Gemeinsamer Standard für das Bezahlen per Handy: Mobilfunker machen Kreditkarte Konkurrenz

Gemeinsamer Standard für das Bezahlen per Handy
Mobilfunker machen Kreditkarte Konkurrenz

Das Handy als Geldbörse: Das wollen die europäischen Mobilfunkkonzerne etablieren und dafür einen technischen Standard schaffen. Den Anfang machten T-Mobile und Vodafone. Jetzt haben die beiden große Verbündete gefunden. Heute wollen sie ihre Allianz bekannt geben. Die Branche verspricht sich davon höhere Umsätze.

DÜSSELDORF. Die führenden europäischen Telekomkonzerne verbünden sich: Gemeinsam wollen die deutsche T-Mobile, die britische Vodafone, die spanische Telefónica und die France-Télécom-Tochter Orange einen Standard für das Bezahlen per Mobiltelefon schaffen. Nach Angaben aus informierten Kreisen soll diese Allianz heute bekannt gegeben werden.

Gemeinsam erreichen die vier Unternehmen weltweit gut 250 Millionen Handy-Nutzer. Vodafone ist der größte Mobilfunkkonzern Europas, T-Mobile die Nummer zwei. Nach Informationen aus Branchenkreisen wollen sich auch kleinere Konkurrenten - KPN Mobile aus den Niederlanden, MMO2 aus Großbritannien, der Mobilfunkdienstleister Debitel und der Neueinsteiger auf dem europäischen Markt, Hutchison Whampoa mit seiner Marke "3" - der Allianz anschließen.

Die Möglichkeit, sicher über das Handy abrechnen zu können, gilt als eine wichtige Voraussetzung für die weitere Verbreitung des elektronischen Handels. Künftig sollen die Handy-Besitzer beispielsweise auch ihre Getränke am Automaten oder ihre Parkgebühren über die Handy-Rechnung bezahlen können. Die Unternehmen versprechen sich über solche Zusatzdienste höhere Umsätze.

Bisher haben die Mobilfunkkonzerne verschiedene Softwaresysteme, über die sie solche Zahlungen abwickeln. Die Allianz aus T-Mobile, Vodafone & Co. will jetzt einen anbieterübergreifenden Standard schaffen. Kreditkartenzahlungen mit dem Handy sollen zudem leichter und bequemer werden, verlautete aus den Kreisen.

Den ersten Schritt dazu machten die Unternehmen im Frühjahr 2002: Vodafone und T-Mobile haben eine Partnerschaft ausgerufen - mit dem Ziel, dem Bezahlen per Mobiltelefon weltweit zum Durchbruch zu verhelfen. "Wir versuchen, alle Mobilfunkunternehmen einzubinden", sagte T-Mobile-Vorstand Nikesh Arora damals.

Mit den Partnern Telefónica und Orange kommen sie damit ein großes Stück weiter. Die Konzerne wollen für ihre Pläne in Sachen mobiles Bezahlen eigens eine Gesellschaft mit Sitz in London gründen, verlautete aus informierten Kreisen. Das Unternehmen wird voraussichtlich von Tim Jones, einem ehemaligen Banker, geleitet. Die technische Plattform für das Bezahlen per Handy stammt vom Stuttgarter Softwareunternehmen Encorus, hieß es in der Branche.

Eine Studie der Marktforscher von Frost & Sullivan prophezeit dem Bezahlen per Handy ein Marktvolumen von rund 25 Mrd. Euro in Europa in etwa drei Jahren. Weltweit wird das Volumen nach Schätzungen von Experten bis 2005 auf mehr als 80 Mrd. Euro steigen. Einbezogen sind dabei auch Zahlungen an Getränkeautomaten, Parkuhren sowie Online-Einkäufe.

Analysten betrachten die Prognosen jedoch mit Skepsis, denn auch bei Online-Einkäufen im stationären Internet ziehen die meisten Kunden bisher als Zahlungsmöglichkeit die Kreditkarte und Banküberweisungen vor.

Ursprünglich wollten die Mobilfunker ihren Standard für sicheres mobiles Bezahlen schon früher einführen. "Es kam jedoch zu Verzögerungen, weil wir möglichst viele Mobilfunkgesellschaften zusammenbringen wollten und M-Commerce nicht bei jedermann auf der Prioritätenliste ganz oben stand", hieß es in Branche.

Bevor das Bezahlen per Handy in Schwung kommt, hat bereits ein Anbieter sein Geschäft schon wieder teilweise eingestellt. Die Paybox AG, ein Vorreiter in Deutschland auf dem Gebiet Bezahlen via Handy, gab im Januar das Geschäft mit Privat- und Gewerbekunden auf. Als wesentlichen Grund für das Scheitern sah Paybox die sehr langsame Verbreitung des mobilen Zahlungsverkehrs. Knapp drei Jahre war das Unternehmen, an dem die Deutsche Bank beteiligt war, am Markt. In dieser Zeit konnten 900 000 Kunden gewonnen werden, davon rund 700 000 in Deutschland. Aber nur etwa ein Drittel nutzte den mobilen Dienst aktiv für das Bezahlen kleiner Beträge.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%