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Gemischte Reaktion der Verbände auf Zinssenkung

Die überraschende Leitzinssenkung in der Euro-Zone ist bei Verbänden und Forschungsinstituten auf Zustimmung und Kritik gestoßen. Der Verband Öffentlicher Banken (VÖB) und der Bundesverband deutscher Banken (BdB) begrüßten in Berlin den Schritt der Europäischen Zentralbank (EZB).

rtr BERLIN. Der DIHT hingegen kritisierte die Zinssenkung als "übereilt". Der DIW-Konjunkturexperte Gustav Adolf Horn sagte, er rechne angesichts der sich abkühlenden Konjunktur bald mit einem weiteren Zinsschritt der EZB. Der stellvertretende DGB-Vorsitzende Heinz Putzhammer wertete die Entscheidung als Signal für den Beginn einer Periode sinkender Zinsen in Europa.

Die EZB hatte den für die Refinanzierung der Geschäftsbanken maßgeblichen Mindestbietungssatz beim Zinstender um 25 Basispunkte auf 4,50 Prozent reduziert. Fast alle Analysten hatten hingegen mit unveränderten Zinsen gerechnet.

Der VÖB bezeichnete den Schritt als richtig. Der Verband habe ihn in dieser Größenordnung bereits vor Wochen gefordert. Obwohl die EZB anders als die amerikanische Notenbank Fed kein Wachstumsziel verfolge, sei eine Lockerung der gegenwärtigen restriktiven Politik auch vor dem Hintergrund der Konjunkturabkühlung in der Euro-Zone konsequent und richtig. Die Inflationsrate in der Euro-Zone bewege sich zwar mit 2,6 Prozent noch oberhalb der Toleranzgrenze von zwei Prozent.

Nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) zeige der Zinsschritt, dass die EZB die künftigen Preisrisiken in der Euro-Zone inzwischen als hinreichend gering einschätze. Diese Analyse werde von BdB geteilt. Die inzwischen langsamere Gangart der Konjunktur reduziere das Risiko stärkerer Preisanhebungen. Von der Zinssenkung würden sicherlich auch positive Impulse für die Konjunktur in der Euro-Zone und in Deutschland ausgehen.

Nach Aussagen Horns kommen diese Impulse jedoch zu spät: "Die Abschwächung der Konjunktur ist bereits unterwegs. Das lässt sich mit diesem Schritt nicht mehr auffangen", sagte der Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der Nachrichtenagentur Reuters. Die Zinssenkung sei zwar grundsätzlich zu begrüßen, jedoch komme sie zu spät. Geldpolitische Maßnahmen wirkten immer erst nach rund einem halben Jahr: "Der Schritt wird also erst gegen Jahresende Wirkung zeigen." Er gehe zudem von weiteren Zinssenkungen der Zentralbank aus: "Wir erwarten, dass die EZB wegen der sich abschwächenden Konjunktur unter Druck gerät und einen weiteren Zinsschritt machen wird", sagte Horn.

Der Deutsche Industrie und Handelstag (DIHT) bezeichnete die EZB-Entscheidung als einen übereilten Vorschuss auf einen schwächeren Preisauftrieb. Bislang lägen keine Belege für eine nachhaltige Verringerung der Inflationsgefahren vor. Weder die aktuellen Inflationsraten noch die Geldmengenentwicklung legten einen solchen Schritt zum jetzigen Zeitpunkt nahe.

Der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Putzhammer, sagte, Zinssenkungen seien insbesondere auch deshalb notwendig, weil eine Reihe von Indikatoren darauf hindeuteten, dass die Konjunkturschwäche im Euro-Raum ausgeprägter ist als ursprünglich vermutet. Das Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsministerium lehnten jeden Kommentar zu der EZB-Zinssenkung ab.

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