Genehmigung der Kooperation mit Eurowings mit Auflagen erwartet
Lufthansa vor Einigung mit Kartellwächtern

Die Lufthansa kommt im Streit mit dem Kartellamt um den Regionalcarrier Eurowings wohl mit einem blauen Auge davon. Eine Genehmigung des Deals mit Auflagen gilt als wahrscheinlich. Die Gespräche sind weit fortgeschritten. Eine endgültige Entscheidung wird für Mitte September erwartet.

FRANKFURT/M. Die Deutsche Lufthansa steht kurz davor, die letzte Hürde für eine Kooperation mit der Regionalfluggesellschaft Eurowings zu nehmen: Wenige Wochen vor der endgültigen Entscheidung des Kartellamtes verlautet aus Branchenkreisen, dass die Bonner Wettbewerbshüter den umstrittenen Zusammenschluss vermutlich unter Auflagen genehmigen werden. Die Gespräche zwischen beiden Seiten sind jedoch noch nicht abgeschlossen.

Experten rechnen damit, dass Lufthansa und Eurowings vor allem bei den innerdeutschen Strecken Dortmund und Nürnberg zu Abstrichen gezwungen werden und zudem auf bestimmten Flügen für einen gewissen Zeitraum ihre Ticketpreise garantieren müssen. Hinter den Kulissen wird auch darüber nachgedacht, die Regionalfluggesellschaft an die gemeinsam mit Karstadt-Quelle geführte Touristiktochter Thomas Cook weiterzureichen. Offiziell wollten weder Lufthansa noch die Behörde zu dem laufenden Verfahren Stellung nehmen.

Die Kartellwächter hatten den Airlines eine Frist bis Ende September eingeräumt, um die Einwände gegen den geplanten Zusammenschluss auszuräumen. Beide Unternehmen hatten in den vergangenen Monaten in ausführlichen Gesprächen die Behörde von der Kooperation zu überzeugen versucht. Nach Informationen aus Branchenkreisen ist Mitte des nächsten Monats mit einer Entscheidung zu rechnen. Im März hatten die Kartellwächter nach einer Intervention von Amtspräsident Ulf Böge für die Airlines überraschend angekündigt, den geplanten Einstieg von Lufthansa bei Eurowings zu untersagen.

Die Wettbewerbshüter befürchteten, dass die Kooperation zu einer unerlaubten marktbeherrschenden Stellung bei innerdeutschen Flügen führt. Die Lufthansa hält seit Januar 24,9 % an Eurowings und hat die Option, den Anteil binnen drei Jahren auf 49 % aufzustocken. Ein Verbot des Zusammenschlusses mit der Lufthansa würde nach Ansicht von Eurowings hunderte Jobs bei der Regionalfluggesellschaft bedrohen. Mit Sorge sehen beide Gesellschaften deshalb das derzeit unsichere Schicksal der Deutschen BA. Ein möglicher Rückzug der British-Airways-Tochter vom deutschen Markt könnte negativen Einfluss auf die Kartellentscheidung haben, lauten die Befürchtungen.

Konjunkturflaute macht sich bemerkbar

Lufthansa-Chef Jürgen Weber hat jedoch positive Nachrichten nötig. Denn die Konjunkturflaute hat auch die Airline erwischt. Die Fluggesellschaft will im Winter weniger stark wachsen und stellt unrentable Strecken ein. Für Vorstandschef Weber dürfte es in den kommenden Monaten schwieriger werden, im Luftfahrtgeschäft Geld zu verdienen. Nachdem die Luftfahrtbranche in den vergangenen Wochen vor allem mit negativen Nachrichten aufwartete, erwarten die Analysten nicht, dass die Vorlage der Halbjahreszahlen am kommenden Mittwoch für eine positive Überraschung sorgen wird.

Die Lufthansa befindet sich nach Meinung von Experten angesichts der schwachen Konjunktur wirtschaftlich im Sinkflug. Die Mehrheit der befragten Analysten rechnet damit, dass die Airline nach sechs Monaten trotz eines zweistelligen Plus beim Konzernumsatz ein drastisch geschrumpftes operatives Ergebnis vorlegen wird. Schuld seien die Erhöhung der Pilotengehälter, die um ein Drittel gestiegenen Treibstoffkosten und Währungseffekte wegen des teuren Dollars, sagte Uwe Weinreich von der Hypo-Vereinsbank. Er sieht den Höhenflug der Lufthansa vorerst gestoppt und rechnet erst 2002 wieder mit einem positiven Trend beim Ergebnis. Die meisten Experten beurteilen die Aktie zurückhaltend. Während UBS Warburg das Papier auf Halten zurückstufte und Salomon Oppenheim Lufthansa derzeit als neutral bewertet, stellte die Commerzbank die Kranich-Aktie auf "Reduce". Trotz positiver Entwicklungen bei einer Reihe von Airlines glauben die Commerzbank-Fachleute, dass der Sektor wahrscheinlich weiter schlechter abschneiden werde als der Gesamtmarkt.

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