"Gemeinsame Interessenlage"
Roland Koch: "Hunzinger ist ein alter politischer Freund"

Auch in heiklen Lagen hat Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) offen über seine Beziehungen zum Frankfurter PR-Unternehmer Moritz Hunzinger gesprochen.

HB WIESBADEN. "Moritz Hunzinger ist ein alter politischer Freund", ließ Koch am 20. Dezember 2000 den Schwarzgeld-Untersuchungsausschuss des Wiesbadener Landtags wissen; er kenne ihn länger, "als Herr Scharping ihn kennt". Noch vor sechs Wochen, am 11. Juni 2002, hielt der CDU-Politiker einen Vortrag bei Hunzingers Veranstaltungsreihe "Politischer Salon". Honorar habe Koch dafür jedoch nicht genommen, erklärte Hessens Regierungssprecher Rainer Kling am Montag.

Geschäftliche Kontakte gebe es zwischen beiden nicht, sagte Kling. Das war allerdings nicht immer so. Ende 1998 hatte Koch, damals noch Oppositionsführer im hessischen Landtag, in Hunzingers Blazek und Bergmann das Buch "Vision 21" veröffentlicht - und sich damit lange vor dem Schwarzgeldskandal der Hessen-CDU den Vorwurf verdeckter Parteienfinanzierung eingehandelt. Denn der Verlag steckte nach Hunzingers eigenen Angaben - andere Schätzungen reichten viel höher - knapp 200 000 Mark (rund 100 000 Euro) in die Werbung. Das war weit mehr, als der Verkauf der Startauflage von 5000 Stück eingebracht hätte.

Die hessischen Grünen äußerten damals den Verdacht, dass die Kampagne weniger auf das Buch als auf die bevorstehende Landtagswahl zielte. Auch der Hessische Rundfunk sowie die Landesanstalt für privaten Rundfunk sahen diese Gefahr und lehnten es ab, die vom Verlag geschalteten Werbespots für "das Buch des neuen CDU - Spitzenpolitikers" auszustrahlen. Hunzinger bestritt den Vorwurf und rechtfertigte den Reklameaufwand als Marketing für den Verlag. Im Zuge der Schwarzgeldaffäre kamen auch die Vorgänge um "Vision 21" wieder in die Diskussion. Oppositionsabgeordnete argwöhnten, möglicherweise sei die Werbekampagne in Wahrheit aus der schwarzen CDU-Kasse in Liechtenstein bezahlt worden. In seiner Vernehmung vor dem Landtags-Untersuchungsausschuss räumte Koch immerhin ein, dass die CDU die Produktion der Radiospots finanziert habe.

Koch sprach von einer "gemeinsamen Interessenlage" mit seinem Parteifreund: Er selbst habe kein wirtschaftliches, sondern ein politisches Interesse verfolgt; Hunzinger dagegen habe den gerade übernommenen Verlag "wieder in die Charts schieben" wollen. Von der Opposition gefragt, ob dies eine mittelbare Unterstützung seines Landtagswahlkampfes gewesen sei, verwies Koch auf millionenschwere DGB-Unterstützung für die SPD: "Insofern habe ich moralisch mit der Frage gar kein Problem." Sein nächstes Buch ließ der hessische Ministerpräsident jedoch in einem Verlag erscheinen.

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