Genehmigung der Powergen-Übernahme steht kurz bevor
Eon schaut sich im Mittleren Westen um

Der Energiekonzern Eon peilt einen neuen Rekord beim operativen Ergebnis an. Stark zulegen will Eon dabei im Stromgeschäft. Während der Übernahme der britischen Powergen inklusive US-Geschäft anscheinend nichts mehr im Wege steht, könnte der Erwerb der Ruhrgas zum Risiko werden.

agr/jsn DÜSSELDORF. Die Eon AG, Düsseldorf, blickt zuversichtlich in das Jahr 2002. Zwar will Eon-Chef Ulrich Hartmann angesichts der schwierigen konjunkturellen Lage keine genaue Prognose riskieren. Doch der Energiekonzern will das Betriebsergebnis gegenüber dem Rekordniveau des Vorjahres erneut steigern. "Auch im Kerngeschäft Energie erwarten wir ein höheres Betriebsergebnis", sagte Hartmann. Eon kalkuliere dabei allerdings mit 5 bis 10 % höheren Strompreisen, weil die derzeitigen Erlösen die Kosten nicht deckten.

Der Konzernüberschuss werde durch Veräußerungsgewinne deutlich über dem des Vorjahres liegen. Bereinigt um Portfolioveränderungen soll der Umsatz leicht steigen.

Die Börse zeigte sich unbeeindruckt. Die Eon-Aktie notierte gestern in einem festen Gesamtmarkt bei 58,25 Euro nur leicht höher. Eon hatte bereits am Vortag die Eckdaten für 2001 veröffentlicht. Positiv überrascht hatte Analysten dabei nur die Erhöhung der Dividende.

Unter dem Strich hat Eon seit der Fusion von Veba und Viag vor knapp zwei Jahren 45 Mrd. Euro Umsatz abgegeben und 27 Mrd. Euro aus den Verkäufen erlöst. Für die restlichen Desinvestitionen steht der Fahrplan fest. Aus dem Verkauf des Logistikkonzern Stinnes in diesem Jahr (frühestens im Sommer) und der "zügigen Abgabe" der Telekom-Beteiligungen in Frankreich und Österreich werden Erlöse von insgesamt vier bis fünf Mrd. Euro erwartet. Der Chemiekonzern Degussa und die Immobilienfirma Viterra stehen mittelfristig zum Verkauf.

Hartmann betonte, dass Eon künftig sehr sorgfältig bei der Auswahl der Käufer vorgehe. Beim offenbar missratenen Verkauf der Klöckner & Co (Klöco), die voraussichtlich erneut zum Verkauf steht, sei die britisch-iranische Balli Gruppe der Wunschkandidat von Klöco und der einzige Interessent gewesen, der Klöco als Ganzes übernehmen wollte. Mit dem Verkauf seien aber alle Verbindungen zwischen Klöco und Eon beendet worden.

Eon konzentriert sich weiter auf das Energiegeschäft

Eon setzt die Konzentration auf das Energiegeschäft fort. Zwei Großprojekte sollen in den nächsten Wochen vollendet werden. Bis Mai soll die Übernahme des britischen Energieversorgers Powergen mit seinen Aktivitäten in Kentucky bewerkstelligt werden. Die ursprünglich für März erhoffte Genehmigung der US-Börsenaufsicht SEC hat sich zwar verzögert. Doch Hartmann ist optimistisch, dass die Behörde in den nächsten Wochen grünes Licht geben wird. Die SEC habe die Fusion entsprechend bekannt gemacht. Bis zum Ablauf der gesetzten Frist seien aber keine Einwendungen erhoben worden.

Nach der Übernahme der Powergen-Tochter LG & E in Kentucky peilen die Düsseldorfer weitere Investitionen im Mittleren Westen der USA an. "Wir führen dort aussichtsreiche Gespräche", betonte Hartmann. Die Namen der Gesprächspartner nannte er nicht.

Beim zweiten Großprojekt, dem Erwerb der Mehrheit an der Ruhrgas, rechnet Eon bis Anfang bis Mitte Juli mit der beantragten Ministererlaubnis. "Wir sind davon überzeugt, dass der Wettbewerb auf dem deutschen Gasmarkt durch die Übernahme nicht behindert, sondern intensiviert wird", meinte Hartmann. Denn BP scheide mit der Übernahme aus dem Aktionärskreis aus. Diese Entflechtung werde Wettbewerbskräfte freisetzen. Zu Auflagen in Verbindung mit der Ministererlaubnis sei Eon nur bedingt bereit. Eon stelle sich als vertikal integriertes Gasunternehmen auf, das von der Förderung bis zum Endkundengeschäft tätig sei. Auflagen, die sich dagegen richteten, seien nicht zu akzeptieren. In der Branche wird gefordert, dass die Eon-Tochter Thüga mit ihren Stadtwerke-Beteiligungen abgegeben werden muss.

Durch die Ausrichtung auf Erdgas in Europa und Strom in den USA sei Eon auf Wachstumsmärkten ausgezeichnet positioniert, sagte Karlheinz Bozem, Vizepräsident von Booz Allen & Hamilton. Jetzt würden die Märkte der Zukunft verteilt, ergänzte der Essener Energie-Professor Dieter Schmitt. Doch berge der Ruhrgas-Deal auf Grund zu erwartender erheblicher Auflagen große Risiken.

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