Generikahersteller verschafft sich Mittel für rasche Expansion
Hexal füllt mit Börsengang der US-Tochter die Kasse

Mit dem erfolgreichen Börsengang der US-Tochtergesellschaft Eon Labs sichert sich der Generikahersteller Hexal die nötige Finanzkraft für den Ausbau seines Europageschäfts. Um dem starken Preisdruck zu entfliehen, will das Familienunternehmen künftig noch stärker in Innovation investieren.

FRANKFURT/M. Das Pharmaunternehmen Hexal AG hat mit einem erfolgreichen Börsengang in den USA Geld für die Expansion eingespielt. Es brachte, nahezu unbemerkt in der hiesigen Finanzwelt, seine US-Tochter Eon Labs an die New Yorker Technologiebörse Nasdaq. Von den netto 130 Mill. $ Emissionserlös fließt dem Mehrheitseigner Hexal etwa die Hälfte zu.

Das Geld will Hexal-Chef Thomas Strüngmann nun nutzen, um die Bilanzrelationen aufzubessern und das Geschäft in Europa und in den USA auszubauen. Die Hexal AG mit Sitz im bayerischen Holzkirchen ist der zweitgrößte deutsche Hersteller so genannter Nachahmer-Medikamente (Generika). Das Familienunternehmen steuert ebenso wie viele Konkurrenten einen relativ ehrgeizigen Expansionskurs im Generikageschäft.

Der Umsatz der Hexal AG wird laut Strüngmann ohne Eon Labs im laufenden Jahr bei einer Milliarde Euro liegen; im Vorjahr waren es rund 840 Mill. Euro. Die Tochter Eon Labs, an der Hexal künftig noch 77 % hält, erwartet einen Umsatzanstieg von 165 auf 210 Mill. $ (227 Mill. Euro). Hexal war Mitte der 90er-Jahre bei der damals noch winzigen Eon Labs eingestiegen und hat seither den Ausbau des US-Generikaherstellers über Darlehen maßgeblich finanziert. Für den weiteren Ausbau steht nun die andere Hälfte des Emissionserlöses zur Verfügung.

Das starke Wachstum der Unternehmen reflektiert den Umbruch auf dem Pharmamarkt. Viele und umsatzstarke Originalmedikamente verlieren zurzeit ihren Patentschutz. Das bietet den Generikaherstellern erhebliche Wachstumschancen. Vor allem auf dem US-Markt gelingt es den Herstellern von Nachahmer-Produkten, den Anbietern der Originalmedikamente innerhalb kurzer Zeit nach Patentablauf große Marktanteile streitig zu machen. Der US-Konzern Bristol-Myers etwa büßte binnen weniger Monate mehr als drei Viertel seiner Erlöse mit Glucophage ein, nachdem das Diabetes-Medikament zu Jahresbeginn patentfrei wurde.

Die Deutsche Bank schätzt, dass der Generikamarkt mit durchschnittlich fast 13 % in den kommenden Jahren deutlich schneller wachsen wird als der Pharmamarkt insgesamt.

Generikahersteller schneiden daher auch an der Börse relativ gut ab. Die Hexal-Tochter Eon Labs, die den Umsatz seit 1997 vervierfacht hat, wird auf Basis des Emissionspreises von 15 $ je Aktie mit rund 640 Mill. $ bewertet. Das entspricht dem Dreifachen des erwarteten Umsatzes. Eon Labs schätzt, dass in den kommenden Jahren Medikamente mit 38 Mrd. $ Umsatz ihren Schutz in den USA verlieren werden.

"Wir erwarten daher einen "unwahrscheinlichen Umsatzschub", sagt Strüngmann. Allerdings räumt der Hexal-Chef auch ein, dass der harte Wettbewerb unter den Generikaherstellern an den Margen zehrt. "Ein einfaches Geschäft ist das nicht mehr." Vor allem in Deutschland werde die so genannte Aut-idem-Regelung ab Juli zusätzlichen Preisdruck erzeugen. Sie verpflichtet die Apotheker, bei Wirkstoffgleichheit jeweils das preiswerteste Präparat abzugeben.

Ebenso wie die Konkurrenten Ratiopharm oder Stada setzt daher auch Hexal stark auf die Expansion im Ausland, wo das Unternehmen inzwischen mehr als ein Drittel des Umsatzes erzielt. Das Auslandsgeschäft von Hexal wächst derzeit nach eigenen Angaben mit 40 %. Um dem Preisdruck zu entfliehen, will Hexal außerdem noch stärker in Innovationen investieren, vor allem in die Entwicklung neuer Darreichungsformen für Medikamente. Ein Börsengang der AG ist aber laut Strüngmann vorerst nicht geplant. "Wir wollen erst einmal unsere Hausaufgaben erledigen."

Quelle: Handelsblatt

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