Gemeinschaftswährung klettert auf höchsten Stand seit drei Jahren
Starker Euro entzweit den Kurszettel

Der hohe Eurokurs setzte zuletzt vor allem den Autoaktien kräftig zu. Aber es gibt auch Gewinner der haussierenden Währung: Vor allem Papiere von Handels- und Bekleidungskonzernen könnten zulegen, glauben Experten.

DÜSSELDORF. Euro gleich Teuro! Der Devisenmarkt bringt diese Redewendung auf den Punkt: Um satte 16 % konnte die Einheitswährung seit Jahresbeginn gegenüber dem Greenback zulegen und erreichte gestern ein Dreijahreshoch von 1,0325 Euro je US-Dollar. Für exportierende Unternehmen ist das eine Hiobsbotschaft: Sie erlösen weniger, die Wettbewerbsfähigkeit leidet und die Gewinne schrumpfen.

Viele Anleger drehen den Spieß jetzt einfach um - und kaufen Euro-Profiteure. Unternehmen, die auf Dollarbasis ihre Rohstoffe einkaufen oder gar produzieren und einen Großteil ihrer Erlöse im Euroraum erzielen, reiben sich derzeit die Hände. "Der starke Euro stärkt die Binnenwerte und schwächt die Exportwerte", sagt Reinhard Pfingsten, Leiter Aktien Europa bei der Deka Bank. "Puma ist so ein klassischer Profiteur", ergänzt etwa Josef Schopf, Manager des Lupus Alpha MDax Plus-Fonds.

Die Statistik gibt dem Nebenwertespezialisten Recht: Nach einer Analyse des Bankhauses M.M. Warburg hat in den vergangenen drei Jahren keine Aktie im Dax 100-Index derart stark von einem steigenden Euro profitiert wie der Sportartikelhersteller.

Auch die positive Korrelation von Handelskonzernen wie Douglas Holding und KarstadtQuelle überrascht nicht. "Beide Werte sind klassische Binnenhändler. Für sie verbilligt sich bei einem steigenden Euro der Einkauf", sagt Peter Ott, Manager des UBS Warburg MidCap- Fonds. Auch der Handelskonzern Metro freut sich über einem starken Euro, da die für den Konzerngewinn wichtige Elektroartikel-Sparte Media Saturn vornehmlich in Fernost mit US-Dollar einkauft und Waren überwiegend in Euro verkauft.

Ebenfalls auf der Kaufliste der Fondsmanager, die auf einen steigenden Euro setzen, stehen Bekleidungshersteller wie Gerry Weber und Escada, die ihre Produktion in Billiglohnländer ausgelagert haben, aber in Euroland hohe Umsätze erzielen.

Die Kehrseite der Medaille: "Deutschland ist ein Exportland. Kommt es zu einer dramatischen Bewegung des Euros nach oben, leiden darunter Gewinne und Wettbewerbsfähigkeit von exportstarken Unternehmen, die in Deutschland produzieren", mahnt Henning Gebhardt, Leiter für Deutsche Aktienfonds bei der DWS. Besonders Unternehmen aus der Automobilindustrie und dem Maschinenbau gerieten dann unter Druck. So stehen nach der Warburg-Studie vor allem Autowerte, aber auch die Papiere von Siemens ganz oben auf der Verliererliste, wenn der Euro anzieht, und auch die Druckmaschinenhersteller mussten Federn lassen.

In Zukunft wird sich eine vorsichtigere Exportpolitik wahrscheinlich auszahlen. "Porsche hat sich bis 2006 am Devisenmarkt gegen Schwankungen abgesichert", sagt Heidrun Heutzenröder, Managerin des Adig-Fondak-Aktienfonds. Konkret heißt das: Erst ab 2007 würde ein starker Euro tatsächlich negativ auf die Gewinne von Porsche durchschlagen. Für kurzfristige Schwankungen interessieren sich Analysten und Fondsmanager ohnehin kaum: Daraus resultierende Windfall Profits - Gewinne, die dem Unternehmen quasi zufliegen - werden oft aus dem Unternehmensergebnis einfach heraus gerechnet. "Wichtiger als Wechselkursveränderungen ist die operative Ertragslage des Unternehmens", mahnt UBS-Mann Ott. "Erst ein nachhaltiger Anstieg des Euros wirkt sich tatsächlich auf die Gewinne aus."

Dafür stehen die Chancen indes gut. Während der Öl- und Goldpreis in dem Maß anziehen, wie der Ton zwischen dem Irak und den USA schärfer wird, profitiert der Dollar bislang nicht von seinem Ruf als Krisenwährung. "Wir sehen derzeit eher eine Dollarschwäche als eine Eurostärke", sagt Carsten Klude, Chefvolkswirt von M.M. Warburg. Sein Kursziel für den Euro bis Ende 2003 beträgt 1,09 $. Rainer Sartoris, Analyst von HSBC Trinkaus & Burkhardt, hält aus technischer Sicht sogar Kurse von 1,10 $ binnen eines halben Jahres für möglich. "In den letzten Tagen hat der Euro seine mittel- und langfristigen Abwärtskanäle nach oben durchbrochen", sagt Sartoris. Er rät daher von Engagements im Dollarraum ab. Zudem sinke auch der Wert von US-Aktien im heimischen Depot, wenn der Euro klettert.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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