährlich etwa 50 000 Autos, für das gesamte Jahr hatte der Rüsselsheimer Automobilhersteller ebenfalls einen Stellenabbau für 3 000 Mitarbeiter angekündigt.

Opel - und Fiat-Betriebsräte warnten ihre Unternehmen gestern davor, bei möglichen Gesprächen über eine vorzeitige Fusion nicht beteiligt zu werden. "Wenn nicht, droht echter Widerstand", sagte ein Gewerkschaftssprecher. Unklar blieb, wie ein solcher Widerstand aussehen könnte. Doch im Gespräch sind anhaltende Demonstrationen und Werksblockaden. Die Opel-Betriebsräte hadern noch heute mit ihrem Management: Als GM sich vor zwei mit 20 % an Fiat Auto beteiligte, waren die Opel-Betriebsräte von diesem Einstieg des US-Mutterkonzerns völlig überrascht worden.

Der Widerstand der Betriebsräte hat allerdings nur begrenzte Aussichten auf Erfolg. Eine komplette Fiat-Übernahme durch GM würden sie wahrscheinlich nur verzögern, aber nicht grundsätzlich stoppen können. Nach bislang unbestätigten Berichten wird die komplette Fiat-Übernahme bei GM intern bereits geprüft.

In ganz Europa ist der Fahrzeugabsatz sowohl bei Fiat als auch bei Opel in den ersten Monaten dieses Jahres dramatisch eingebrochen. Nach Angaben des europäischen Herstellerverbandes Acea sind Verkaufszahlen bei Fiat bis Ende April um 18 % gefallen, bei Opel beträgt der Rückgang immerhin noch knapp 14 %. Besonders drastisch hat es Opel auf dem deutschen Heimatmarkt mit einem Minus von 21 % erwischt. Ein Opel-Sprecher bestätigte am Montag, dass die etwa 40 000 deutschen Mitarbeiter vor neuen Einschnitten stehen. Die anstehende Tariferhöhung von 4 % wird demnach wahrscheinlich mit übertariflichen Leistungen verrechnet.

Quelle: Handelsblatt

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