Gemeinsame Lösungen im Wertpapiergeschäft
Systemfrage ist der Schlüssel in der Abwicklung

Mit Kooperationen bei der Abwicklung wollen Deutschlands Banken die Kosten drücken. Im Prinzip sind sich alle einig - dennoch gestalten sich die Verhandlungen schwierig.

FRANKFURT/M. Die Abwicklung von Wertpapiergeschäften und der Zahlungsverkehr ist eine eher trockene Materie. Dennoch stehen die Abwicklungsabteilungen der Banken, die Back Offices, derzeit im Fokus der Finanzwelt. Denn unter dem Eindruck der Ertragskrise suchen Banken fieberhaft nach Möglichkeiten für Allianzen, um die Abwicklungskosten zu senken. "Der Leidensdruck ist derart groß, dass die Verhandlungen einfach erfolgreich sein müssen", heißt es bei den Instituten unisono.

Gleich an drei Stellen werden Allianzmodelle ausgelotet. Deutsche und Dresdner Bank verhandeln mit der Deutschen Börse über eine gemeinsame Wertpapier-Abwicklung. Parallel sprechen die beiden Institute mit der Hypo-Vereinsbank über eine Lösung im Zahlungsverkehr. An dem dritten Projekt basteln Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Die WPS, einer der Wertpapierabwickler des Sparkassenlagers, will mit der BWS Bank fusionieren, der Abwicklungsbank der Volks- und Raiffeisenbanken.

Sollten die Vorhaben tatsächlich gelingen, wäre dies ein Meilenstein für das deutsche Kreditwesen. Noch herrscht bei der Abwicklung ein buntes Nebeneinander. Nicht nur die vier Großbanken leisten sich jeweils eigene Systeme. Auch im Sparkassenlager tummelt sich eine Hand voll Anbieter. Nur die Genossenschaften haben es bisher geschafft, ihre Wertpapierabwicklung bei der BWS zu bündeln.

Dass die Systemvielfalt wenig effizient ist, wissen alle Beteiligten seit langem. Die Abwicklung ist ein reines Mengengeschäft. Durch eine Bündelung der Kräfte ließen sich daher beträchtliche Synergien erreichen. Branchenkenner erwarten Einsparungen von mindestens 20 bis 30 %. Zudem würden Doppelinvestitionen vermieden, weil nicht mehr jede Bank ihre eigene Plattform aufbauen müsste. Immerhin kostet ein derartiges System einen dreistelligen Millionenbetrag.

Trotz dieser Erkenntnis verliefen in den letzten Jahren diverse Kooperationsanläufe im Sande. Knackpunkt war regelmäßig die Systemfrage. Bei der Bank, die ihre Plattform aufgibt und auf die eines Partners wechselt, können hohe Kosten anfallen, weil das alte System abgeschrieben werden muss.

Auch die jetzt diskutierten Modelle sind noch längst nicht in trockenen Tüchern. Die größten Erfolgschancen werden BWS und WPS eingeräumt. Die Verträge sollen im April unterschreiben werden. Über die Gretchenfrage nach der Plattform soll aber erst nach der Fusion entschieden werden, um ein vorzeitiges Scheitern zu verhindern.

Schwerer tun sich die Großbanken. Ursprünglich sollten die Details der Zahlungsverkehrs-Lösung bereits Ende vergangenen Jahres geklärt sein. Ein Grund der Verzögerung ist, dass sowohl bei der Dresdner Bank als auch bei der Hypo-Vereinsbank (HVB) die zuständigen Vorstände wechselten. Offiziell wollten sich die Banken nicht zum Stand der Gespräche äußern. Doch hat sich das Trio nach Informationen aus Finanzkreisen noch immer nicht darüber geeinigt, welches System benutzt werden soll. Ein weiterer Knackpunkt ist die Frage, wie die Kosten einer Fusion aufgeteilt werden sollen. "Keiner hat derzeit etwas zu verschenken", heißt es. Unklar ist ferner, ob die neue Tochter ihren Sitz in Frankfurt oder München haben sollte.

Aber es gibt auch manche Fortschritte. Nachdem Deutsche und Dresdner Bank ihre Zahlungsverkehrsabteilungen bereits vor einiger Zeit ausgegliedert haben, will im April auch die HVB eine eigene Tochtergesellschaft namens HVB Payments & Services mbH gründen. Damit haben alle drei Institute zumindest die organisatorischen Voraussetzungen für eine Fusion geschaffen.

Bei der Wertpapierabwicklung hakt es ebenfalls an der Systemfrage. Die Deutsche Bank will ihren DB Trader nutzen, doch halten Dresdner Bank und Börse diese Plattform für zu teuer. Die Dresdner Bank verfüge aber über keine echte Alternative, heißt es. Ihr altes System sei nicht mandantenfähig, könne also nicht für mehrere Banken zugleich arbeiten. Und die Einführung des neuen Geos-Systems, mit dem die Bank schon seit geraumer Zeit kämpft, liegt bis auf weiteres auf Eis. Von überschäumendem Optimismus ist bei den Verhandlungspartnern ob dieser Probleme nichts zu spüren: "Die Chancen auf eine Einigung stehen bei fifty fifty."

Der nächste Artikel zur Serie erscheint morgen: Kreditfabriken, bereits bestehende und geplante Projekte.

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