General Electric zahlt 2,3 Milliarden Dollar
ABB senkt seine Schulden

Der Schweizer Elektrokonzern ABB kann endlich einmal wieder eine Erfolgsmeldung verbreiten: Durch den Verkauf seines Finanz- und Leasinggeschäfts an den US-Mischkonzern General Electric ist ABB in der Lage kurzfristige Schulden abzubauen und verschafft sich Erleichterung. Die ABB-Aktie schoss steil in die Höhe.

gil/kk DÜSSELDORF/NEW YORK. Der Schweizer Elektrokonzern ABB hat seinen Finanzbereich Structured Finance an General Electric verkauft. Der amerikanische Mischkonzern zahlt dafür rund 2,3 Mrd. $, die ABB zum größten Teil für den Schuldenabbau verwenden will. ABB kündigte aber an, weitere Vermögenswerte einschließlich Immobilien zu verkaufen.

Die Pläne, den Finanzbereich zu verkaufen, sind nicht neu. Dabei war der US-Konzern General Electric immer wieder als wahrscheinlicher Käufer genannt worden, denn er verfügt mit seiner Tochtergesellschaft GE Capital über ein Konzernunternehmen, das sehr erfolgreich ein ähnliches Geschäft betreibt wie ABB mit seinem Bereich Structured Finance. ABB hatte ursprünglich sein Anlagengeschäft vor allem bei Kraftwerken mit Krediten und Leasingprojekten begleitet, dies hatte sich in der Zwischenzeit aber zu einem sehr eigenständig operierenden Bereich entwickelt. ABB ist inzwischen aus dem Bau von Kraftwerken ausgestiegen.

"Der Verkauf von Structured Finance ist ein wichtiger Schritt in unserem Programm zur Stärkung der Bilanz", sagte ABB-Chef Jörgen Centerman. Der Chef von GE Commercial Finance, Mike Neal, erklärte, der Kauf stärke die Finanzaktivitäten von GE in Europa und verbreitere die Kundenbeziehungen in Nordeuropa und Italien.

Die hohe Verschuldung von ABB hatte in der Vergangenheit immer wieder Anlass zur Kritik gegeben und den Aktienkurs stark belastet. Angesichts einer nur sehr dünnen Eigenkapitaldecke und eines schwachen Cash-Flows ist dem Schweizer Konzern der Weg an die Börse weitgehend versperrt, um die Bilanzen wieder in Ordnung zu bringen. Zusätzlich lasten Asbestklagen aus den USA auf ABB, da Rückstellungen für anstehende Prozesse von rund 1 Mrd. $ gebildet werden mussten.

Der neue ABB-Finanzchef Peter Voser hatte deshalb angekündigt, die Nettoverschuldung des Konzerns bis zum Jahresende von 5,2 auf 2,6 Mrd. $ zu senken. Dazu sollte auch der Verkauf der Finanzabteilung dienen. ABB will sich auf die Bereiche Energie- und Automationstechnik konzentrieren.

Beim Mischkonzern General Electric ist die Finanzsparte eine der erfolgreichsten des breit gefächerten Konzerns. GE Capital erwirtschaftet bei einem Umsatz von knapp 50 Mrd. $ rund 40 % des Konzerngewinns. Das Leasing-Geschäft mit Industriegütern soll ausgebaut werden, hat der neue GE-Chef Jeff Immelt angekündigt. An Geld mangelt es GE sicher nicht. Nach der überraschend am Einspruch der europäischen Kartellbehörden gescheiterten Übernahme von Honeywell verfügt GE noch über volle Kassen.

Mit dem Verkaufserlös will ABB im vierten Quartal dieses Jahres fällig werdende Schulden in einer Gesamthöhe von 1,2 Mrd. $ einschließlich eines Kreditrahmens zurückzahlen. "Die übrigen Barmittel werden für die Rückzahlung anderer, hauptsächlich im nächsten Jahr fällig werdender Schulden eingesetzt werden", teilte ABB mit.

Insgesamt erwirbt GE von ABB Vermögenswerte in einer Gesamthöhe von 3,8 Mrd. $ einschließlich eines Leasing- und Kreditportefeuilles von 3,4 Mrd. $. Rund 400 Mill. $ zahlt GE für das Eigenkapital des ABB-Finanzbereichs, was einem Abschlag von 2 % des Buchwertes entspricht. Zur Deckung der Nettoverschuldung zahlt GE 1,9 Mrd. $ an ABB und übernimmt Verbindlichkeiten in Höhe von 1,2 Mrd. $.

An der Börse in Zürich schoss die ABB-Aktie nach der Bekanntgabe des Verkaufs steil in die Höhe und verbuchte in der Spitze einen Gewinn von knapp 17 % auf einen Kurs von 8,95 Schweizer Franken. In den vergangenen Monaten hatte die Aktie aber stark verloren und notierte zu Jahresanfang noch mit knapp 19 Schweizer Franken. GE gewann in New York zur Eröffnung rund 1 %.

Andres Gujan, Analyst bei der Bank Vontobel sagte Reuters, durch den Verkauf könne sich die Finanzlage von ABB schlagartig verbessern. Die große Unbekannte sei aber das Asbestproblem. Ratingagenturen, die ABB in der Vergangenheit wiederholt zurück gestuft hatten, bleiben bei einer kritischen Haltung. Die Ratingagentur Moodys bewertet die Zukunftsaussichten von ABB weiterhin negativ. Standard & Poor?s meint, das Asbestproblem habe sich noch verschärft.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%