Gemeinschaftsunternehmen gegründet
Infineon und Nanya machen gemeinsame Sache

Infineon und sein taiwanesischer Partner Nanya werden künftig wie geplant gemeinsam Speicherchips (DRAMs) fertigen und bei der Entwicklung zusammenarbeiten. Allerdings ist etwa die Hälfte der Finanzierung des Gemeinschaftsprojektes, in das der Münchener Chip-Konzern bis 2005 insgesamt 550 Millionen Euro investieren will, noch offen.

Reuters MÜNCHEN. "Damit können beide Partner ihre Marktposition für Speicherchips ausbauen und die Entwicklungskosten teilen", erklärte Infineon am Mittwoch in München. Das Werk, das mit der produktiveren 300-Millimeter-Technologie arbeiten soll, werde in der Endausbaustufe Mitte 2006 monatlich bis zu 50 000 Silizium-Scheiben - so genannte Wafer - produzieren. Das Projekt habe ein Volumen von insgesamt 2,2 Milliarden Euro, Infineon und Nanya wollten jeweils 550 Millionen Euro einbringen. Somit ergibt sich eine Finanzierungslücke von 1,1 Milliarden Euro. An der Börse gab der Kurs der Infineon-Aktie deutlich nach.

Infineon schloss eigene Investitionen über die geplanten 550 Millionen Euro hinaus oder eine Wandelanleihe von Infineon selbst aus. Branchenkreise hatten eine solche Wandelanleihe für das Joint Venture - also nicht vom den Münchener Konzern - als eine Möglichkeit neben mehreren anderen bezeichnet.

Mit der Vereinbarung setzt Infineon seine Strategie fort, sich über Partnerschaften weitere Produktionskapazitäten zu schaffen und dabei die eigenen Investitionskosten möglichst gering zu halten. "Durch die kosteneffiziente Erhöhung der Produktionskapazitäten gewinnen wir neue Marktanteile hinzu und bauen damit unseren weltweiten Marktanteil bei Speicherchips zielstrebig auf über 20 Prozent aus", erklärte Infineon-Chef Ulrich Schumacher. Derzeit liegt das Unternehmen bei DRAMS - dem umsatzstärksten Bereich - bei 14 bis 15 Prozent.

Das Halbleiterwerk, das eines der größten der Welt werden soll, wird den Angaben zufolge bei Vollauslastung bis zu 1300 Mitarbeiter beschäftigen. Erste Wafer sollten bereits 2003 vom Band laufen. Die Zustimmung der Kartellbehörden steht noch aus.

Analysten begrüßten die Vertragsbesiegelung mit Nanya, für die bereits im Mai ein vorläufiges Abkommen geschlossen wurde. "An sich ist das eine sehr, sehr gute Sache", sagte etwa Merck Finck-Analyst Theo Kitz. Infineon könne seine Investitionskosten für das Werk halbieren und auch bei den Entwicklungsaufwendungen sparen. "Die Aktie wird wohl im Zusammenhang mit der Sorge vor einer möglichen Wandelanleihe oder einer Kapitalerhöhung (bei Infineon) stehen", sagte Jürgen Wagner, Analyst bei Sal Oppenheim. "Das ist aber eigentlich nicht absehbar." Der Kurs der Infineon-Aktie gab bis zum Nachmittag um 8,9 Prozent auf 7,77 Euro ab, während der Deutsche Aktienindex (Dax) rund 3,1 Prozent verlor.

Wie Reuters aus Branchenkreisen erfuhr, wird für das Joint Venture der Einstieg weiterer Partner in Betracht gezogen. Aber auch eine Finanzierung über Kredite, ein Börsengang oder eine eine Wandelanleihe des Gemeinschaftsunternehmens selbst seien möglich. "Es sind die verschiedensten Modelle denkbar", hieß es.

Infineon schloss für sich selbst eine Wandelanleihe aus. "Eine Wandelanleihe in diesem Zusammenhang plant Infineon definitiv nicht", sagte eine Sprecherin. Auch Investitionen über die genannten 550 Millionen Euro hinaus seien nicht geplant. Zu den Finanzierungsmöglichkeiten des Gemeinschaftsunternehmens selbst, also auch die in Branchenkreisen genannten Optionen einer Wandelanleihe, Krediten oder dem Einstieg eines weiteren Partners, wollte sie sich nicht äußern. "Zur Gesamtfinanzierung des neuen Werkes werden wir zu gegebener Zeit Stellung nehmen", sagte die Sprecherin lediglich.

2001 und 2002 hat die Halbleiter-Branche den schwersten Einbruch seit ihrem Bestehen verzeichnet. Der Infineon-Konzern, der sich als sechstgrößter Halbleiterproduzent sieht, verbuchte in den abgelaufenen zwei Geschäftsjahren vor Steuern und Zinsen jeweils einen Milliarden-Verlust.

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