Generalversammlung vom 11. Oktober
Neue Zurich-Aktien sollen 65 Franken kosten

Der Schweizer Versicherungskonzern Zurich Financial Services plant eine Aktienemission mit einem hohen Abschlag zum gegenwärtigen Börsenkurs. Gemäss der Transaktion nahe stehenden Kreisen dürfte sich der Bezugspreis auf 65 sfr belaufen. Für drei alte Aktien sollen zwei neue Zurich-Titel bezogen werden können, hiess es in den Kreisen weiter. Die Zurich-Aktien schlossen am Montag bei 135 sfr.

Reuters LONDON/ZÜRICH. Zurich will von den Aktionären die Genehmigung einholen, maximal 86,404 Millionen neue Namenaktien mit einem Nennwert von zehn sfr je Aktie auszugeben. Dies war der Einladung zur ausserordentlichen Generalversammlung vom 11. Oktober 2002 zu entnehmen. Die Anträge zur definitiven Anzahl der neu auszugebenden Namenaktien und zum Ausgabebetrag sollen am Tag der ausserordentlichen Generalversammlung vor Börsenbeginn bekannt gegeben werden.

Das Bezugsrecht der bisherigen Aktionäre werde gewahrt. Es finde ein Bezugsrechthandel statt, wie dem Zeitungsinserat weiter zu entnehmen war.

In den Kreisen hiess es weiter, Zurich habe vor dem Wochenende die Konditionen überarbeitet. Bei einem Bezugsrechtsverhältnis von drei alten zu zwei neuen Zurich-Titeln kämen über 55 Millionen neue Aktien auf den Markt. Bei einem Ausgabekurs von 65 sfr je Aktie würden Zurich rund 3,6 Milliarden sfr oder umgerechnet rund 2,4 Milliarden Dollar frisches Kapital zufliessen. Zurich hatte per 30. Juni 83,886 Millionen Aktien ausstehen.

Zurich hatte am 5. September angekündigt, das Risikokapital um fünf Milliarden Dollar verstärken zu wollen. Dazu ist im Oktober eine Kapitalerhöhung um 2,0 bis 2,5 Milliarden Dollar geplant und das Unternehmen will zudem risikogewichtetes Kapital in Höhe von 2,5 bis 2,7 Milliarden Dollar frei setzen.

Die Kapitalerhöhung wird laut Zurich von den Investmentbanken Credit Suisse First Boston, UBS Warburg, Salomon Smith Barney und Goldman Sachs übernommen.

Zurich ist nicht der einzige grosse Schweizer Versicherer, der die Aktionäre um neues Geld angehen muss. Am Montag kündigte auch Rentenanstalt/Swiss Life eine Kapitalerhöhung an, die dem Konzern frische Eigenmittel im Umfang von 0,9 bis 1,2 Milliarden sfr bringen soll. Die zur Credit Suisse Group gehörende Winterthur Versicherung erhielt aus der Konzernkasse bereits 1,75 Milliarden sfr und wird wohl noch mehr brauchen.

Die Ursache der Misere ist bei allen gleich: ein zu hohes Expansionstempo in der Vergangenheit und eine, wie man nun weiss, riskante Anlagepolitik, bei der ein grosser Teil der Reserven in Aktien investiert wurde.

Die Schweizer Assekuranzen müssen dabei mit anderen grossen europäischen Versicherern konkurrieren, die ebenfalls um Gunst und Geld der Aktionäre buhlen, die neue Aktienanlagen nur mit grösster Vorsicht eingehen. Europaweit tätige Anleger können derzeit auswählen, in welche Versicherung sie neues Geld investieren wollen. So haben etwa die niederländische Aegon, die britischen Konzerne Legal & General & und Royal & Sun Alliance, der französische Rückversicherer Scor oder der deutsche Rückversicherer Hannover Rück Massnahmen zur Kapitalstärkung in Aussicht gestellt.

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