Georg Hackl: Ein Mann nach dem Geschmack der Amerikaner: Englisch mit Schorsch

Georg Hackl: Ein Mann nach dem Geschmack der Amerikaner
Englisch mit Schorsch

Die amerikanischen Medien beschäftigen sich - sagen wir es mal so - amerikanisch mit den Olympischen Winterspielen am großen Salzsee. Im Radio werden die Sieger der einzelnen Disziplinen ungefähr so kund getan: "Im Abfahrtslauf der Männer gewann ein Österreicher, in der Nordischen Kombination ein Finne." Namen? Naja, ziemlich unwichtig. Zumindest solange keine Landsleute im Spiel sind.

eah SALT LAKE CITY. In den Printmedien ist diese Ignoranz zwar nicht gar so ausgeprägt, doch größere Berichte über ausländische Teilnehmer sind die Ausnahme. Eine davon war Georg Hackl. "Sports Illustrated", Sportmagazin und olympischer Sponsor in einem, hatte vor der Rodel-Entscheidung sogar die Titelseite der täglichen Salt-Lake-City-Sonderausgabe mit einem Foto des Berchtesgadeners bestückt und titelte respektvoll: "Der Herrscher der Rutschbahn." Auch "USA Today" brachte ein großes Porträt über den "bratwurst-and-beer-loving Bavarian".

Es hatte sich bis in die Vereinigten Staaten herumgesprochen, dass sich da ein echter Typ aus dem fernen Deutschland aufgemacht hatte, sein viertes Olympia-Gold in Serie zu gewinnen. Klappte zwar nicht, denn hinter dem Italiener Armin Zöggeler und vor dem Österreicher Markus Prock blieb ihm diesmal nur die Silbermedaille. Und doch bekamen die US-Medien genau das, was sie sich erhofften vom bayerischen Gast. Sprüche und Witze, Tränen und Trauer.

Zunächst beantwortete Hackl die Frage nach der historischen Bedeutung seiner nunmehr drei Gold- und zwei Silbermedaillen bei Olympia in seiner ganz und gar typischen Art. "Ich will Sport machen, nicht Geschichte. Wenn ich ein Amerikaner wäre", grinste der 35-Jährige, "würde ich sagen: Fuck the history." Englisch mit Schorsch, wenn man so will. Allerdings nicht lange.

Denn schon wenig später war alles anders. Ob er die Silbermedaille jemandem widmen wolle, wurde er gefragt. Hackl schossen die Tränen in die Augen, er hielt die Hände vors Gesicht. Ruhe im Saal. Niemand konnte oder wollte ihn erlösen, nach knapp einer Minute tat er es schließlich selbst: "Ja, ich widme sie meinem Vater." Der erlag Ende vergangenen Jahres einem Herzinfarkt - kurz nach einem Weltcup-Sieg seines Sohnes.

Später im Deutschen Haus in Park City war die Rodel-Größe wieder ganz der Alte. Scherzte ("Beim Start rauchen mich die anderen in der Pfeife.") und erzählte ("Ich kenne meine Stärken und auch meine großen Schwächen.") im allerbesten Hackl-Stil, der Alleinunterhalter war wieder in seinem Element. Und das lag gewiss nicht nur daran, dass man ihn schnell und punktgenau mit den nötigen Naturalien versorgte - mit Weißbier und Weißwurst. "USA Today" hat ja so recht.

Dann erklärte er zumindest ansatzweise das Geheimnis seines speziell auf die schwierige Olympia-Bahn zugeschnittenen Schlittens ("Zunächst optimale Lenkeigenschaften, danach optimale Gleiteigenschaften") und dankte brav Dauersponsor Viessmann sowie Porsche für die technische Unterstützung: "Nur diesen Firmen habe ich es zu verdanken, dass ich heute so weit nach vorne gefahren bin." Deutschland biete eben beste Voraussetzungen, "wir haben technisch einen der höchsten Level der Welt". Und davon profitiere letztlich auch er.

Von Enttäuschung über die verpasste Goldmedaille keine Spur. Schon an der Bahn jubelte er so, als wenn er wieder einmal gewonnen hätte. "Ich bin ganz großartig zufrieden", formulierte er etwas umständlich. Dann blickte das Mitglied des Brauchtumerhaltungsvereins Berchtesgaden, das nur ungern bayrisch zitiert wird, lächelnd in die große Runde und gönnte sich einen weiteren kräftigen Schluck aus dem riesigen Weißbierglas. Yes, he?s a beer-loving Bavarian.

Und nicht nur das. Er ist nach wie vor ein Garant für gediegene Interviews. Ein wunderbares Beispiel aus diesen olympischen Tagen in Salt Lake City, ausgestrahlt im deutschen Fernsehen. ARD-Reporter: "Was ist bei Ihnen noch zu verbessern?" Hackl: "Das Runterfahren." ARD-Reporter: "Das ist doch ganz einfach." Hackl: "Das ist das Schwierigste."

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