Gemeinschaftswährung tendiert schwächer
Euro von Duisenberg und Ifo-Rückgang wenig beeindruckt

Auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen im Euroraum unverändert zu lassen, hat der Euro-Kurs kaum reagiert. Die Europawährung notierte gegen 17.15 Uhr bei 0,8401$.

Reuters NEW YORK. Der Euro hat sich am Donnerstag wenig beeindruckt von der Pressekonferenz von EZB-Chef Wim Duisenberg und der Veröffentlichung des Ifo-Geschäftsklimaindex gezeigt und sich bei Werten um 84 US-Cents gehalten. Analysten sagten, Duisenbergs Zurückhaltung gegenüber der Presse in Bezug auf seine früheren Äußerungen zum Euro und möglichen Notenbank-Intervention hätte ein neues Abrutschen der Gemeinschaftswährung verhindert. Die eigentliche EZB-Entscheidung gegen eine Anhebung der Leitzinsen sei zudem von den Märkten erwartet worden. Auch der Ifo-Index beeinflusste trotz seines unerwartet starken Rückgangs die Gemeinschaftswährung kaum.

Gegen 17.15 Uhr MESZ notierte der Euro bei 0,8401/04, nachdem die EZB den Referenzwert am Nachmittag mit 0,8411 festgestellt hatte. Am Morgen hatte sich der Euro von seinem am Mittwoch erreichten Allzeittief bei 0,8452 $ erholt. Auf der mit Spannung erwarteten EZB-Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung hatte Duisenberg am Donnerstag eine Stellungnahme zu der jüngsten Kritik an seiner Amtsführung sowie zu möglichen Notenbank-Interventionen abgelehnt. Auf die Frage, ob er glaube, dass er eine gute Arbeit leiste, sagte Duisenberg: "Die Antwort ist ja." Er habe seine Schlüsse aus der Medienkritik klar gezogen; es werde von ihm keine weiteren Kommentare zu Interventionen geben. Duisenberg hatte am Montag mit einem Zeitungsinterview mit der Londoner "Times" an den Finanzmärkten für Aufregung gesorgt. In dem Interview hatte Duisenberg angedeutet, die EZB werde nicht zu Gunsten des Euro intervenieren, falls er durch die Spannungen in Nahost geschwächt würde. Der Euro war daraufhin am Mittwoch auf ein neues Allzeittief von 0,8326 $ gefallen.

Händler zufolge verhinderte Duisenbergs Zurückhaltung vor der Presse einen erneuten Kursverfall des Euro. "Dass er sich dazu nicht äußerte war wohl das beste, was er tun konnte", sagte Jürgen Michels von Sal. Oppenheim in Köln. "Zumindest hat er den Euro nicht nach unten geschickt", fügte ein Händler in London hinzu.

Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex war am Donnerstag mit Spannung erwartet worden, da Händler davon ausgegangen waren, dass die Märkte auf einen Rückgang des Index reagieren würden. Über die erneute Verschlechterung beim Ifo zeigte sich der Euro Händlern zufolge jedoch unbeeindruckt. Nach Angaben des Münchener Ifo-Instituts sank der Geschäftsklimaindex für Westdeutschland im September auf 98,0 nach revidiert 98,9 (99,0) im August. Damit sank der Index auf den tiefsten Stand seit Oktober 1999. Von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt einen Rückgang auf 98,6 Indexpunkte vorausgesagt.

Dennoch bewerteten viele Beobachter den erneuten Rückgang beim Ifo als eine konjunkturelle Trendwende. Ein vierter Rückgang in Folge weise deutlich auf eine Wachstumsabschwächung in der Euro-Zone hin, hieß es. Andere Experten waren dagegen der Ansicht, es sei auf Grund der hohen Ölpreise nicht überraschend, dass sich die Stimmung verschlechtert hätte und warnten davor, den Index in dieser Phase überzubewerten. "Die Situation ist vergleichbar mit 1987, als es zum Börsencrash kam und die Geschäftsaussichten schlechter wurden", sagte Harald Jörg von der Dresdner Bank. Danach sei es allerdings zu einer schnellen Erholung gekommen.

Äußerungen des britischen Premierministers Tony Blair, wonach er sich heute gegen einen Beitritt Großbritanniens zur Euro-Zone entscheiden würde, hatten den Euro Händlern zufolge am Donnerstagmittag vorübergehend belastet. Blair sagte am Rande des Europäisch-Asiatischen Gipfeltreffens in Seoul: "Die öffentliche Meinung wird sich am Ende ein eigenes Bild von der Lage machen. Wenn sie aber heute mit einer Meinungsumfrage zu mir kämen und fragten: Würden sie dem Euro heute beitreten, würde ich Nein sagen".

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