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Gen macht aus Mäuse-Casanovas häusliche «Ehemänner»

London/Atlanta (dpa) - Mit Hilfe eines einzelnen Gens haben US- Forscher notorische Mäuse-Casanovas in treue Partner verwandelt. Die Männchen der nordamerikanischen Wiesenwühlmaus, die sich normalerweise mit zahlreichen Weibchen paaren, wurden durch den Transfer eines Gens der eng verwandten Präriewühlmaus monogam und häuslich.

London/Atlanta (dpa) - Mit Hilfe eines einzelnen Gens haben US- Forscher notorische Mäuse-Casanovas in treue Partner verwandelt. Die Männchen der nordamerikanischen Wiesenwühlmaus, die sich normalerweise mit zahlreichen Weibchen paaren, wurden durch den Transfer eines Gens der eng verwandten Präriewühlmaus monogam und häuslich.

Mit dem Gentransfer hatten die Forscher die Zahl bestimmter Hormonrezeptoren in einem Belohnungszentrum des Gehirns von Wiesenwühlmäusen erhöht. Die Studie ist im britischen Fachjournal «Nature» (Bd. 429, S. 754) vom Donnerstag veröffentlicht.

Die Ergebnisse könnten neue Einblicke in die Neurobiologie der Liebe geben, meint das Team um Larry Young von der Emory-Universität in Atlanta (US-Staat Georgia). Darüber hinaus sei bekannt, dass dieselben neuronalen Prozesse wie in der Liebe bei der Drogenabhängigkeit eine Rolle spielten, ergänzte Youngs Kollegin Miranda Lim. «Der Hirnprozess bei der Bindung an einen Partner ähnelt möglicherweise der Entstehung einer Drogenabhängigkeit: Beide aktivieren Belohnungsschaltkreise im Gehirn.»

Die Wissenschaftler hatten das Paarungsverhalten der promiskuitiven Wiesenwühlmaus Microtus pennsylvanicus mit dem der Präriewühlmaus Microtus ochrogaster verglichen, die eine lebenslange Bindung mit einem einzigen Partner eingeht. Aus früheren Studien war bereits bekannt, dass Präriewühlmäuse in einer Belohnungszone des Hirns mehr Rezeptoren für das Hormon Vasopressin besitzen. Die Forscher erhöhten daher künstlich die Zahl der Vasopressin-Rezeptoren bei den Wiesenwühlmäusen.

Die Studie zeige, dass einzelne Genveränderungen tief in das Sozialverhalten von Tieren eingreifen könnten, betont Young. Bei Menschen seien an der Bildung von Partnerschaften zwar vermutlich zahlreiche Gene beteiligt. «Es ist jedoch ein faszinierender Gedanke, dass individuelle Unterschiede bei den Vasopressin-Rezeptoren möglicherweise eine Rolle in der unterschiedlichen Bildung von Beziehungen spielen.» Früheren Forschungen zufolge seien Vasopressin-Rezeptoren möglicherweise auch mit Störungen der Sozialbeziehungen wie etwa Autismus verknüpft.

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