Generika verändern den Wettbewerb
Der Arzneimittelmarkt wächst noch zweistellig

Seit Anfang November 2003 herrscht am schnell expandierenden slowenischen Arzneimittelmarkt ein raueres Klima. Der staatliche Krankenversicherer (ZZZS) hat damit begonnen, für Generika den Wettbewerb zugunsten seiner Kassen spielen zu lassen. Das geht zunächst zulasten der bislang durch "rücksichtsvolle" Preis- und Erstattungsregeln verhätschelten Hersteller Krka und Lek.

LJUBLJANA. Ausländische Anbieter von Originalpräparaten stehen dem slowenischen Einstieg in das Referenzpreissystem vorerst noch abwartend gegenüber. Sie warnen indes vor seiner schon programmierten Ausweitung. Immerhin haben bei der Ausgestaltung der Sparmaßnahmen nicht nur Berater aus EU-Ländern mitgewirkt, sondern auch die für ihren äußerst rigorosen Ansatz bekannten Neuseeländer.

"Eine Unterversorgung des Marktes wollen wir auf keinen Fall riskieren", beschwichtigt Stanislav Primozic Anbieter und Patienten. Der Leiter der neuen Agentur für Medizinalprodukte in Slowenien rechnet zudem damit, dass die Zahl der registrierten Arzneimittel in der kleinen Alpenrepublik schnell zunimmt. "Schon allein dadurch steigt auch der Verbrauch", erläutert er. Gegenwärtig sind 2 800 Präparate für den slowenischen Markt zugelassen. Nach dem EU-Beitritt erwartet Primozic eine Erhöhung auf 5 000.

Erstattet werden nach den neuen Regeln zunächst 150 der gebräuchlichsten und nach Substanz und Dosierung praktisch gleichen Medikamente nur noch zum niedrigsten Preis, für den sie von der Pharmaindustrie zu haben sind. Diese hat jedes halbe Jahr die Möglichkeit, neu zu bieten. Später sollen die Preise auch für Medikamente einer bestimmten therapeutischen Anwendung mit unterschiedlichen Wirkstoffen verglichen werden. "Dann konkurrieren außer verschiedenen Aspirin-Präparate auch Aspirin- und Paracetamol-Schmerzmittel miteinander", so Axel Wellbrock von Bayer Pharma in Ljubljana.

Bei den Maßnahmen zur Kostendämpfung werden die Slowenen die Interessen der eigenen Generika-Industrie freilich nicht völlig aus den Augen verlieren. Krka sowie Lek, die heute zur Novartis-Gruppe gehört, zählen zu den erfolgreichsten Unternehmen des Landes. Gemeinsam sind sie am inländischen Pharma-Umsatz mit 35 % beteiligt. Der Gesamtmarkt hat ein Volumen von 500 bis 550 Mill. Euro pro Jahr. "Wir gehen davon aus, dass die slowenischen Hersteller 5 % davon verlieren", erläutert Primozic.

Helmut Deffner, der den recht jungen Verband Internationaler Pharma-Konzerne in Slowenien leitet, rechnet nun mit einem kräftigen Volumenzuwachs für nachgemachte Arzneimittel. "Generika waren bislang nur um 15 % billiger als Originalpräparate", hat Deffner beobachtet. An den Erstattungszahlungen von ZZZS brachten sie es zuletzt auf eine Quote von fast 40 %.

Für einen Preisrutsch am slowenischen Generika-Markt hat Pliva, die Pharma-Rivalin aus Kroatien, gesorgt. Gleich in der ersten Angebotsrunde preschte sie mit Preisnachlässen von 25 % für fünf der umsatzstärksten Präparate am Markt vor. Krka und Lek zogen nach. Dennoch rechnen die Gesundheitspolitiker in Ljubljana für das Jahr 2004 nur mit Einsparungen von 3 bis 5 %.

Nicht nur das Drehen an der Kostenschraube hat den Optimismus der Pharma-Anbieter in letzter Zeit gedämpft. "Der Lebensstandard der Slowenen ist schon so hoch, dass die Konvergenzkurve in Richtung EU bereits abflacht," beobachtet Deffner. Noch vor zwei Jahren herrschte Euphorie bei den Anbietern. Nun gehen sie statt von jährlichen Umsatzzuwächsen in der Größenordnung von 15 bis 20 % "nur noch" von 7 bis 8 % aus. Die staatliche Krankenkasse meldet für das Jahr 2002 und auch die erste Hälfte von 2003 indes noch zweistellige Zunahmen ihrer Erstattungszahlungen.

Trotz des Rufs der Slowenen, die "Schotten" der Region zu sein, hoffen die Anbieter auf zahlungswillige Patienten. Da ist zum einen die Markentreue slowenischer Verbraucher. Hinzu kommt ihr ausgeprägtes Qualitätsbewusstsein und die Bereitschaft, Werbung ernst zu nehmen. Geworben werden darf aber nur für die nicht verschreibungspflichtigen Medikamente, deren Preise 2004 dereguliert werden sollen.

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