Gemeinschaftsunternehmen soll an den Neuen Markt
Knorr und VMR bilden Wagniskapitalgruppe

Die Konzentration in der deutschen Wagniskapitalszene setzt sich fort. Die börsennotierten Gesellschaften Knorr Capital und Value Management Research wollen fusionieren und sich so auf den härteren Wettbewerb vorbereiten. Den gemeinsamen Gewinn je Aktie wollen die Partner bis 2003 mehr als verdreifachen.

FRANKFURT/M. Die Wagniskapitalgesellschaften Knorr Capital Partner AG und Value Management Research AG (VMR) bündeln ihre Kräfte. Die beiden Gesellschaften würden in die Neugründung Knorr Capital Value Management AG (KCVM) eingebracht, hieß es in unternehmensnahen Kreisen. Bis Mitte Oktober soll der Verschmelzungsbericht für den Zusammenschluss vorliegen, im November sollen die Aktionäre die Fusion auf zwei Hauptversammlungen genehmigen. Für Dezember ist schließlich der Börsengang der neuen KCVM AG in Verbindung mit einer Kapitalerhöhung geplant, voraussichtlich an den Neuen Markt.



Den Vorstandsvorsitz von KCVM wird der bisherige Chef von Knorr Capital, Thomas H. Knorr, übernehmen. Als Stellvertreter ist der bisherige Vorstandschef von VMR, Florian Homm, vorgesehen.



Von der Fusion erhoffen sich die Gesellschaften einen deutlichen Schub für die Unternehmensentwicklung und eine schnellere Internationalisierung des Geschäfts. Die neue Gesellschaft wird in 22 Ländern vertreten sein und erwirtschaftet derzeit 46 % ihres Umsatzes mit Auslandsbeteiligungen. Längerfristig soll dieser Anteil auf 60 % bis 70 % steigen.



Im laufenden Jahr erwartet Knorr Capital Value Management einen Umsatz von 146,2 Mill. Euro und ein Vorsteuerergebnis von 62,3 Mill. Euro. Das Ergebnis je Aktie soll 2,6 Euro betragen. Es soll über 5,3 Euro im kommenden Jahr auf 9,4 Euro 2003 wachsen. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2000 erzielte Knorr Capital bei einem Umsatz von 31,7 Mill. Euro ein Ergebnis vor Steuern von 14,6 Mill. Euro. Im gleichen Zeitraum erwirtschaftete VMR einen Umsatz von 58,3 Mill. Euro und ein Vorsteuerergebnis von 24 Mill. Euro.



KCVM soll als Wagniskapitalgeber in innovative und schnell wachsende kleine und mittelständische Unternehmen investieren. Die angepeilte Wertsteigerung der Beteiligungen soll vor allem durch die Platzierung der Unternehmen an der Börse, aber auch durch den Verkauf an industrielle Investoren realisiert werden. Dabei will KCVM den Beteiligungsunternehmen nicht nur Kapital, sondern vor allem auch Management-Unterstützung zur Verfügung stellen. Dafür sollen 13 so genannte Wertentwicklungsteams aus Technologie- und Branchenspezialisten sowie Finanzexperten und Unternehmensberatern sorgen.



Der Schwerpunkt der KCVM-Beteiligungen liegt auf der Informationstechnologie und Telekommunikation. In Zusammenarbeit mit dem Partnerunternehmen Medicis AG will KCVM in Zukunft auch mehr in die Branchen Gesundheit und Biotechnologie investieren. Darüber hinaus planen die Partner den Aufbau von Engagements im Unterhaltungs- und Mediensektor.



Knorr hält derzeit rund 60 Beteiligungen im Wert von rund 220 Mill. Euro. Zu den Unternehmen, die die Gesellschaft bereits an die Börse gebracht hat zählen die am Neuen Markt notierten Werte Heyde, Systematics und Endemann. VMR kommt auf 30 Investments mit einem Wert von 200 Mill. Euro. Während sich Knorr Capital seit jeher auf das Wagniskapitalgeschäft konzentriert hat, ist VMR breiter aufgestellt. Zum Portfolio gehören Fondsmanagement, Aktienresearch und ein eigenes Internet-Emissionshaus für Börsengänge. Im Venture-Capital-Geschäft rechnen die Fusionspartner in den kommenden Jahren mit einem rasanten Wachstum. Sie gehen von jährlichen Zuwachsraten zwischen 70 % und 100 % aus. Im ersten Halbjahr 2000 ist in Deutschland nach Zahlen des Bundesverbandes BVK 78 % mehr Wagniskapital neu investiert worden als im Vorjahreszeitraum.



Allerdings rechnen Knorr und VMR gleichzeitig mit einer Konsolidierung in der Branche und einer Verschärfung des Wettbewerbs. Im Februar hatte bereits der europäische Marktführer 3i Group die deutsche Technologieholding GmbH übernommen. Außerdem drängen immer mehr große US-Wagniskapitalfirmen mit Milliardenfonds nach Europa.



Das Gemeinschaftsunternehmen aus Knorr und VMR will sich nach der Fusion stärker auf seine Kernkompetenzen im Wagniskapitalgeschäft konzentrieren. So solle das VMR-Fondsmanagement mit einem verwalteten Vermögen von rund 1,5 Mrd. Euro im dritten Quartal 2001 ausgegliedert und an die Börse gebracht werden, hieß es. Allerdings wolle KCVM die Mehrheit an der Fondsgesellschaft zumindest vorerst behalten. Später sei auch eine Minderheitsbeteiligung denkbar.

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