Generalbundesanwalt ermittelt
Terrorverdacht: Durchsuchungen im Norden

Unter dem Deckmantel einer Handelsfirma soll eine deutsch-syrische Familie eine kriminelle Vereinigung gegründet haben, um islamische Extremisten nach Deutschland zu schleusen. BKA-Beamte nahmen Geschäfts- und Lagerräume in Schleswig-Holstein und Hamburg unter die Lupe.

Reuters HAMBURG. Die Firma eines Deutsch-Syrers soll nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft islamistische Fundamentalisten nach Deutschland eingeschleust haben, um den "Heiligen Krieg" zu unterstützen.

Es bestehe der Verdacht, dass auch Kontakte zu Mittätern der Anschläge des 11. September in den USA bestanden habe und ein internationales Netzwerk gewaltbereiter Extremisten finanziell und logistisch unterstützt worden sei, teilte die Behörde am Tag vor dem Jahrestag der Anschläge in Karlsruhe mit. In Schleswig-Holstein und Hamburg wurden am Dienstag Geschäfts- und Lagerräume der Im- und Exportfirma durchsucht. Gegen den deutsch-syrischen Geschäftsführer, seine Frau und die beiden Söhne bestehe der Anfangsverdacht der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Dies werde aus "dem kaufmännisch untypischen Geschäftsgebaren der Beschuldigten" geschlossen.

"Darüber hinaus besteht der Verdacht, dass die Beschuldigten Kontakte zu einschlägigen islamistischen extremistischen Kreisen, insbesondere zu Personen haben, gegen die im Zusammenhang mit den Terroranschlägen vom 11. September ermittelt wird", teilte die Behörde mit. Insbesondere könne es um finanzielle und logistische Unterstützung gehen. Die Bundesanwaltschaft habe den Fall übernommen, weil ein "möglicher Bezug der Straftaten zum internationalen Terrorismus" bestehe.

Durchsuchungen im "Speckgürtel" von Hamburg

In Sicherheitskreisen hieß es, die Durchsuchungen hätten sich auf Hamburger Vororte konzentriert und seien vor allem von den Kräften der schleswig-holsteinischen Polizei ausgeführt worden. Auch der Bundesgrenzschutz war beteiligt. Eine der durchsuchten Örtlichkeiten ist eine Niederlassung in Neumünster; dort war telefonisch niemand zu erreichen. Die Durchsuchungen sollten nach Angaben der Bundesanwaltschaft Beweismaterial zusammentragen, dass die Einbindung der Beschuldigten "in ein internationales Netzwerk gewaltbereiter islamistischer Fundamentalisten belegt".

Den Beschuldigten werden neben der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Verstößen gegen das Ausländergesetz Geldwäsche und Urkundenfälschung vorgeworfen. "Die Geschäftsgebaren deuten auf eine organisierte Schleusertätigkeit der Beschuldigten hin." Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt machten zunächst keine Angaben, wie viele Personen die Beschuldigten eingeschleust haben sollen. Auch über mögliche weitere Festnahmen und den Umfang des sicher gestellten Materials wurde nichts mitgeteilt. Die Beschuldigten seien vernommen worden, hieß es.

Die Ermittlungen richteten sich aber nicht gegen den Hamburger Geschäftsmann Marmoun Darkanzanli, über dessen angebliche Verbindungen zu Osama bin Laden nach den Anschlägen am 11. September 2001 berichtet worden war, sagte die Sprecherin.

Hamburg war auch der Wohnort von Atta gewesen

Im Zuge der weltweiten Ermittlungen nach den Anschlägen vom 11. September war Hamburg bereits ins Blickfeld gerückt. Mohammed Atta, der mutmaßliche Anführer der Luftpiraten, hatte in der Hansestadt gewohnt und dort die offenbar die Anschläge geplant.

Am 11. September 2001 hatten 19 mutmaßliche Moslem-Extremisten vier Passagiermaschinen entführt. Zwei lenkten sie in die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York und brachten sie zum Einsturz. Eine Maschine stürzte in das US-Verteidigungsministerium bei Washington, eine auf unbewohntes Gebiet im Bundesstaat Pennsylvania. Insgesamt wurden bei den Attentaten etwa 3000 Menschen getötet. Die USA machen den Extremistenführer Osama bin Laden und das El-Kaida-Netzwerk für die Anschläge verantwortlich.

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