Georg Hackl über Porsche, Politik, Presse und unsägliche Funktionäre: Vorsicht, Revolverblatt

Georg Hackl über Porsche, Politik, Presse und unsägliche Funktionäre
Vorsicht, Revolverblatt

Dem berühmtesten Rodler aller Zeiten bietet sich in Salt Lake City eine historische Chance. Georg Hackl kann den vierten Olympia-Triumph perfekt machen.

SALT LAKE CITY. Georg Hackls Satz endet. Er schaut seinen Gegenüber an. Eine Sekunde, zwei Sekunden, vielleicht noch eine dritte. Dann lacht er laut los und hat einen Mordsspaß. Er hat mal wieder einen Scherz gemacht. Nicht irgendeinen. Sondern einen, der schon ein wenig Hintergrundwissen über die Rodelszene erfordert, um ihn zu verstehen. Das kommt häufiger vor. Als wolle er seinen Gesprächspartner testen. Ist er es wert, wertvolle Zeit zu opfern?

Dazu muss man wissen, dass der Hackl Schorsch insbesondere gegenüber Journalisten eine gehörige Portion Skepsis an den Tag legt. "Es kommt immer wieder vor, dass man aufs Glatteis geführt wird", ärgert er sich im Handelsblatt-Gespräch. "Wissen S: Man bricht sich einen ab, investiert Zeit und versucht, Sinnvolles von sich zu geben. Und dann steht so ein Unsinn in der Zeitung." Folglich hat er seinen langjährigen Berater Rudi Größwang und dessen Tochter Heike, die für den berühmtesten Rodler aller Zeiten die Medientermine koordinieren, als eine Art Abwehrinstanz installiert. Interviews gibt er nur Zeitungen, die "für gut befunden wurden". Da haben wir aber Glück gehabt. "Handelsblatt? Ist das ein linksradikales Revolverblatt", fragt der 35-Jährige zwar. Doch sein Blick ist eindeutig. Der Mann scherzt.

Wenn Hackl denn ein Interview gibt, entpuppt er sich als ganz und gar nicht zurückhaltender Zeitgenosse. Plaudert munter drauflos und stoppt seine Auskunftsfreude erst, als es um technische Errungenschaften geht. Die Angst, der Konkurrenz auch nur ansatzweise Geheimnisse zu verraten, begleitet den dreifachen Olympiasieger seit Jahren. Er, der seit einer Bandscheibenoperation nicht mehr an die Startzeiten der Weltelite herankommt, muss dieses Handicap durch besseres Material ausgleichen.

Gold wäre der Lohn für viel harte Arbeit

Möglichst auch im Mormonenstaat. In Nacht zu Monatg fanden die ersten beiden Läufe im Utah Olympic Park statt, am Montag Abend folgt die zweite Hälfte. Der erneute Triumph wäre der Lohn für harte Arbeit und nie nachlassenden Ehrgeiz. In der Saisonvorbereitung, so hat er mal gesagt, würde er mehr Zeit mit seinem Schlitten als mit seiner Frau verbringen.

Doch der als großer Tüftler im heimischen Keller gepriesene Bayer stieß unlängst an seine Grenzen. Die Bahn in Park City weist beim Zusammenschluss der Bob- und Rodelstrecke eine Besonderheit auf ("Eine Ecke, um die du herum musst"), die als Schlüsselstelle ausgemacht wurde. Die ungewöhnliche Passage aber war mit dem bisherigen Material nur schwer zu bewältigen. Und genau für dieses Problem kam unverhoffte Hilfe.

Berater Größwang erinnerte sich an einen alten Bekannten namens Wolfgang Dürheimer, der inzwischen bei Porsche zum Vorstandsmitglied aufgestiegen war. Und so landete Hackls technisches Problem schließlich bei den Experten des Autobauers, die ihren eigenen Olympia-Ehrgeiz entwickelten und den prominenten Kunden unentgeltlich in Begeisterung versetzten. "In nur zwei Monaten", staunt Hackl, "haben die eine Lösung gefunden. Ein Zuckerl, einfach schlau." Der Rodler relativiert zwar, dass in der Praxis und unter Wettkampfbedingungen nicht alles so funktionieren muss wie in der Theorie, doch die Begeisterung für das Resultat der bayrisch-schwäbischen Zusammenarbeit ist ihm anzumerken. "Die haben meinen Schlitten im Computer eingescannt, man konnte ihn in alle Richtungen drehen und wenden und sogar in Einzelteile zerlegen."

