Generationswechsel beim drittgrößten deutschen Energieversorger
EnBW bekommt einen jungen Chef

Bei den deutschen Energieriesen steht ein Chefwechsel bevor. Nach dem die Konzerne RWE und Eon in den vergangenen Monaten die Nachfolge an der Unternehmensspitze regelten, kann nun auch die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) ihren neuen Mann präsentieren.

STUTTGART. Am 1. Mai 2003 löst der 39-jährige Utz Claassen den 60-jährigen Gerhard Goll an der Spitze des Karlsruher Energiekonzerns ab. EnBW-Aufsichtsratschef Wolfgang Schürle zeigte sich gestern zufrieden mit der Wahl. "Claassen ist einstimmig gewählt worden", sagte Schürle dem Handelsblatt.

Wie schon bei RWE und Eon war es auch bei der EnBW nicht leicht die unterschiedlichen Interessen der Hauptaktionäre und Arbeitnehmervertreter unter einen Hut zu bringen. Bei dem Versorger halten der französische Branchenriese Electricité de France (EdF) sowie die baden-württembergischen Kommunen je 34,5 % der Aktien.

Der Ulmer Landrat Schürle hatte im Mai, nachdem Goll überraschend seinen Rückzug ankündigte, den Headhuntern von Egon Zehnder einen Suchauftrag gegeben. Sie lieferten drei Kandidaten für die letzte Auswahlrunde, darunter auch ein Energiefachmann. Bis zuletzt war am Mittwoch Abend in der Aufsichtsratssitzung offen, ob es eine Einigung auf Claassen gibt. Auch waren bei der EnBW intern zwei Manager als Kandidaten im Gespräch. Offenbar taten sich vor allem die Arbeitnehmer bis zuletzt mit ihrer Zustimmung schwer, wie es aus dem EnBW-Umfeld heißt. Betriebsräte wollten sich gestern nicht zum neuen Chef äußern.

Der Wirtschaftler und Finanzfachmann Claassen kann eine steile Karriere vorweisen, ist aber kein Energiefachmann. Energieexperten befürchten, dass er ein teurer Lehrling für die EnBW werden könnte. Auf jeden Fall warten auf ihn schwierige Aufgaben. Die EnBW muss nach einer dreijährigen teuren Einkaufs- und Expansionstour auf einen strengem Konsolidierungskurs gebracht werden.

Goll hat den Rückbau schon eingeleitet. Die verlustschreibende Telefontochter Tesion ist abgegeben. Das Investmenthaus Morgan Stanley ist seit einigen Monaten mit dem Verkauf des Schuh- und Dienstleistungskonzerns Salamander beauftragt. Goll und Schürle wollen den Verkauf bis zum Jahresende abschließen. Auch hält Schürle am Plan fest, eine zweite Aktienplatzierung bei der börsennotierten EnBW durchzuführen. Im Januar war dies wegen der schlechten Börsenverfassung verschoben worden.

Das Hauptproblem der EnBW ist, dass sie im Kerngeschäft Energie nicht viel Geld verdient. Das Unternehmen wies zwar 2001 bei 7,9 Mrd. Euro Umsatz ein Ergebnis vor Steuern von 307 Mill. Euro aus. Darin sind allerdings hohe außerordentliche Erträge durch Anlagenverkäufe enthalten. Analysten klagen, dass die Bilanzen des Unternehmens wenig aussagekräftig sind.

Klar ist für Energieexperten: Die EnBW muss auch im Kerngeschäft viel Ballast abwerfen. Claassen wird schnell entscheiden müssen, ob er die verlustreiche Billigstromtochter Yello nicht besser einstellt. Der Energieexperte Karlheinz Bozem von Booz Allen & Hamilton hält zudem eine Kostensenkung entlang der gesamten Wertschöpfungskette für nötig, damit der Konzern nachhaltig profitabel werde.

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