Genossenschaftsbanken wollen Zusammenarbeit mit KfW verbessern
Banken fordern Einfluss auf Förderkredite

Die Volksbanken und Raiffeisenbanken machen Druck auf die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Christopher Pleister forderte gestern die KfW auf, künftig verstärkt mit den Vertriebsbanken bei der Entwicklung und Ausgestaltung von Förderprogrammen zusammenarbeiten.

HB BERLIN. "Die Hausbank ist die Vertriebsschiene der Förderbanken. Daher ist es für den Erfolg entscheidend, den Vertriebspartner bei der Entwicklung und Ausgestaltung der Förderprogramme institutionell einzubinden - etwa über einen beratenden Vertriebsausschuss", sagte Pleister in Berlin.

Andere Bankengruppen begrüßten den Vorstoß: "Sicherlich gibt es schon Bankenrunden mit der KfW, in denen auch Vertriebsprobleme besprochen werden, aber das könnte verbessert werden," sagte Peter Hüfner, beim Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) zuständig für Förderpolitk. "Bei Förderprogrammen ist die enge Verzahnung von Hausbank und Förderbank wichtig", sagte ein Sprecher des Deutschen Sparkassen und Giroverbandes (DSGV) . Vor allem müssten die Programme auf kleine und mittlere Unternehmen besser abgestimmt werden. "Alle Instrumente, die dazu beitragen, werden von uns unterstützt", so der Sprecher. Die KfW wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen.

Banken besetzen entscheidene Position

"Nur durch Einbindung der Banken - vor allem der Genossenschaftsbanken und der Sparkassen - können Enttäuschungen wie beim schleppenden Absatz des Mittelstandsprogramms "Kapital für Arbeit" vermieden werden", sagte Pleister. Allerdings begrüßte er die in der vergangenen Woche vorgetragene Initiative von KfW-Chef Hans Reich, das von Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement angeschobene Programm auf den gesamten Mittelstand auszuweiten und die Teilnahme nicht mehr verbindlich an die Einstellung eines Mitarbeiters zu knüpfen. Hintergrund der KfW-Pläne zur Eigenkapitalförderung ist die Finanzierung mittelständischer Unternehmen: Sie hat sich im Jahr 2002 weiter verschlechtert. Seit November wurden 1 500 neue Arbeitsplätze im Rahmen des Programms neu geschaffen und Kreditzusagen über 100 Mill. Euro gegeben.

Der BVR-Präsident stellte klar, dass die KfW auf die Banken als Vertriebsorgane angewiesen sei: "Eine staatliche Bank ist nicht in der Lage, die Fremdkapitalprobleme des Mittelstandes nachhaltig zu lösen. Sie muss am Hausbank-Prinzip festhalten", sagte er. Mit einem Anteil von 44 % sind die Genossenschaftsbanken Marktführer in Deutschland bei der Weiterleitung von KfW-Förderprogrammen für den Mittelstand. Bei Krediten bis 100 000 Euro werden sogar 48 % des Zusagevolumens über die Genossen vergeben.

Eine vom Staat gestützte Auffanggesellschaft für Not leidende Kredite ("Bad Bank") bezeichnete Pleister als "völlig verfehlt". Jede Bankengruppe - Geschäftsbanken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken - müssten ihre Probleme innerhalb des eigenen Sektors lösen. Im Genossenschaftssektor gebe es bereits mit der Bankaktiengesellschaft (BAG) Hamm ein Spezialinstitut zur Abwicklung von Problemkrediten. Hinzu komme die Sicherungseinrichtung der Gruppe, die bei Schieflagen einspringe. Eine Öffnung der BAG Hamm auch für Institute aus anderen Sektoren schloss der BVR-Präsident kategorisch aus.

Kreditgenossen schaffen "Trendumkehr"

Während andere Banken, vor allem Großbanken, im vergangenen Jahr kräftig Federn lassen mussten, haben die Kreditgenossen die "Trendumkehr" geschafft. Das Betriebsergebnis vor Bewertung liegt mit 0,8 % der Durchschnittsbilanzsumme (DBS) über dem Vorjahreswert von 0,72 %, der den bisherigen Tiefpunkt markierte. Als Zielgröße haben die Genossenschaftsbanken 1 % vor Augen. Voraussetzung hierfür sei nach Pleister allerdings eine Entlastung an der konjunkturellen Front. Auf einen Zeitrahmen, wann die Zielgröße erreicht werde, wollte sich Pleister nicht festlegen. Der Jahresüberschuss nach Steuern stieg auf 0,27 (0,22) % der DBS.

Die Aufwand-Ertragsrelation verbesserte sich von 79 % auf 76 %. Das ist auf einen verbesserten Zinsüberschuss, einen gehaltenen Provisionsüberschuss sowie stagnierende Kosten zurückzuführen. Die addierte Bilanzsumme der genossenschaftlichen Bankengruppe einschließlich der beiden Zentralbanken DZ Bank und WGZ-Bank, den Hypothekenbanken und der Bausparkasse Schwäbisch Hall, stieg auf 908,9 Mrd. Euro.

2003 geht der BVR-Präsident von einem "sehr schweren Bankenjahr" aus. Die Erhöhung der Beitragssätze für den Sicherungsfonds auf 1,75 % der risikogewichteten Aktiva von 1,1 % trage der Risikosituation der Gruppe aber voll Rechnung. Pleister stellte klar, dass die DZ Bank die Sicherungseinrichtung nicht in Anspruch genommen habe und dies auch nicht tun werde. Er trat damit Gerüchten auf Primärbankenebenen entgegen, die Erhöhung der Beitragssätze sei zu einem Großteil für die DZ Bank. Diese muss für 2002 eine Risikovorsorge von rund 1,2 Mrd. Euro verkraften.

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