Gemischtes Bild in der Chemie
DSM überrascht mit deutlich mehr Gewinn

Licht und Schatten in der Chemie: Während US-Konzerne im zweiten Quartal unter den Erwartungen blieben, halten sich europäische Anbieter gut. Einig sind sich die Firmen nur darüber: 2002 wird keinen Durchbruch bringen.

sbe/bef BRÜSSEL. Der niederländische Chemiekonzern DSM hat ebenso wie sein französischer Konkurrent Rhodia die Börse gestern mit einem deutlichen Gewinnanstieg im zweiten Quartal überrascht. Bei DSM verbesserte sich das Betriebsergebnis nach Steuern um 13 % auf 120 Mill. ?, Rhodia erzielte einen operativen Profit von 24 Mill. ? nach einem Verlust im vorigen Jahr. Beide Spezialchemiefirmen meldeten damit wesentlich bessere Ergebnisse als der weltgrößte Chemiehersteller, Dow Chemical, und tags zuvor Akzo Nobel. Bei Dow Chemical ist der operative Gewinn um 4 % gefallen.

Die Chemiekonzern meldeten für das zweite Quartal überwiegend einen deutlichen Anstieg bei den produzierten Mengen. So verzeichnete Dow Chemical im Vergleich zum Vorjahresquartal einen Zuwachs von 8 %, bei DSM lag der Wert bei 5 %. Negativ wirkten sich bei beiden Unternehmen die anhaltend rückläufigen Verkaufspreise aus: Bei Dow Chemical fiel der Umsatz leicht auf 7,2 Mrd. $, DSM setzte 1,4 Mrd. ? und damit 2 % weniger um. Bei Rhodia sank der Umsatz um 8 % auf 1,8 Mrd. ?.

"Die Zahlen von DSM und Rhodia sind überraschend gut", kommentierte Analyst Michael Vara von der Commerzbank. Er geht davon aus, dass auch die anderen europäischen Chemiefirmen wie BASF, Clariant oder Ciba in den nächsten Wochen ordentliche Ergebnisse vorlegen werden. Allerdings sei dies überwiegend auf das Auffüllen der Läger in wichtigen Kundenindustrien zurückzuführen und weniger auf einen konjunkturellen Durchbruch. Bei ihren Ergebnisausichten für dieses Jahr bleiben viele Chemiefirmen daher zurückhaltend.

Nur DSM-Chef Peter Elverding demonstrierte gestern ungebrochenen Optimismus - obwohl auch er nur von einer "zögernden Erholung" der Weltwirtschaft spricht und die derzeitige Eurostärke gegenüber dem Dollar für unvorteilhaft hält. Elverding erwartet für 2002 ein "substantiell besseres Betriebsergebnis der fortgeführten Aktivitäten". Möglicherweise könne die Verbesserung bei bis zu 10 % liegen, konkretisierte später der Konzern, der die Kosten deutlich gesenkt hat.

Anleger belohnten diesen Ausblick mit einem kräftigen Kursanstieg. "Die Ergebnisse und die Aussichten sind eine Erleichterung nach der Gewinnwarnung von Akzo Nobel", sagte Marc van der Geest, Analyst bei Rabo Securities. DSM verzeichnete eine leichte Erholung in einigen Endmärkten. Das Bild in den Sparten ist gemischt: Die Industriechemikalien verdoppelten ihr Ergebnis. Produkte für die Pharma- und Nahrungsmittelindustrie verbesserten ihr Resultat leicht, Hochleistungskunststoffe aber verbuchten einen niedrigeren Gewinn.

Gegenüber dem ersten Quartal ergibt sich bei DSM sogar ein Gewinnzuwachs von 76 %. Der Reingewinn des Konzerns stieg deutlich auf 959 Mill. ?, da DSM durch den Verkauf der Petrochemie-Sparte an die saudi-arabische Sabic-Gruppe einen hohen Buchgewinn erzielte. DSM will sich zum Anbieter von Spezialstoffen für hochentwickelte Biotechnologie- und Chemieprodukte in den Bereichen Life-Science und Hochleistungsmaterialien entwickeln.

Bei der Verbesserung des Gewinns half DSM ebenso wie der französischen Rhodia SA der zuletzt gesunkene Preis für Rohöl, dem wichtigsten Rohstoff der Branche. Rhodia verbesserte in allen Segmenten seinen Gewinn vor Steuern, Zinsen und sämtlichen Abschreibungen. Der Umsatz dagegen fiel vor allem bei der Spezialchemikalien für Konsumgüterhersteller und im Polyamid-Textilgeschäft. Rhodia erwartet für das dritte Quartal eine nur schwache Erholung und rechnet zudem mit Belastungen durch höhere Rohölpreise.

Der US-Konzern Dow Chemical verzeichnete im zweiten Quartal eine Nachfragesteigerung in allen Segmenten, zu denen Kunststoffe, Industriechemikalien, Pflanzenschutzmittel und Spezialitäten gehören. Die Ergebnisse hätten deutlich über denen des ersten Quartals gelegen, sagte Dow-Finanzchef Pedro Reinhard. Allerdings setzt ein Preisrückgang bei vielen Chemikalien von bis zu 10 % die Gewinnspanne von Dow Chemical unter Druck. Falls sich die Preissituation entspanne und der Rohölpreis stabil bleibe, erwartet Reinhard ein "substanziell besseres Ergebnis" im laufenden dritten Quartal.

Quelle: Handelsblatt

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