General Motors kommt mit der Sanierung kaum voran
Daewoo rutscht tiefer in die Krise

Frühestens Anfang Oktober kann General Motors mit der Sanierung des insolventen koreanischen Autoherstellers Daewoo beginnen. Der Start hat sich wegen komplexer Schuldenfragen und der Einmischung von staatlicher Seite immer wieder verschleppt - ein Zeitverlust, der das koreanische Unternehmen noch tiefer in die Krise getrieben hat.

SEOUL. Die Aufgabe ist nicht leicht, und jeder Tag macht sie schwieriger. Seit Monaten wartet General-Motors-Manager Nick Reilly auf den Start des Joint Ventures GM Daewoo Auto & Technology. In diesem Gemeinschaftsunternehmen sollen Kernbereiche des insolventen Autoherstellers Daewoo Motor unter Führung der neuen amerikanischen Mutter General Motors (GM) profitabel gemacht werden.

"Wir sind ein wenig hinter unserem Geschäftsplan zurück", formuliert Reilly, der designierte Vorstandschef des Joint Ventures, zurückhaltend in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Eigentlich hätte Daewoo Motor schon vor drei Jahren verkauft werden sollen, kam aber wegen Missmanagement, unklarer Verantwortung und geplatzter Deals nicht voran. Auch jetzt lässt die Sanierung auf sich warten.

Seit 1999 ist der Marktanteil Daewoos in Südkorea um mehr als die Hälfte auf gut 10 % abgestürzt. Im August verkaufte Daewoo gerade noch 23 000 Fahrzeuge weltweit. Die Kunden zögern ob der Ungewissheit. Derweil türmen sich die Schulden im Milliardenhöhe. "Wir werden mindestens noch drei Jahre lang Verluste schreiben", sagt Reilly. Das Unternehmen müsse noch einmal "ganz von vorne anfangen", es gebe riesige Probleme.

Erst einmal muss der Brite das Vertrauen in Daewoo wieder stärken. Denn bisher verunsichert eine Nachricht nach der anderen die Kunden - zuletzt ein zweiwöchige Lieferstopp der Zulieferer, die auf unbezahlten Rechnungen sitzen. Reilly zeigt sich dennoch optimistisch. Die Technik von Daewoo sei gut, zusammen mit dem Vermarktungswissen des General-Motors-Konzerns, zu dem auch Opel und Saab gehören, könne das Unternehmen schnell wieder an Schwung gewinnen. Ein Jahr lang mindestens würden die Werke aber noch unausgelastet bleiben.

Wäre der Start ein paar Monate früher erfolgt, hätte die Firma noch vom Boom auf dem koreanischen Automarkt profitieren können, der durch zeitlich begrenzte Steuervergünstigungen ausgelöst worden war. Seit Ende August ist damit jedoch Schluss. "Das ist sehr frustrierend", sagt GM-Veteran Reilly über die fast zwei Jahre, die seit der ersten Einigung zwischen General Motors und Daewoo verstrichen sind. Nachverhandlungen, unzufriedene Banken und die Einbettung von Daewoo Motor in die insolvente Daewoo-Unternehmensgruppe machen die Transaktion kompliziert. Erst Ende April 2002 wurde der Einstieg von GM bei Daewoo besiegelt, 400 Mill. $ mussten die Amerikaner zunächst auf den Tisch legen. Nach einer vorläufigen Genehmigung durch Gerichte sollen am kommenden Montag endlich die Banken dem Restrukturierungsplan für Daewoo zustimmen. Sie sind zwar unzufrieden, weil sie viel Geld verlieren. Da sie jedoch keine Alternative haben, werden sie Reilly den Weg frei machen - trotz des Vorwurfs, GM habe sich die Rosinen rausgepickt und investiere zu wenig.

Der neue Chef will mit neuen Produkten und einer Marketing-Offensive den Namen Daewoo neu besetzen: "Jung, aufregend, dynamisch" soll die Marke sein. Damit will sich das Unternehmen vom eher traditionellen Image des koreanischen Branchenführers Hyundai und dessen Tochter Kia abgrenzen, die zusammen drei Viertel des Marktes besetzen. "Ich glaube, die dominierende Stellung von Hyundai ist für uns sogar eine Chance", glaubt Reilly. Auch Branchenexperten trauen Daewoo die Kehrtwende zu. Autoanalyst Lee Don-Wong hält eine Verdopplung auf 20 % Marktanteil in ein bis zwei Jahren für möglich. In Europa sollen der Kleinwagen Kalos und ein besseres Marketing Kunden anlocken. Zudem erwäge Daewoo, in neue Kategorien wie beispielsweise Sportwagen zu expandieren.

General Motors übernimmt zwei koreanische Daewoo-Werke und eines in Vietnam sowie Vertriebsgesellschaften im Ausland, vor allem in Europa. Der weltgrößte Autokonzern GM hält an dem neuen Unternehmen 42,1 %, der japanische GM-Verbündete Suzuki knapp 15 %, ein weiterer ungenannter GM-Partner rund 13 %, den Rest Kreditgeber von Daewoo.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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