General Electric greift zu
Universal-Studios kehren heim

Der Verkauf der Universal-Filmstudios von Vivendi an den US-Vorzeigekonzern General Electric steht vor dem Abschluss.

HB NEW YORK Generatoren, Glühbirnen, Kühlschränke - für solche handfesten Produkte stand General Electric (GE) bisher im Bewusstsein der US-Verbraucher. Das könnte sich ändern, wenn, wie französische Medien berichten, Jean-Rene Fourtou, der Vorstandsvorsitzende von Vivendi Universal, heute seinen Kollegen von General Electric, Jeffrey Immelt, in New York trifft. Denn danach dürfte der nach Börsenwert weltweit größte Konzern auch im Filmgeschäft den Ton angeben. Durchaus zum Missfallen der Börse: Das Hollywood-Geschäft ist eine neue Dimension bei GE - was Chancen, aber auch Risiken angeht.

Die exklusiven Verhandlungen der GE-Tochter NBC mit Vivendi Universal Entertainment sollen heute abgeschlossen werden. Für 3,8 Mrd. $ in bar und Aktien wechselt dann der Entertainment-Bereich des französischen Konzerns für insgesamt 14 Mrd. $ den Besitzer. Der Deal verdeutlicht den Strategiewechsel von GE unter dem neuen Chef Immelt. Er will den Industrie- und Finanzriesen in einen Hauptdarsteller des digitalen Informationszeitalters umwandeln. Der Deal mit Universal passt da hervorragend in sein Konzept.

Der geplante Gemeinschaftskonzern NBC Universal würde neben dem Fernsehsender NBC auch das Hollywood-Studio Universal Pictures, eine Reihe von Kabelsendern wie CNBC, USA und SciFi sowie Freizeitparks umfassen. Die Fusion hätte für NBC den großen Vorteil, künftig in eigenen Studios produzieren und somit erfolgreiche Universal-Serien wie "Law and Order" an sich binden zu können. Weitere Kabelkanäle garantieren zusätzliche Absatzwege für die produzierten Inhalte. Eine wahre Goldgrube im DVD-Zeitalter: Die 5000 Filme und 32 000 Episoden von TV-Serien der Universal-Bibliothek.

Der dann weltweit sechstgrößte Medienkonzern NBC Universal soll zu 80 % GE und zu 20 % Vivendi gehören. Von der Fusion verspricht sich der Mutterkonzern GE Kosteneinsparungen bei NBC in Höhe von 200 Mill. $. Eine große Kündigungswelle stehe nicht an, heißt es bislang. NBC Universal würde nach kombinierten Zahlen von 2003 einen Umsatz von 13 Mrd. $ und einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von 3 Mrd. $ erwirtschaften. Die Studios stellen dabei rund ein Zehntel des NBC-Umsatzes.

"Vom Mediengeschäft verstehen wir etwas", sagt Jeff Immelt, unter dem sich GE bereits den spanisch-sprachigen Sender Telemundo und den Kabelkanal Bravo einverleibt hat. Immelt hat seine Zielvorgaben für GE in einem Brief an die Aktionäre festgehalten: mehr Technologie, zusätzliche TV-Inhalte, Kapitaleffizienz und vielfältige Umsatzquellen. Da einige Bereiche von GE wie Flugzeugturbinen und Versicherungen in der Konjunkturflaute schlecht laufen, sieht sich Immelt nun nach neuen Unternehmensfeldern um.

Bisher hatte sich der Mischkonzern GE jedoch nicht für die Filmbranche interessiert. Der ehemalige GE-Chef Jack Welch wollte das schwer kalkulierbare Risiko der Filmvermarktung mit Kino-Hits und teuren Flops nicht eingehen. "Welch hätte nie ein Filmstudio gekauft", sagte Rob Friedman von Standard & Poors. Unter der Führung von Welch sei GE zu einem streng an kontinuierlichen Gewinn orientierten Konzern gewachsen.

"Die Unternehmenskulturen von GE und den Hollywood-Studios passen überhaupt nicht zusammen", fürchtet Tim Stives von Ashland Management. Der Fondsmanager hält nichts von dem Deal. "Mit der Investition in die riskante Filmbranche wird GE ein unsicheres Papier", sagte Stives, der selbst keine Aktien der Branche hält. Seiner Meinung nach hat NBC-Chef und GE-Vize Robert Wright, der auch das Gemeinschaftsunternehmen führen soll, zu viel Macht bei GE. "Jetzt will er auch noch ein Teil von Hollywood besitzen", sagt Stives. Bevor sich das Traditionshaus auf neuem Terrain bewege, solle es besser die Ergebnisse der bestehenden Konzernfelder verbessern, schlägt er vor.

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