Salt Lake sind seine letzten Spiele

Das alles - wie gesagt - ohne Sponsoringvertrag. "Leider. Vielleicht entwickelt sich da ja noch etwas", hofft Hackl, der noch mit einem geleasten Seat-Transporter das Material an die Eiskanäle transportiert. Porsches Sportwagen kämen dafür weniger in Frage, doch der Mann aus Berchtesgaden weiß über die angekündigten Modelle aus Zuffenhausen bestens Bescheid. "Die bringen einen Geländewagen auf den Markt. Der wär nicht schlecht."

Sollte ihm in den USA der vierte Triumph bei Olympischen Spielen in Folge gelingen (was noch keiner geschafft hat), muss sich niemand wundern, wenn Hackl in Fernsehinterviews seinen "Sportwagen" erwähnt. "Ja, man kann meinen Schlitten schon Porsche nennen. Passt schon." Die mögliche historische Dimension einer weiteren Goldmedaille wischt der Hauptfeldwebel der Bundeswehr jedoch per Handstreich beiseite. "Ich denke, dass ich schon Rodel-Geschichte geschrieben habe", entgegnet er.

Es dürften seine letzten Winterspiele als Athlet sein. Obwohl, ausgeschlossen ist nichts. "Wenn ich noch einmal in einen Jungbrunnen falle und an die Startzeiten der Weltelite einigermaßen herankomme, bin ich 2006 in Turin auf jeden Fall dabei. Das aber ist höchst unwahrscheinlich." Im Normalfall mischt er im kommenden Winter noch mit, danach dürfte Schluss sein mit der Hackl-Ära im Rodler-Anzug.

Der Wahlkampf fällt dem "Unternehmen Gold" zum Opfer

Als Trainer will er dann weitermachen, möglichst auch in dieser Funktion an Olympia teilnehmen. Will sich um den Nachwuchs verdient machen und auch darum, die Sportart als solche auf Vordermann zu bringen. "Natürlich könnte man auch bei uns - wie beim Biathlon oder beim Skispringen - eine Menge bewegen, um das Interesse am Rodeln zu steigern. Doch wenn man vorne nichts reinsteckt, kommt hinten auch nichts raus", grantelt Georg Hackl. Der internationale Rennrodel-Verband FIL und seine Funktionäre bringen den Deutschen immer wieder auf die Palme. "Diese Leute sitzen vorne im Flugzeug in der First Class, während wir Sportler hinten in der Holzhacker-Klasse sind. Und wenn wir ins Ziel fahren, schubsen sie unsere Betreuer zur Seite und halten ihre Köpfe in die Kamera. Das gibt s doch nicht."

Dass mit Rodeln irgendwann einmal mehr Geld zu verdienen ist, glaubt er eh nicht mehr. "Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, bei uns passiert ja nichts. Alles Filz. Wenn ich mal Vorschläge mache - und sind sie noch so konstruktiv -, werden sie kategorisch abgelehnt. Offenbar fürchtet man mich."

Ja, der Schorsch kann auch anders und ist nicht immer der Gaudibursche. "Ich bin ein durchaus ernsthafter Mensch", versichert er. Einer, der an seine Vorbildfunktion als Prominenter glaubt und sie offenbar ernst nimmt. "Wenn Sportler in der Öffentlichkeit ein Pfeifchen anstecken und sagen, das ist nicht so schlimm, ist das nicht gut. Was haben wir denn sonst noch für Vorbilder in der Gesellschaft? Die heutigen Popstars sind es wohl eher selten", konstatiert Hackl. Er sieht es gerne, wenn Prominente "karitative Sachen machen" und nicht "als Drogenkonsumenten" daherkommen. Michael Schumacher zum Beispiel könnte "ruhig mal ein halbes Milliönchen fürs Rodeln spenden". War nur ein Scherz.

Ernst meint er es hingegen mit seiner Kandidatur für den Kreistag des Berchtesgadener Lands. Am 3. März wird gewählt und CSU-Kandidat Hackl fehlt im Wahlkampf weitgehend aus olympischen Gründen. Der Polit-Anfänger nimmt's gelassen. Er wolle zwar als Mandatsträger etwas für den Sport tun, aber nicht Kanzler werden. Und vor den Karren der Politik lasse er sich schon gar nicht spannen.

Genau dies hatte der "Spiegel" geschrieben. Für die Hamburger Kollegen dürfte es schwierig werden bei der nächsten Interviewanfrage.

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