Geplantes Joint Venture bei Motorenfertigung fraglich
Daimlers Motorenallianz mit Caterpillar liegt auf Eis

Die Daimler-Chrysler AG und der weltweit größte Baumaschinenhersteller Caterpillar Inc. kommen bei ihren angekündigten Joint-Venture-Plänen nur langsam voran. Nach Informationen des Handelsblatts rückt der Stuttgarter Automobilkonzern zunehmend vom geplanten Gemeinschaftsunternehmen für mittelschwere Lkw-Dieselmotoren ab. Beide Konzerne scheuen sich davor, ihr jeweiliges Wissen der anderen Seite preiszugeben. Bei Daimler wird nur eine Kooperation auf Sparflamme erwartet.

ajo/brb STUTTGART. Ein halbes Jahr nach der Ankündigung ist es um die Allianz zwischen Daimler-Chrysler, dem größten Nutzfahrzeughersteller der Welt, und Caterpillar, der Nummer eins bei Baumaschinen, äußerst ruhig geworden. Die monatelange Prüfung durch die Allianz-Teams hat zur Ernüchterung geführt.

Sehr konkret hatten im November 2000 Daimler und der in Peoria im US-Bundesstaat Illinois ansässige Caterpillar-Konzern die Joint-Venture-Pläne verkündet. Zu ihrer "globalen Allianz" gehörten ein Gemeinschaftsunternehmen bei mittelschweren Dieselmotoren für Nutzfahrzeuge und ein Joint Venture für Dieseleinspritztechnik. Die umfangreiche Zusammenarbeit sollte von der Entwicklung über die Produktion bis hin zum Vertrieb gehen. Im Detail wurden auch die Werke aufgeführt, die in diese Joint Ventures eingebracht werden sollten. Sogar die angepeilten Zielumsätze für die beiden Projekte bis 2005 wurden genannt. Die Aufregung an den betreffenden Standorten und auch bei Zulieferern war entsprechend groß.

Doch inzwischen ist klar, dass die Pläne längst nicht so ausgereift sind. Die Öffentlichkeit wurde "viel zu früh" informiert, wird in der Daimler-Konzernzentrale zugegeben. Es seien viele Hürden in beiden Konzernen übersehen worden. Daimler-Chrysler will allerdings offiziell keine Stellung dazu nehmen.

Besonders fraglich: Motoren-Joint-Venture

Besonders in Frage gestellt ist nach Informationen des Handelsblatts das Motoren-Joint-Venture. Daimler-Chrysler kann sich nicht klar entscheiden, welche Abteilungen in das Gemeinschaftsunternehmen eingebracht werden sollen. Eine noch größere Schwierigkeit besteht darin, eigenes Know-how in das Gemeinschaftsunternehmen zu geben. "Ohne Not gibt keiner sein Wissensvorsprung aus der Hand", sagt ein Insider. Caterpillar und Daimler-Chrysler seien beide sehr stolze Unternehmen, was die Verhandlungen erschwere.

Bei den Daimler-Nutzfahrzeug-Managern wächst die Erkenntnis, dass sie mit dieser Zusammenarbeit ihren Wettbewerber Caterpillar stärken würden. So ist der Baumaschinenhersteller ein großer Motorenlieferant für Freightliner, die US-Nutzfahrzeugtochter von Daimler-Chrysler. Damit konkurriert Caterpillar nicht nur mit der im vergangenen Jahr vollständig vom Stuttgarter Konzern übernommenen US-Tochter Detroit Diesel. Zudem hat sich die Daimler-Nutzfahrzeugsparte Powersystems das ehrgeizige Ziel gesetzt, selbst 20 000 Motoren an Freightliner zu liefern. Unter dem Dach von Powersystems ist die hauseigene Fertigung von Motoren, Getrieben, Achsen und Lenkungen zusammengefasst.

Zum Umdenken in der Motorenstrategie führt offensichtlich auch der deutliche Zusammenbruch des amerikanischen Nutzfahrzeugmarktes. "Welche Motoren werden in welchen Stückzahlen künftig benötigt?" lautet eine zentrale Frage im Konzern.

Massive Entwicklungskosten hätten eingespart werden können

Damit schwinden zusehends die Hoffnungen, die an die Allianz geknüpft sind. Sowohl der Stuttgarter Konzern, der größte Dieselmotorenproduzent der Welt, und Caterpillar als größter, nicht an einen Lkw-Hersteller gebundener Lieferant von Dieselmotoren sind bei mittelschweren Antrieben nicht die Marktführer. Die geplante Kooperation hätte sie näher an die führenden US-Konzerne Navistar und Cummins heranrücken lassen. Sowohl Daimler-Chrysler als auch Caterpillar hätten bei einer Zusammenarbeit massiv bei den Entwicklungskosten gespart. Andererseits haben sich für Daimler-Chrysler in den vergangenen Monaten neue Wege in diesem Segment entwickelt. Künftig kooperieren die Stuttgarter auch bei Nutzfahrzeugen mit dem japanischen Hersteller Mitsubishi Motors.

Die derzeit unklare Lage gefährdet nicht nur das Joint Venture für Motoren, sondern auch die Kooperation in der Einspritztechnik. Caterpillar, auch selbst Hersteller von Einspritztechnik, soll sehr an der Technologie von L?Orange aus dem Hause Daimler-Chrysler interessiert sein. Die deutsche L?Orange, ein Unternehmen ebenfalls aus Baden-Württemberg, gilt mit ihren Entwicklungen als führend bei Dieselmotoren für Schiffe bis hin zu Baumaschinen - Sparten, in denen Caterpillar mit Daimler konkurriert.

Diese Wettbewerbsüberschneidungen dürften den Kartellbehörden nicht verborgen bleiben. Bei Daimler-Chrysler wird eingeräumt, dass die Kartellfragen "viel Kopfweh" bereiten. Dennoch erwarten Insider eine Form von Allianz. Sie rechnen mit einem Joint Venture in der Einspritztechnik in deutlich abgespeckter Form. Auch der Sitz für das Gemeinschaftsunternehmen wird diskutiert. "Er liegt weder in Deutschland noch in den USA", heißt es in der Konzernzentrale.

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