Gemeinsamer Weg gesucht
Branchenlösung zur Rettung der Mannheimer

Die deutschen Lebensversicherer haben sich auf ihrem Krisentreffen zur Mannheimer Holding am Montagabend nach Angaben aus Teilnehmerkreisen auf eine Branchenlösung zur Rettung des angeschlagenen Versicherers verständigt.

Reuters FRANKFURT. Damit soll die Mannheimer als Unternehmen erhalten bleiben und der Imageschaden für das Produkt Lebensversicherung begrenzt werden. "Es geht darum, einen gemeinsamen Weg zu finden und die Mannheimer gerade nicht über die Auffanggesellschaft Protektor abzuwickeln", fasste ein Teilnehmer das Ergebnis des Treffens am Dienstag zusammen. Noch in dieser Woche - voraussichtlich am Freitag - soll der Rettungsplan der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vorgestellt werden. Die Mannheimer, die BaFin und der GDV wollte sich dazu am Dienstag nicht äußern.

Endgültige Rettung für Mannheimer kann noch lange dauern

Die Zustimmung der Aufsichtsbehörde gilt als relativ wahrscheinlich, da die BaFin sich bei der Beaufsichtigung der Mannheimer keine Fehler vorwerfen lassen will. "Bis der Rettungsplan dann auch umgesetzt ist, kann es allerdings noch Wochen oder Monate dauern. Selbst ein Scheitern ist nicht völlig auszuschließen", sagte ein mit dem neuen Konzept Vertrauter. Für den Rettungsplan wurde die Hauptversammlung von Ende Juni auf den 27. August verschoben, denn die Anteilseigner müssen den umfangreichen Kapitalmaßnahmen noch zustimmen.

Die im SDax gelistete Mannheimer ist wegen umfangreicher Abschreibungen auf ihre Aktienanlagen in eine Schieflage geraten und kämpft mit stillen Lasten von rund 230 Millionen Euro. Das Unternehmen braucht etwa 300 Millionen Euro frisches Kapital, wenn es seine Aktienbestände auf den derzeitigen Marktwert abschreibt.

GDV setzt auf Solidaritätsbeitrag der gesamten Branche

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) setze auf die Solidarität der ganzen Branche und werde bei allen Mitgliedern darum werben, sich an der Rettung der Mannheimer zu beteiligen. "Dabei sollen die Unternehmen etwa so in die Pflicht genommen werden, wie es bei einer Lösung über Protektor der Fall wäre", hieß es. Die Beiträge würden sich dann an dem jeweiligen Marktanteil - allerdings mit einer Obergrenze von zehn Prozent - orientieren. Die größten Aktionäre der Mannheimer sind der österreichische Versicherer Uniqa mit 13 Prozent und die Münchener Rück mit zehn Prozent, sechs weitere Assekuranzen halten knapp fünf Prozent.

Weiter Bar- und Genusskapital sowie Vorabzahlungen geplant

Offen bleibt, zu welchen Teilen das Geld aus einer Barkapitalerhöhung, der Ausgabe von Genussscheinen und durch Vorabfinanzierung der Rückversicherung kommen soll. "Das ist ein sehr komplexes Paket, was von der BaFin noch abgesegnet werden muss", hieß es aus Teilnehmerkreisen.

Erst am vergangenen Freitag hatte der langjährige Mannheimer-Chef Hans Schreiber seinen Rücktritt erklärt. Neuer Vorstandssprecher ist Lothar Stöckbauer, der bislang die profitable Sachversicherungssparte der Mannheimer Holding leitete. Mit dem erfahrenen Stöckbauer an der Spitze dürfte es den Wettbewerbern leichter fallen, die Sanierung mitzutragen.

"Schreibers Ablösung ist ein wichtiges Signal nach außen. Die Konkurrenten der Mannheimer haben das Missmanagement vor allem an dem kantigen Schreiber festgemacht", hieß es in Branchenkreisen. Der ehemalige Mannheimer-Chef hatte kurz vor seiner Demission eine Entscheidung zur Sanierung des Unternehmens noch für Juni in Aussicht gestellt.

Der Mannheimer-Konzern hatte 2002 einen Verlust von 50 Millionen Euro verbucht und in den ersten drei Monaten dieses Jahres sogar ein Minus von knapp 64 Millionen Euro nach Steuern in den Büchern stehen. Die Aktien der Mannheimer notierten am Dienstagnachmittag mit rund 1,4 Prozent im Plus bei 7,15 Euro.

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