Gemeinschaftswährung verbilligt sich zum Yen
Euro fällt wegen aufkeimender US-Konjunkturhoffnung

Unerwartet besser ausgefallene Konjunkturdaten in den USA haben die Aussichten auf eine Erholung der schwachen US-Wirtschaft aufgehellt und dem Euro am Freitag Kurseinbußen beschert. So hatte die Industrie in den USA im Juli einen überraschend hohen Auftragseingang und der Index der Einkaufsmanager in Chicago für August stieg stärker. Der Euro gab über den Tag rund einen US-Cent auf Kurse deutlich unter 0,91 $ ab nach einem Tageshoch bei fast 0,92 $.

Reuters FRANKFURT. Trotz Gerüchten über Interventionen zur Schwächung des Yen kletterte die japanische Währung zum Dollar unterdessen auf den höchsten Stand seit drei Monaten. Auch der Euro verbilligte sich zum Yen und rutschte unter die Marke von 108 Yen.

Gegen 18.40 Uhr MESZ kostete der Euro 0,9099/01 $, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs am Mittag in Frankfurt mit 0,9158 $ ermittelt hatte. Die US-Valuta notierte mit 118,76/79 nach einer Eröffnung in New York mit 118,60/68 Yen.

Händlern zufolge nahmen die Investoren die neuen US-Konjunkturdaten positiv auf. Händler sagten, dies gebe Anlass zur Hoffnung, dass die Industrie die Talsohle hinter sich habe. Der Dollar konnte kräftig zulegen, die US-Aktien drehten leicht ins Plus. Dennoch herrsche am Markt weiterhin Unsicherheit darüber, ob dies schon ein Signal für eine Ende des Abschwungs waren. "Die Investoren sind noch immer besorgt, dass sich die Wirtschaft nicht so schnell erholen könnte wie erwartet," sagte Eric Nickerson von der Bank of America in New York mit Blick auf die uneinheitlich ausgefallenen Daten. Dagenen äußerte sich Asha Bangalore vom Northern Trust in Chicago optimistisch zu den aktuellen Daten: "Es gibt keine weitere Abschwächung bei den regionalen Industrieaktivitäten. Produktion, Aufträge, Beschäftigung - alles deutet auf eine Trendwende hin."

Gerüchte über Notenbank-Intervention halten an

Nach Angaben des US-Handelsministerium hat die US-Industrie im Juli 0,1 % mehr Aufträge erhalten als im Juni, als die Aufträge fast um drei Prozent gesunken waren. Dagegen hatten Volkswirte im Durchschnitt ein Minus von 0,5 % vorausgesagt. Zudem berichtete die Vereinigung der Chicagoer Einkaufsmanager, ihr Konjunkturindex sei im August 2001 auf saisonbereinigt 43,5 Punkte von 38,0 im Vormonat gestiegen, während die Analysten nur 39,8 Punkten prognostiziert hatten. Unter den Erwartungen blieb dagegen das Vertrauen der US-Verbraucher in die Konjunktur. Der von der Universität Michigan errechnete Index fiel auf 91,5 von vorläufig 93,5 und 92,4 Punkten im Juli. Volkswirte hatten 93,2 Punkte erwartet.

Anhaltende Gerüchte über mögliche Notenbank-Interventionen verhinderten indessen nicht, dass sich der Yen zum Dollar weiter festigte. Wegen des rapiden Kursverfalls des Dollar zum Yen sucht Japan nach den Worten von Finanzminister Masajuro Shiokawa Unterstützung bei den sieben größten Industrienationen (G7). Dies habe die Gerüchte über Dollar-Stützungskäufe am Markt angeheizt, sagten Händler. Die EZB lehnte eine Stellungnahme zu Gesprächen Japans mit den G7-Staaten ab. Die jüngsten Yen-Kursgewinne führten Händler insbesondere auf die verstärkte Sorge um die US-Konjunktur zurück. "Wir sehen das nicht als Yen-Stärke. Das ist die Dollar-Schwäche, und zudem sehen wir die Abweichung von den Fundamentaldaten", sagte Shahab Jalinoos von UBS Warburg.

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