„Genuss zum Abheben“
Herr über Herd und Helikopter

Zwei Österreicher gehen in die Luft: Der Ein-Sterne-Koch Johann Lafer und der Gastronom Christoph Wilson servieren ihren Gästen Augenschmaus und Gaumenschmankerln - der eine hoch über dem Rhein, der andere über der Elbe.

Die kulinarischen Häppchen mitten auf der Bergwiese bei Bacharach könnten sogar die Loreley dazu bringen, ihr Lied zu unterbrechen: gegrillte Languste, Couscous-Salat, Bisonsteak, Kalbsröllchen, indische Würzpasten, Zitronengraskaltschale mit Erdbeeren, Vanilleschaum. Das alles erwartet die Passagiere, die dem blitzblanken marineblauen Hubschrauber entsteigen - manche mit wackeligen Knien.

Einen kritischen Blick auf das Tischleindeckdich wirft der Hubschrauberpilot. Johann Lafer, der TV-Koch, Besitzer des Hotels Stromburg in Stromberg, Chef im Spitzenrestaurant "Le Val d?Or", beweist seine Kreativität und Geschäftstüchtigkeit: "Heli Gourmet" heißt sein jüngster Betrieb. "Immer wieder haben mich Freunde und Gäste gefragt, ob sie mal mitfliegen dürfen, wenn ich mit meinem Hubschrauber ein paar Runden drehte", erzählt der Herr über Kochlöffel und Rotorblätter. "Jetzt kreisen wir jede Woche über ein Stück Weltkulturerbe, den Mittelrhein."

Der elegante Brummer steht in Hahn. Von dort aus geht es über Bingen und den Loreleyfelsen nach Bacharach, wo Mitarbeiter des fliegenden Kochs auftischen - mal das, was die Passagiere mit Lafers Hilfe in der Kochschule "Table d?Or" in Guldental gerührt und gesotten, mal, was die Profis in der Schlossküche angerichtet haben.

"Genuss zum Abheben" verspricht das Logo von Heli Gourmet. Der Marketing-starke Steiermärker konnte in einem Jahr schon knapp 100 Flüge verbuchen. Jeweils vier Passagiere sitzen in dem feinen Vogel. Rund 1 200 Euro pro Person kostet der Tagesausflug, Champus und Picknick inklusive.

Aber die Köstlichkeiten und der Blick aufs Rheintal sind nicht alles, was den Hubschrauber zum Abheben bringt. Lafer und seine Berufspiloten steuern jeden Ort an, der einen Landeplatz hat und in rund einer Flugstunde zu erreichen ist: Rennen auf dem Nürburgring, Weinprobe im Prädikatsweingut Ökonomierat Rebholz im pfälzischen Siebeldingen oder auch ein Gourmetessen, etwa auf Schloss Bensberg in Bergisch-Gladbach, wo Joachim Wissler im "Vendôme" aufkocht.

Lafer bietet doppelten Genuss. Doch der Augenschmaus konkurriert nicht mit dem, was den Gaumen verwöhnt. Mit dem Helikopter geht es zum fein gedeckten Tisch. Ganz anders in Hamburg. Im hohen Norden wird in luftiger Höhe serviert: Sushi, Kaviar oder Wiener Schnitzel en miniature schmecken mit Blick auf die Speicherstadt, den Hafen und die Elbe himmlisch - wenn die Mägen flugtauglich sind.

Der Tiroler Christoph Wilson hat seine austro-asiatische Küche seines Restaurants Nido mit den Flugkünsten des Unternehmers Claus Wasserthal kombiniert. Tagsüber ein Event für Geschäftsfreunde, bei Sonnenuntergang ein Erlebnis für romantische Gemüter. "Das kleinste Restaurant mit dem schönsten Blick" nennt Wilson den 4-Personen-Helikopter, der schallgedämpft, mit Leder und einer Granitplatte für die Sushi ausgestattet ist.

40 Minuten dauert der lukullische Flug, für vier Personen kostet er 3 000 Euro. Dafür fährt die Limousine zu Hause vor, die Hauptspeise wird im Flug serviert, der Nachtisch im Nido - Ticket und Mütze gibt es als Souvenir. "Verlobungsflüge, Heiratsanträge in der Luft, das erleben wir", sagt Wilson, "aber wir würden auch zur Scheidung einen Bungeesprung von der Kufe organisieren."

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