Geplante Kürzung der Eigenheimzulage bringt Immobilienkäufer auf Trab
Schnell noch ein Häuschen zum Jahresende ergattern

Die von der Bundesregierung angekündigte Kürzung der Eigenheimzulage bringt Immobilienkäufer auf Trab. Die Nachfrage nach Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen habe sich spürbar belebt, sagen Makler und Baufinanzierer. Ein Run auf Immobilien sei aber nicht zu erwarten.

DÜSSELDORF. Nach den Plänen der Bundesregierung soll die bisher gestaffelte Zulage ab 2003 auf einheitlich 11 000 Euro plus 800 Euro Zulage je Kind gekürzt werden. Auch die Einkommensgrenzen sollen stark sinken, so dass weniger Familien in den Genuss kommen. Endgültig entschieden ist aber noch nichts, denn der Bundesrat muss noch zustimmen.

In den Wochen seit der Bundestagswahl seien die Anfragen für Immobilienfinanzierungen sprunghaft gestiegen, sagt etwa Johannes Bieber, Geschäftsführer der BHW Immobilien GmbH. Er rechnet auch weiterhin mit einer deutlich höheren Nachfrage nach Eigenheimen. Um noch von den günstigeren Fördersätzen der alten Regelung zu profitieren, müssten Bau- und Kaufinteressenten bis Jahresende einen Kaufvertrag unterschreiben oder einen Bauantrag stellen, erklärte er. Die BHW jedenfalls habe im Oktober so viele Baufinanzierungen wie noch nie abgeschlossen.

Dabei spielt aber laut Axel Guthmann, Sprecher der Landesbausparkassen LBS, die Unsicherheit auf den Aktienmärkten eine wichtigere Rolle als die geplante Kürzung der Eigenheimzulage: "Viele Anleger flüchten in die sichere Immobilie", sagt er. Vorzieheffekte wegen der Eigenheimzulage hält er allenfalls bei Immobilien aus dem Bestand für möglich. Einen "Nachfragebuckel" werde es aber nicht geben.

Vor Ort bei der LBS Münster wird ebenfalls von einem guten Bauspargeschäft berichtet. Doch einen zusätzlichen Schub ab September habe es nicht gegeben, sagte ein Sprecher. Das Interesse am Kauf einer Immobilie sei deutlich gestiegen. Doch behielten die Käufer einen kühlen Kopf, und "brechen nichts übers Knie". Zwar habe die Anzahl der Informationsgespräche zugenommen, doch werde es bei den Vermittlungen keinen gewaltigen Sprung nach oben geben.

Ein "Jein" zum Vorzieheffekt kommt von Jürgen Michael Schick, dem Sprecher des Verbands Deutscher Makler (VDM). Ein regelrechter Run auf Einfamilienhäuser sei nicht zu spüren. In Einzelfällen wickele aber der ein oder andere, der seine Wunschimmobilie bereits gefunden habe, den ohnehin geplanten Erwerb schneller ab. Eine Tendenz zu "Schnellschüssen" sei nicht zu erkennen. Auch nennenswerte Umsatzsteigerungen erwarteten die Makler nicht. Im Gegenteil, die Branche müsse sich wegen der Vorzieheffekte auf ein ruhiges erstes Quartal 2003 einstellen.

Andreas Böhning vom Ring Deutscher Makler (RDM) registriert eine große Unsicherheit auf dem Immobilienmarkt. Diese schlage sich in einem höheren Beratungsbedarf nieder. Regional falle die Nachfrage nach wie vor sehr unterschiedlich aus. Während sie in München sehr hoch sei, gehe sie in Frankfurt sogar zurück.

Auch in Köln ist das Interesse an Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen sprunghaft gestiegen. Für Thomas Löhr, Geschäftsführer der zur Sparkasse Köln gehörenden Corpus Immobilien, steht der Anstieg in direktem Zusammenhang mit der geplanten Kürzung der Eigenheimzulage. Die verschlechterten Rahmenbedingungen für Bauträger und Investoren werden nach seiner Einschätzung dazu führen, dass sich der Wohnraum in Köln weiter verknappt und in der Folge die Immobilienpreise steigen. Immobilienbesitzer spekulierten bereits darauf und verschöben Verkaufspläne in das kommende Jahr.

Die Gunst der Stunde nutzt auch die Immobiliengesellschaft Viterra Wohnen: Sie schreibt noch einmal gezielt Mieter an, die bislang zögerten, die gemietete Wohnung zu kaufen. Die geplante Kürzung der Eigenheimzulage sei ein Riesenargument, sagte eine Sprecherin. Das Geschäft habe in den vergangenen Wochen angezogen. Die Nachfrage nach Altbau-Immobilien habe sich verdoppelt. Sie warnte aber davor, nur auf den Mitnahmeeffekt zu spekulieren. Der Kauf einer Immobilie sei in der Regel eine Entscheidung für die nächsten 25 Jahre. Ein solides Finanzierungskonzept habe daher oberste Priorität, warnen auch Verbraucherverbände. Die Eigenheimzulage werde schließlich ohnehin nur acht Jahre lang gewährt.

Quelle: Handelsblatt

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