Gentechnik treibt Herstellung von Medikamenten voran
Neue Technologien setzen Pharmabranche unter Druck

Es wird immer teurer und zeitaufwendiger, neue Medikamente zu entwickeln. So gewinnen ein reibungslos laufender Marketing-Apparat und der Zusammenschluss von kleinen Unternehmen an Bedeutung.

Schenkten sie den Schlagzeilen der zurückliegenden Wochen Glauben, könnten Anleger den Eindruck gewinnen, die Zukunftsaussichten der Pharmaindustrie seien schwarz: Die Pharmakonzerne streiten um Patente und Preise für Aids-Medikamente. Die wachsende Konkurrenz seitens der Generika-Produzenten macht ihnen das Leben schwer. Und staatliche Ausgaben im Gesundheitssektor schrumpfen stetig.

Tatsächlich sind die Umsätze der Pharmaindustrie im vergangenen Jahr weltweit um rund ein Zehntel auf mehr als 330 Mrd. $ gestiegen. Das ist fast das Fünffache des Marktvolumens von vor 20 Jahren, schätzen Analysten der Deutschen Bank. Und das Wachstum scheint ungebrochen - trotz des Drucks von Regierungen auf die Preispolitik der Konzerne und einer wachsenden Zahl von Medikamenten mit Milliardenumsätzen, deren Patente in den nächsten Jahren auslaufen.

Boom trotz Druck von allen Seiten

Woher also kommt der Boom? Die geburtsstarken Jahrgänge der Nachkriegszeit werden älter, ihre Gesundheitsprobleme und ihr Verbrauch an verschreibungspflichtigen Medikamenten nimmt zu. Das ist vor allem in den USA der Fall, die auf dem weltweiten Pharmamarkt einen Anteil von 41 % halten. Marktorientierte Preise und stärkeres Direktmarketing der Industrie werden das Wachstum in den USA im Vergleich zu den übrigen Pharmamärkten anheizen. Die Gentechnologie, die die Forschung und bald auch den Pharmaverkauf bestimmt, treibt das Wachstum voran.

Die Fortschritte in der Molekularbiologie und das wachsende Verständnis der Forscher für genetische Ursachen von Krankheiten haben die traditionelle Medikamentenforschung auf den Kopf gestellt. Beispiel Onkologie: Dort suchen Wissenschaftler nach Möglichkeiten, Krebs an seiner biochemischen Wurzel zu packen, statt an den Symptomen anzusetzen. Weil Forschern neue Methoden und High Tech zur Verfügung stehen, können sie wichtige Moleküle in noch nie da gewesenem Tempo testen. Die Geheimnisse des Humangenoms werden nach und nach entschlüsselt; die Ansatzpunkte für Medikamente nehmen explosionsartig zu: von heute 500 auf mehr als 3 000 in den nächsten Jahrzehnten.

Diese neuen Möglichkeiten setzen die Medikamentenhersteller aber auch unter Druck. Da die erforderliche Zeit länger wird und die benötigten Gelder für die Entwicklung neuer chemischer Wirkstoffe ständig steigen, wird bei den Konzernen kritische Masse und ein global funktionierender Marketing-Apparat immer wichtiger. Analysten der Deutschen Bank haben festgestellt, dass die benötigte Zeit, um ein Medikament auf den Markt zu bringen, in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten um durchschnittlich 20 % auf fast 15 Jahre gestiegen ist. Dies zeigt sich auch an der Kostenentwicklung: Im Durchschnitt müssen Unternehmen heute 500 Mill. $ aufbringen, um ein Medikament erfolgreich auf den Markt zu bringen. Darin enthalten sind 200 Mill. $ für potenzielle Medikamente, die sich im Forschungs- und Entwicklungsprozess als Flops erweisen.

Trend zu Fusionen in der Pharmaindustrie

Dieser Trend hat in den vergangenen zwei Jahren zu großen Fusionen in der Pharmaindustrie geführt: Beispiele sind die Fusion zwischen Glaxo Wellcome und Smithkline Beecham im Wert von 46 Mrd. £. Oder die Übernahme von Warner-Lambert durch Pfizer und die Fusion von Pharmacia & Upjohn und Monsanto. Trotz dieser Fusionswelle ist der Pharmamarkt weiterhin zersplittert. Glaxo-Smithkline, größter Konzern weltweit, kontrolliert nur 7 % des Weltmarkts. Und dies sind nur die größten unter den Pharmakonzernen. Noch mehr Druck spüren die mittelgroßen Unternehmen in Europa. Alle versuchen, in die USA zu expandieren - doch bevor sie ein US-Unternehmen übernehmen können, müssen sie sich wohl erst einmal untereinander verbünden. Obwohl Hoechst und Rhône-Poulenc sich vor kurzem erst zu Aventis zusammengeschlossen haben, spekulieren Analysten schon darauf, wann die nächste Fusion oder Akquisition auf dem Plan steht.

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