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Genossen, Grüne und Japaner

Neue Bücher, rezensiert von der Handelsblatt-Redaktion.

Nicol Ljubic: Genosse Nachwuchs - Wie ich die Welt verändern wollte. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2004, 207 Seiten, 17,90 Euro.

Am Anfang stand für Nicol Ljubic die Frage: Wie engagiere ich mich? Der junge Journalist beschließt im Herbst 2003, in die SPD einzutreten. Witzig und mit unbestechlichem Blick beschreibt Ljubic in "Genosse Nachwuchs" den politischen Alltag: seine Begegnungen mit den Genossen, den ersten Parteitag und Blitztreffen mit Schröder und Müntefering. Illusionen gibt er schnell auf, denn politisch durchsetzen kann man als einfaches Mitglied kaum etwas. Der Autor findet engagierte Genossen, aber auch eine Melange aus Resignation und Verzweiflung vor. Die bewusst naive Sicht wirkt manchmal weltfremd. Dennoch fragt man sich bei der Lektüre, wer eigentlich noch diese Ochsentour mitmachen will, an deren Ende vielleicht einmal ein Amt steht. Kerstin Schneider

Renate Künast: Die Dickmacher. Riemann Verlag, München 2004, 270 Seiten, 18 Euro

"Wir drehten Pirouetten auf Rollschuhen oder fuhren mit dem Fahrrad zum Freibad. Nach Stunden kamen wir ausgehungert ins Haus gelaufen. Wenn der große Hunger gestillt war, ging es gleich wieder los." Immer aktiv war Verbraucherschutzministerin Renate Künast bereits während ihrer Kindheit in Recklinghausen. Fett hatte dabei keine Chance anzusetzen. Heute dagegen leidet ein großer Teil der Kinder an Übergewicht. Das Horrorbild, das die Grünen-Politikerin vom deutschen Nachwuchs entwirft, sieht so aus: eine Hand am Joystick, die andere Hand in der Chipstüte. Die Teens tragen teure Turnschuhe, doch ihre Helden laufen nur noch über den Bildschirm.Die Untersuchungen, auf die sich Künast beruft, belegen, dass Übergewicht gerade ein Problem in sozial schwachen Familien ist. "Bildung schützt auch vor dem Dickwerden", weiß die Ministerin. Doch die Zielgruppe der Ungebildeten wird von einem fast 300 Seiten starken Wälzer, der mit "Body-Mass-Index" und WHO - Empfehlungen argumentiert, wohl kaum erreicht. Für alle anderen ist es ein unterhaltsames Buch rund um unsere Ernährung. Ingo Reich



Iris Kuhnert: Business with the Japanese. Gabal Verlag, Offenbach 2004, 125 Seiten, 15,90 Euro

Egal ob in Europa oder Japan - Unternehmern geht es ums Geldverdienen und selten um gute Umgangsformen. In "Business with the Japanese" erläutert Iris Kuhnert wertvolle Grundregeln, die Europäer bei Geschäftskontakten mit Japanern beachten sollten. So ist zum Beispiel Geduld von großer Bedeutung, will man eine dauerhafte Beziehung zu einem japanischen Unternehmen aufbauen. Die ersten beiden Treffen kommen über Smalltalk und die Präsentation der Unternehmen selten hinaus. Erst beim dritten Termin geht es ums Geschäft. "Die Spielregeln sind komplex und liegen nicht in schriftlicher Form vor", warnt Kuhnert. Sie weiß, wovon sie spricht: Sie selbst hat zahlreiche deutsche Unternehmen auf deren Weg nach Japan beraten. Christoph Hus

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