Genehmigung der EU-Kommission erwartet
Gute Chancen für HDW-Übernahme

Die EU-Kommission wird die Übernahme der deutschen Marinewerft HDW durch eine Tochter der US-Bank Bank One nach Einschätzung aus mit der Prüfung vertrauten Kreisen diese Woche genehmigen.

Reuters BRÜSSEL/BONN. Dies werde ungeachtet von Bedenken des Bundeskartellamtes bis Freitag geschehen, hieß es am Montag in den Kreisen in Brüssel. Die Bank-One-Tochtergesellschaft One Equity Partners (OEP) dementierte Berichte, hinter dem Mehrheitserwerb stecke der Rüstungskonzern General Dynamics.

One Equity Partners hatte 75 Prozent der HDW-Anteile von mehreren Anteilseignern gekauft. Die Übernahme galt in der EU-Kommission von vornherein als unproblematisch. Das Bundeskartellamt hatte sich jedoch in den Fall eingeschaltet. Die Howaldtswerke Werft-Deutsche (HDW) ist einer der weltweit führenden Hersteller konventionell angetriebener Unterseeboote.

Die EU-Kommission müsse "genau schauen", ob durch den Verkauf an OEP, einem Unternehmen des US-Institutes Bank One, die Finanzkraft der HDW so verstärkt werde, dass es zu einer marktbeherrschenden Stellung der Werft komme, sagte Kartellamtschef Ulf Böge am Montag Reuters.

Böge dementierte zugleich einen Zeitungsbericht, wonach die Behörde die EU-Wettbewerbshüter vor einem Einstieg des US-Rüstungskonzerns General Dynamics durch die Hintertür bei HDW und damit vor einem Technologietransfer gewarnt habe. Einen solchen "Zungenschlag" habe das Schreiben an die EU-Kommission nicht gehabt, sagte Böge. OEP dementierte den Bericht ebenfalls. General Dynamics sei nicht in OEP-Geschäfte involviert oder gar an ihnen beteiligt, teilte Christopher von Hugo, Senior Partner von OEP, mit.

Die Kommission nahm zu ihrer bevorstehenden Entscheidung nicht Stellung. Ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti verwies lediglich darauf, dass rüstungspolitische Überlegungen keinen Einfluss auf die Entscheidung der Kommission haben könnten. Er bestätigte den Eingang eines Schreibens des Kartellamtes. Daraufhin habe die Kommission den Fall nicht im vereinfachten, sondern im regulären einmonatigen Verfahren geprüft. Danach müsse bis Freitag eine Entscheidung fallen.

OEP hatte Mitte März vorbehaltlich der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden 25 Prozent an der Kieler Howaldtswerke Werft-Deutsche (HDW) von Babcock erworben und 50 Prozent minus eine Aktie von Babcock-Großaktionär Preussag. Unter der Voraussetzung, von Babcock auch die restlichen Anteile zu erhalten, will OEP jeweils 15 Prozent an ThyssenKrupp und an das Handelshaus Ferrostaal verkaufen. 20 Prozent sollen früheren Angaben zufolge an einen strategischen Investor in den USA gehen. Im Falle eines Rückzuges von OEP wurde den deutschen Unternehmen ein Vorkaufsrecht eingeräumt, womit der Weg zu dem seit langem angestrebten deutschen Werftenverbund frei wäre.

Die Brüsseler Behörde kann aus rüstungspolitischen Gründen eine Transaktion nicht stoppen. Die Verteidigungspolitik ist Sache der Mitgliedsstaaten. Doch dürfte eine Übernahme der HDW durch ein US-Rüstungsunternehmen nicht im Interesse der Bundesregierung sein, zumal HDW über die bislang weltweit einmalige Technolgie des Brennstoffzellenantriebs für U-Boote verfügt. Vielmehr ist ein deutscher Werftenverbund ein erklärter Wunsch von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).

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