Gemeinschaftswährung nahe des Allzeit-Tiefs
Euro fällt unter 0,89 Dollar

Die Gemeinschaftswährung für Euroland nähert sich ihrem Allzeit-Tief.

Reuters FRANKFURT. Der Euro ist am Dienstag im Verlauf des Vormittags trotz einiger ermutigender Konjunkturdaten aus der Euro-Zone wieder in Richtung seines am 31. August markierten Allzeittiefs von 0,8837 $ gefallen. Die Erholung sei offenbar nur kurzlebig gewesen sagten Händler. Die Aufmerksamkeit der Akteure richte sich nun wieder verstärkt auf die Glaubwürdigkeit der europäischen Politik, nachdem Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Montag gesagt hatte, er sei nicht besorgt über die derzeitige Euro-Schwäche. Zudem habe die Tenderzuteilung die Erwartungen bestätigt, dass nach der EZB-Zinserhöhung in der Vorwoche vorerst keine weitere Zinsanhebung zu erwarten sei. Gegen 13.30 Uhr lag der Euro bei 0,8875/79 $.

Der Dollar habe dagegen von Aussagen des japanischen EPA-Minister Taichi Sakiya profitiert, wonach Japan sich bei einem Kurs zwischen 100 und 110 Yen gut fühle.

Im Referenzkursverfahren öffentlicher Banken wurde der Euro am Dienstag mit 0,8861 nach 0,9003 $ am Montag ermittelt. Ein Dollar kostete damit 2,2072 nach 2,1724 DM am Vortag. Zur japanischen Währung wurde der Referenzkurs mit 94,24 nach 95,28 Yen am Vortag festgestellt.

Kanzler Schröder sieht Grund zur Freude

Die Frage der Glaubwürdigkeit habe sich bereits am Vortag erneut gestellt, als Schröder gesagt hatte, der durch den schwachen Euro bedingte kräftige Auslandsumsatz in Ostdeutschland sei mehr Grund zur Freude als zur Sorge. Russel Jones, Chef des Devisen-Research bei Lehman Brothers in London sagte dazu, ein Irrtum wie dieser ziehe eine Menge nach sich. "Die Märkte tendieren dazu, sehr grausam zu sein in solchen Dingen," sagte er.

Zudem hatte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Horst Siebert, in einem "Handelsblatt"-Interview gesagt, die Schwäche des Euro dokumentiere die Schwäche der Europäischen Union (EU). "Die gemeinsame Linie bei der Konsolidierung der Haushalte sollte dem Euro langfristig helfen," sagte Siebert. Allerdings gebe es viele Ursachen für die gegenwärtige Schwäche der Währung.

Zinserhöhung fiel zu schwach aus

Das Ergebnis der dieswöchigen Tenderzuteilung bewerteten die Marktteilnehmer nach Angaben von Händlern als Indiz dafür, dass nach der Erhöhung der Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) um 25 Basispunkte in der vergangenen Woche vorerst keine weitere Straffung der Geldpolitik zu erwarten sei. Die EZB hatte am Vormittag bei ihrem als Zinstender ausgeschriebenen Hauptrefinanzierungsgeschäft mit 14 Tagen Laufzeit 108 Mrd. Euro ab einem Zinssatz von 4,55 % zugeteilt. Der gewichtete Durchschnittszinssatz hatte bei der Zuteilung 4,57 % betragen.

Die im Verlauf des Vormittags veröffentlichten Konjunkturdaten werteten Händler zwar als zum Teil recht ermutigend mit Blick auf die weitere wirtschaftliche Entwicklung in der Euro-Zone, doch hätten diese den Markt nicht bewegt. Von der Konjunkturseite seien auch am Nachmittag aus den USA keine Impulse zu erwarten. Gold tendierte am Dienstag leichter. Beim Vormittagsfixing in London notierte die Feinunze des Edelmetalls mit 276,20 nach 276,65 $ am Montagnachmittag.

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