Generationswechsel: Philipp Mißfelder vorgeschlagen
23-Jähriger wird Junge-Union-Vorsitzender

Auf dem Deutschlandtag der JU in Düsseldorf soll Philipp Mißfelder, 23, zum neuen Vorsitzenden der CDU-Nachwuchsorganisation Jungen Union gewählt werden und ist dann der jüngste JU-Vorsitzende aller Zeiten.

ddp BERLIN/DÜSSELDORF. Der junge Mann hat offensichtlich noch viel vor: Bereits im zarten Alter von 12 Jahren wollte Philipp Mißfelder in die Nachwuchsorganisation der CDU, die Junge Union (JU), eintreten. Weil dies mit den Statuten nicht vereinbar war, trat er zwei Jahre später ein - mit 14. Seit zwei Jahren gehört der heute 23-Jährige dem Bundesvorstand der CDU an. Für Freitag ist nun der nächste Karriereschritt des Jungpolitikers eingeplant: die Wahl zum jüngsten JU-Vorsitzenden aller Zeiten.

Die Vorstandswahl ist auch ein Generationswechsel. Mißfelder soll die 35-jährige Hildegard Müller ablösen, die aus Altersgründen aus der Jugendorganisation ausscheidet. Stand die Diplom-Kauffrau und Bundestagsabgeordnete vor allem für Wirtschafts- und Sozialkompetenz, versteht sich Mißfelder als "Sprachrohr" seiner Generation. Das Vorurteil von der unpolitischen Jugend akzeptiert der Politiker nicht - und sein Lebenslauf steht auch fürs Gegenteil. Den 18- bis 25-Jährigen sei "sehr bewusst", welche Probleme auf sie zukämen, sagt er. Allerdings fühlten sie sich von den Parteien nicht ernst genommen.

Die 1980er hätten ein Recht darauf, ernst genommen zu werden - "schließlich wird jeder von ihnen in wenigen Jahren zwei Rentner finanzieren", schrieb Mißfelder im März dieses Jahres in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung "Die Welt". Vor allem aber wollten sie die Wahrheit hören, betont er.

Dabei nimmt er auch die eigene Partei nicht aus. "Die CDU hat ein Problem bei jungen Leuten. Sie trifft ihr Lebensgefühl nicht", kritisiert Mißfelder. Die Partei habe nicht erkannt, welche Probleme diese Generation heute drücke. Dazu gehöre beispielsweise, dass im Wahlkampf das Thema Umwelt vernachlässigt und daher komplett von den Grünen besetzt worden sei. Und auch die Gesundheitspolitik habe kaum eine Rolle gespielt. Andererseits, so bemängelt der Jungepolitiker, habe die Union ihr "fortschrittliches Programm" beispielsweise bei der Familienpolitik nicht richtig an den Mann und die Frau gebracht. Da habe es "Kommunikationsprobleme" gegeben.

Geboren wurde der Jurastudent 1979 in Gelsenkirchen, als Privatwohnsitz gibt er Bochum an. Seinen Lebensmittelpunkt hat Mißfelder aber schon vor drei Jahren in die Bundeshauptstadt Berlin verlegt, wo er Jura studiert. Sein Lebenslauf liest sich wie das Muster einer Politikkarriere: 1993 trat er in die JU ein, 1995 in die CDU. Von 1997 bis 1999 war er Landesvorsitzender der Schüler Union, von 1998 bis 2000 deren Bundesvorsitzender.

Seit 2000 leitet Mißfelder als Chefredakteur die JU-Mitgliederzeitschrift "Die Entscheidung". Als Mitglied des Bundesvorstandes erlebte er hautnah die Umwälzungsprozesse in der Partei nach Bekannt werden des Parteispendenskandals mit - da war er gerade 20. "Ich stamme aus einer ganz normalen Ruhrgebietsfamilie: Nicht arm und nicht reich", sagt Mißfelder über sich. Das Interesse an Politik kommt nicht von ungefähr: Zwar seien beide Elternteile nicht parteipolitisch organisiert gewesen, aber es habe immer politische Debatten in der Familie gegeben. "Sehr geprägt" habe ihn dann die deutsche Einheit - Mißfelder war damals gerade zwölf Jahre alt.

Wenn der junge Mann sich nicht mit Politik oder seinem Jurastudium beschäftigt, liest er gerne Biographien und die Werke des Popliteraten Christian Kracht. Und er treibt viel Sport: Er schwimmt, spielt Badminton, läuft und fährt Fahrrad.

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