Genehmigtes Swap-Volumen von 20 Milliarden Euro soll voll ausgenutzt werden
Finanzagentur startet mit Zinstauschgeschäften

Die Finanzagentur des Bundes gestaltet seit gut einem Jahr den Kapitalmarktauftritt der Bundesrepublik. Sie will die Zinskosten massiv drücken und fast eine Milliarde Euro sparen. Dabei soll der Einsatz von Zinstauschgeschäften helfen. Die so genannten Zinsswaps werden im zweiten Halbjahr erstmals eingesetzt.

FRANKFURT/M. Der Bund lässt eigene Profis arbeiten. Durch den Einsatz derivativer und anderer Instrumente will er die Zinszahlungen auf seine Schulden massiv verringern. Vom Jahr 2010 an sollen Zinskosten über rund 0,5 bis 0,75 Mrd. gespart werden. Vor gut einem Jahr hat der Bund seinen Marktauftritt der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH übertragen. Vorher war die Bundesbank dafür verantwortlich. Das entscheidende Wort über die Refinanzierung treffen weiterhin der Bund bzw. das Finanzministerium. Gestern standen die Geschäftsführer der Agentur Gerhard Schleif und Peter Jabcke in einer geheimen Sitzung dem Haushaltsausschuss des Parlaments Rede und Antwort.

Die Finanzagentur ist ermächtigt worden, in diesem Jahr Zinstauschgeschäfte (Swaps) über Anleihen im Wert von 20 Mrd. abzuschließen. Vom zweiten Halbjahr an wird das Finanzinstrument eingesetzt. "Das genehmigte Volumen soll ausgeschöpft werden", sagte Schleif. Von der Nutzung der Swaps erhoffen sich Schleif und Jabcke kräftige Zinseinsparungen und damit eine verbilligte Kreditaufnahme für den Bund. Dafür bietet sich der Einsatz derivativer Instrumente wie Zins-swaps an. Die französische Finanzagentur arbeitet schon länger mit diesem Instrument.

Bei einem Zinsswap tauschen zwei Marktteilnehmer für eine bestimmte Laufzeit feste jährliche Zins- gegen variable Zinszahlungen. Diese werden alle drei oder sechs Monate entsprechend dem dann gültigen Drei- oder Sechsmonats-Euribor festgelegt. Dies ist der Geldmarktzinssatz, den sich führende Banken in der Euro-Zone untereinander berechnen, wenn sie sich gegenseitig Geld leihen. Durch den Einsatz von Zins-Swaps kann der Bund von niedrigen Geldmarktzinsen profitieren. Wieviel Geld der Bund durch die Swaps spare, sei noch nicht abzusehen, sagte Schleif.

Faire Preise für Wertpapiere des Bundes

In diesem Jahr will die Finanzagentur insgesamt Bundeswertpapiere über etwa 186 Mrd. emittieren oder aufstocken - bislang brachte sie davon 89 Mrd. auf den Markt. Oberstes Ziel der Finanzagentur sei es, dafür zu sorgen, dass die Wertpapiere des Bundes zu fairen Preisen gehandelt werden können, sagten die Geschäftsführer der Finanzagentur in einem Gespräch mit dem Handelsblatt.

Angetreten ist die Finanzagentur mit dem Ziel, die Zinszahlungen des Bundes massiv zu verringern. "Dabei ist der Erfolg bislang noch marginal", sagte Schleif. Dass es zu früh sei, um jetzt schon eine Bilanz des Erreichten zu ziehen, meint auch Christoph Rieger, Zinsstratege bei Commerzbank Securities. Positiv sei jedoch, dass die Finanzagentur "nah an den Märkten ist." So war Gerhard Schleif selbst lange Zeit bei der BHF-Bank und der Deutschen Girozentrale - Deutsche Kommunalbank, die inzwischen als DGZ Bank-Deka firmiert. Peter Jabcke ist ehemaliger Ministerialdirigent und arbeitete lange Zeit im Bundesfinanzministerium. Unter den knapp 80 Mitarbeitern der Agentur finden sich viele ehemalige Banker.

Das Schuldenmanagement des Bundes sei unter der Ägide der Finanzagentur professioneller geworden, sagen auch Banker, die mit der Finanzagentur zu tun haben. So wird der Einsatz von Swapgeschäften positiv beurteilt. Gelobt wird auch, dass die Finanzagentur häufig das Gespräch mit Marktteilnehmern sucht.

Die derzeit 42 Banken der Bietergruppe Bundesemissionen sind die zentralen Ansprechpartner der Finanzagentur. Nur sie können im automatischen Tenderverfahren Gebote für die Emissionen des Bundes abgeben. Um in der Bietergruppe zu bleiben, müssen die Banken im Schnitt mindestens 0,05 % des gesamten zugeteilten Volumens der jeweiligen Emissionen ersteigern. Für etwa 80 % des Umsatzes sorgen dabei die auf den ersten 15 Rängen liegenden Mitglieder der Gruppe. Überlegungen, die Gruppe zu verkleinern gibt es laut Schleif nicht. Die Rangliste der Bietergruppen wird einmal pro Jahr erstellt.

Dabei sind die Banken vor allem aus Prestigegründen in der Bietergruppe dabei. Denn die Titel des Bundes könne man sich im Sekundärmarkt oft billiger verschaffen als im Tenderverfahren, heißt es im Handel. "Das ist jedoch auch bei den Emissionen anderer Staaten so und nicht der Finanzagentur anzulasten", sagte Rieger.

Neben dem Einssatz von Zins-swaps denkt die Finanzagentur auch daran, inflationsgebundene Anleihen nach französischem Vorbild einzuführen. Allerdings gebe es noch viel abzuklären, so dass in diesem Jahr nicht mehr mit solchen Anleihen zu rechnen sei, sagte Jabcke.

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