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George W. Bush bleibt US-Präsident

George W. Bush bleibt für weitere vier Jahre Präsident der USA. Der demokratische Herausforderer John Kerry gestand nach einem dramatischen Wahlkrimi rund 15 Stunden nach Schließung der letzten Wahllokale seine Niederlage ein und gratulierte dem Sieger.

dpa WASHINGTON. George W. Bush bleibt für weitere vier Jahre Präsident der USA. Der demokratische Herausforderer John Kerry gestand nach einem dramatischen Wahlkrimi rund 15 Stunden nach Schließung der letzten Wahllokale seine Niederlage ein und gratulierte dem Sieger.

Bush seinerseits bescheinigte seinem Kontrahenten in seiner Siegesrede einen engagierten Wahlkampf, auf den Kerry stolz sein könne. Sowohl der Sieger als auch der Verlierer riefen nach der erbitterten Wahlschlacht zur Versöhnung auf. Bush kündigte eine Fortsetzung des entschlossenen Kampfes gegen den Terrorismus an und würdigte die "guten Verbündeten" an seiner Seite.

Um kurz nach 17 Uhr deutscher Zeit - mehr als zehn Stunden nach der Schließung der letzten Wahllokale - hatte Kerry im Weißen Haus angerufen, um Bush zum Sieg zu gratulieren. Nach Angaben des Präsidenten zeigte sich der Senator in dem Telefonat "sehr großmütig".

Bis zu dem Anruf drohte eine wochenlange Hängepartie, da das offizielle Ergebnis in dem heiß umkämpften Bundesstaat Ohio noch ungewiss war. In einer Rede vor tausenden Anhängern in Boston (Massachusetts) räumte Kerry dann aber ein, dass er keine Gewinnchance mehr sehe und deshalb aufgebe. Damit kam der republikanische Amtsinhaber auf die notwendigen 270 Wahlmännerstimmen. Auch bei den Kongresswahlen waren die Republikaner auf Erfolgskurs. Sie bauten ihre Führung im Repräsentantenhaus und im Senat aus.

Landesweit kam Bush auf 51 Prozent der Stimmen, Kerry auf 48 Prozent. Damit lag Bush mit mehr als 3,5 Mill. Stimmen vor dem Senator aus Massachusetts. Insgesamt stimmten rund 114 der 217 Mill. Wahlberechtigten ab, für die USA eine Rekordbeteiligung seit über 40 Jahren. Der unabhängige Kandidat Ralph Nader kam auf weniger als ein halbes Prozent der Stimmen. Entscheidend für den Wahlausgang sind die Wahlmännerstimmen aus den einzelnen Bundesstaaten. Ohne Ohio hatte Bush am Mittwoch 254, Kerry 252 Wahlmännerstimmen. Ohio bringt 20 Stimmen in das Wahlgremium ein.

Bush versprach, er werde alles in seinen Kräften Stehende tun, um seine Pflicht als Präsident zu erfüllen. Um die Nation "stärker und besser" zu machen, benötige er die Unterstützung der Kerry-Anhänger, "und ich werde alles tun, um sie zu verdienen". Kerry seinerseits erklärte, nun sei die Zeit zur Versöhnung gekommen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder gratulierte Bush zu seiner Wiederwahl. "Die Welt steht zu Beginn Ihrer zweiten Amtszeit vor großen Herausforderungen." Diese ließen sich nur gemeinsam meistern. Deshalb sehe er "mit großer Erwartung" der weiteren Zusammenarbeit "auf der Grundlage der engen Freundschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten" entgegen, schrieb der Kanzler in seinem Telegramm. "Ich wünsche mir, dass das Verhältnis zwischen den USA und Europa (...) wieder besser wird", sagte CDU-Chefin Angela Merkel in Prag.

Frankreichs Präsident Jacques Chirac schrieb dem Präsidenten: "Unsere Zusammenarbeit, unser gemeinsamer Kampf gegen den Terrorismus und unsere gemeinsamen Aktionen zur Förderung von Freiheit und Demokratie müssen in einem Geist des Dialogs, der Achtung und der gegenseitigen Achtung weiterentwickelt werden."

Auch UN-Generalsekretär Kofi Annan gratulierte Bush zum Wahlsieg und betonte den Wunsch nach stärkerer Zusammenarbeit zwischen den USA und der UN. Abgesehen von der "fundamentalen Meinungsverschiedenheit" über die Rechtmäßigkeit des Irak-Krieges hätten die UN und die USA in den ersten vier Jahren der Regierung Bush "solide und produktiv" zusammengearbeitet, sagte Annans Sprecher Fred Eckhard.

Das befürchtete Wahlchaos, mit dem viele nach dem Debakel in Florida vor vier Jahren gerechnet hatten, blieb weitgehend aus. Vor zahlreichen Wahllokalen bildeten sich zwar lange Schlangen und manche Wähler mussten mehrere Stunden auf die Stimmabgabe warten. Wahlbeobachter zeigten sich aber im Großen und Ganzen zufrieden.

Im Kongress schafften es die Demokraten nicht, den Republikanern die Mehrheit in einer der beiden Kammern abzujagen. Insgesamt standen alle 435 Abgeordneten im Repräsentantenhaus zur Wahl sowie 34 der 100 Senatoren. Im Senat verlor der demokratische Minderheitsführer Tom Daschle seinen Sitz.

Die Probleme in Ohio wurden durch so genannte vorläufige Stimmen von rund 150 000 Wählern verursacht. Es muss geprüft werden, ob diese Wähler überhaupt wahlberechtigt waren. Darüber hinaus rechnet die Wahlleitung mit bis zu 100 000 Briefwählern. Bush lag nach Auszählung der eindeutigen Stimmen mit mehr als 140 000 Stimmen vorn.

Bei den Volksabstimmungen erteilten die Wähler in elf Bundesstaaten Bestrebungen zur Zulassung der Homo-Ehe eine Absage. In Kalifornien machten die Wähler ihren Staat aber zum Vorreiter der staatlichen Förderung für die Stammzellenforschung. Kalifornien will dafür die Forschung demnächst mit drei Mrd. Dollar fördern.

Die Wall Street reagierte mit massiven Kursgewinnen auf den Wahlsieg Bushs. Der Dow-Jones-Index schoss in den ersten Minuten des Handels um 172,63 Punkte oder 1,72 Prozent auf 10 208,36 Punkte in die Höhe.

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