Genehmigung steht aber noch aus
Teurer Beratervertrag für Kirch

Der Münchner Medienunternehmer Leo Kirch soll seinem angeschlagenen Konzern als hoch bezahlter Berater erhalten bleiben. Derzeit werde für den 75-Jährigen ein Beratervertrag vorbereitet, schrieb die "Süddeutsche Zeitung" am Samstag unter Berufung auf einen der beiden neuen Geschäftsführer der Kerngesellschaft Kirch Media, Hans-Joachim Ziems.

dpa/ap MÜNCHEN/HAMBURG/BERLIN. "Im Umfeld des Medienkonzerns ist bereits von mehreren Millionen Euro Honorar die Rede", berichtete die Zeitung weiter. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Focus" soll sich die neue Kirch Media-Spitze allerdings erst auf ein Arbeitspapier ohne Honorar und Zeitraum geeinigt haben. Auch Kirchs Holding-Manager Dieter Hahn solle einen Beratervertrag erhalten, berichtet "Focus" Gerüchte, dass Hahn dafür 2,5 Millionen Euro erhalte, habe Ziems' Kollege Wolfgang van Betteray aber dementiert.

Kirchs geplanter Beratervertrag müsse noch vom vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Jaffé sowie dem Gläubigerausschuss der Kirch Media genehmigt werden, hieß es in der "SZ". Ziems zufolge sei Kirch daran interessiert, dass sein Lebenswerk gerettet werde. Die neue Geschäftsführung wolle ihrerseits nicht auf Kirchs Expertise verzichten. Kirch Media hatte Anfang April Insolvenz beantragt. Damals hatte sich Kirch bereits in einem Brief von seinen Mitarbeitern verabschiedet.

Die Zukunft der 40-prozentigen Kirch-Beteiligung am Axel Springer Verlag wird unterdessen klarer. Dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zufolge haben sich die vier Hauptgläubigerbanken von Kirch darauf geeinigt, dass 35 Prozent an die Börse gehen. "Fünf Prozent soll Verlegerwitwe Friede Springer direkt bekommen", schreibt das Magazin in seiner jüngsten Ausgabe. Friede Springer selbst sagte in einem dpa-Gespräch, sie könne sich eine Aufstockung ihres Anteils um "ein Paar Prozent" gut vorstellen. Als ihren strategischen Wunschpartner nannte sie den Kapitalmarkt. Einen Einstieg der Essener WAZ-Gruppe bei Springer schloss die Verlegerin kategorisch aus. "Wir sind dagegen. Die Verlage passen nicht zusammen." Der Anteil von Kirch am Springer Verlag sei zwar faktisch auf dem Markt. Sie könne sich jedoch nicht ernsthaft vorstellen, "dass ein in unserem Hause nicht willkommener Investor viel Geld für eine Minderheitsbeteiligung aufbringt".

Ausdrücklich wehrte sich die Witwe des Verlagsgründers Axel Springer gegen den in der Öffentlichkeit geäußerten Vorwurf, ihr Verlag habe den Stein, der zum Insolvenzantrag von KirchMedia führte, ins Rollen gebracht. "Diese Behauptung ist absurd, wenn man sich die bekannt gewordene wirtschaftliche Gesamtsituation der Kirch-Gruppe vor Augen führt." Der Vorstandsvorsitzende des Verlages, Mathias Döpfner hatte im Januar auf der Erfüllung der Option bestanden, eine Beteiligung an Pro Sieben SAT.1 für rund 770 Mill. Euro an die Kirch-Gruppe zurück zu verkaufen. Dies brachte Kirch in akute Finanznot.

Die Fußball-Bundesliga muss offenbar erneut um die letzte Rate aus dem Fernsehvertrag für die laufende Saison in Höhe von 100 Millionen Euro bangen. Nach "Spiegel"-Informationen ist die zum 15. Mai vereinbarte Zahlung der Kirch Media an die Deutsche Fußball-Liga (DFL) nicht gesichert. Das Magazin beruft sich auf Äußerungen des vorläufigen Insolvenzverwalters Jaffé. Danach "kann und will" Jaffé zu etwaigen Zahlungen momentan nichts sagen.

Der Insolvenzverwalter will in den kommenden Tagen mit Hilfe der vier Gläubigerbanken einen Massekredit von 100 Millionen Euro aufnehmen. Doch sei das Geld ausschließlich "für das operative Geschäft" vorgesehen, sagte Jaffé weiter. Auch sei noch nicht geklärt, welche Rolle die Bundesliga im Zukunftskonzept für Kirch Media spielen werde.

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