Gemischte Gefühle
Elefantenhochzeit der Prüfer stößt auf Skepsis

Das geplante Zusammengehen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst&Young mit dem angeschlagenen Prüfungskonzern Andersen hat bei Experten unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen, die von Zustimmung bis Ablehnung reichten.

lü/bba DÜSSELDORF. So hebt Wolfgang Lück vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre der TU München den warnenden Finger. Aus Sicht der Unternehmen sei die Fusion sicherlich hervorragend, weil sich beide gut ergänzen. "Für den Markt ist ihr Zusammengehen allerdings eine Katastrophe", sagte er dem Handelsblatt. "Denn wir haben dann nicht mehr die "Big Five"der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, sondern nur noch die "Big Four"." Nach dem Zusammenschluss mit Andersen würde Ernst & Young im Bereich der Jahresabschlussprüfungen mit einem Umsatz von rund 450 Mill. Euro vom vierten auf den dritten Platz vorrücken, hinter PriceWaterhouse Coopers (603 Mill. Euro) sowie Marktführer KPMG (960 Mill. Euro).

Auch die Konkurenz sieht die Fusion offenbar mit gemischten Gefühlen. So hält Christian Dyckerhoff, Sprecher des Vorstandes der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO, den Markt der Abschlussprüfungen für gefährdet, "weil sich das jetzt so konzentriert, das die Regulatoren sich etwas überlegen müssen."

Theodor Baums, Vorsitzender der deutschen Regierungskommission Corporate Governance, sieht dies gelassener: "Ich glaube, dass das Verschwinden von Andersen keine dramatische Entwicklung auf dem Prüfermarkt darstellt, weder was die Preise für Abschlussprüfung, noch die Qualität der Prüfung angeht."

Für Lück dagegen mehren sich die Alarmsignale: Bei der zunehmenden Marktkonzentration bei den Jahresabschlussprüfungen sei "ein Aufstöhnen" der mittelständischen Kanzleien zu beobachten. Lück: "Wenn Sie mal sehen, wer die Dax 30-Unternehmen prüft, stoßen Sie heute auf die Big Five - künftig auf die Big Four. Das ist eine Sache fürs Kartellamt."

Für BDO-Chef Dyckerhoff ist es "erfreulich, dass die Andersen-Kollegen bei Ernst&Young landen. Dort werden sie leicht eine passende Position finden. Bei KPMG wäre dies wahrscheinlich erheblich schwieriger." KPMG selbst zeigt sich von der Andersen-Entscheidung unbeeindruckt: Dieser Ausgang sei nach der Bekanntgabe der Allianz zwischen Andersen und Ernst&Young Frankreich keine Überraschung. Es habe von Anfang an Klarheit zwischen KPMG und Andersen bestanden, "dass ein nationaler Alleingang von Andersen in Deutschland wenig Charme hat".

Im Rahmen seiner Ermittlungen im Fall Enron hat das US-Justizministerium unterdessen gegen eine Anwältin der US-amerikanischen Gesellschaft Arthur Andersen LLP ebenfalls Ermittlungen eingeleitet. Nancy Temple soll maßgeblich an der Zerstörung der Enron-Dokumente beteiligt gewesen sein, mit der die Andersen-Prüfer ihre Bilanzfälschungen bei Enron vertuschen wollten. Dies sagte ein US-Staatsanwalt unter Eid aus. Einen Tag vor Bekanntwerden der Ermittlungen gegen Temple hatte Andersen einen letzten Versuch unternommen, die Verhandlungen mit der US-Regierung wieder aufzunehmen. Zuvor waren die Gespräche mit dem US-Justizministerium um eine außergerichtliche Einigung gescheitert.

Quelle: Handelsblatt

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