Genfer Automobilsalon soll Stimmungsumschwung einleiten: Autobranche wartet auf Frühlingsgefühle

Genfer Automobilsalon soll Stimmungsumschwung einleiten
Autobranche wartet auf Frühlingsgefühle

Die Automobilhersteller stehen vor einem schweren Jahr: Die anhaltende Konsumschwäche macht auch vor Pkw nicht Halt. Der in dieser Woche startende Genfer Autosalon soll für bessere Stimmung sorgen.

hof GENF. Hunderttausende potenzieller Autokäufer sollen sich in den kommenden Tagen in Genf Appetit auf neue fahrbare Untersätze holen. Doch echte Frühlingsgefühle werden wahrscheinlich weder bei den Besuchern noch bei den Ausstellern des Genfer Automobilsalons aufkommen. Wirtschaftsflaute und Irak-Krise verderben die Stimmung.

Ein Stimmungsumschwung wäre aber dringend notwendig, wollen die Automobilkonzerne ihre Absatzziele in diesem Jahr erreichen. Denn auch eine in Deutschland in dieser Form noch nie erlebte Rabattschlacht hat der Branche nicht die erhoffte Wende gebracht. Nun soll eine große Zahl neuer Modelle für Lust auf den Autokauf sorgen.

Frühlingshaft sind wenigstens einige der rund 70 Neuheiten, die in Genf gezeigt werden: Daimler-Chrysler stellt das Mercedes CLK Cabrio vor, Peugeot und Saab kommen mit den neuen Cabrios 307 CC und 9-3 Cabrio in die Schweiz. BMW Z 4, VW New Beetle Cabrio und die Knutschkugel Ford Street Ka ergänzen die lange Liste der Offenen.

Nachdem das Cabrio schon erfolgreich wiederbelebt worden ist, heißt das Zauberwort der Branche in Genf "Crossover". Dahinter verbergen sich die Kombinationen verschiedener Fahrzeugkonzepte wie Sport-Tourer, eine Mischung aus Kombi, Oberklasse-Auto und Coupé, oder auch geländegängige Roadster und Kleinstvans - Autos, die sich schwer einordnen lassen. Auf diesen Trend setzt auch Opel. Die Rüsselsheimer bringen den Signum auf den Markt, der von den Außenmaßen her zur Mittelklasse gehört, mit seinem Interieur aber Oberklasse-Ansprüchen gerecht werden soll.

Nach Untersuchungen von Willi Diez, Chef des Instituts für Automobilwirtschaft, könnten die neuen "Mischlinge" 2010 schon ein Viertel aller Neuzulassungen ausmachen. Aktuell stammt etwa ein Achtel aller Neuwagen aus einer der Nischen. Gute Chancen billigt Diez auch so genannten Vario-Cars zu, die sich mit wenigen Handgriffen zum Cabrio, zum Pick-up oder zum Kombi umbauen lassen. Ein Vertreter dieser neuen Konzepte kommt in diesem Jahr mit dem Pluriel aus dem Hause Citroën auf den Markt.

In Genf ist zum Thema Vario ansonsten allerdings noch wenig Serienreifes zu sehen. Abgesehen von mehr oder weniger realitätsnahen Fahrzeugkonzepten kommen alte Bekannte in neuer Form: BMW stellt die kommende Generation seiner 5er-Serie vor, Audi den neuen A3 und Renault den Scénic. Außer dem VW Touran (Golf-Ableger) wird erstmals der direkte Minivan-Konkurrent Ford C-Max (Focus-Variante) gezeigt, und die Italiener wollen vor allem mit ihren neuen Kleinwagen von Fiat und Lancia auf sich aufmerksam machen.

Die Neuen sollen die Lust auf Auto anregen, die nach jüngsten Schätzungen auch im Februar nicht allzu groß war. "Der Negativtrend ist weiter intakt", konstatiert Detlef Borscheid vom Prognose-Institut Autofuture. Um 6,8 % sind die Neuzulassungszahlen in Westeuropa zum Jahresstart in den Keller gegangen, in Deutschland betrug das Minus nach Angaben des europäischen Herstellerverbandes Acea 2,6 %. Für den Februar rechnet Borscheid zwar gegenüber dem Vorjahresmonat mit konstanten Zulassungszahlen in Deutschland, ein Anlass für Entwarnung ist das seiner Meinung nach aber nicht.

Listenpreissenkungen, Billigstfinanzierungen, Rabatte und Höchstpreise bei der Rücknahme eines Gebrauchten - die Autokonzerne hatten zuletzt alles aufgeboten, um die Talfahrt zu stoppen. Doch die Käufer streiken, und der anhaltende Pessimismus schlägt sich auch in den Prognosen nieder.

So erwartet Autofuture für Westeuropa in diesem Jahr ein weiteres Minus von 3,3 % auf 13,95 Millionen neue Personenwagen. Auch auf dem deutschen Markt, der seit Jahren auf Talfahrt ist, werde es weiter - wenn auch nur leicht - abwärts gehen, prognostiziert Autofuture im Gegensatz zum Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA). Der VDA hofft auf zumindest konstante Zahlen. Eine weitere Talfahrt würde an erster Stelle die deutschen Autohersteller treffen, "die in ihrem Heimatmarkt eine besonders starke Position besitzen", glaubt AutofutureGeschäftsführer Ferdinand Dudenhöffer.

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