Geplantes Wertpapier-Abrechnungshaus der deutschen Sparkassen kommt nicht zustande
Misstrauen lässt Sparkassen-Bank platzen

mhm BERLIN. Das geplante gemeinsame Abwicklungshaus für Wertpapiertransaktionen der deutschen Sparkassen kommt vorerst nicht zustande. Das gemeinsame Wertpapierhaus sei "derzeit nicht zu verwirklichen", erklärte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) im Anschluss an Sitzungen verschiedener Verbands-Gremien. Grund hierfür sei "das gegenwärtig fehlende Vertrauen gegenüber der WPS-Bank". Es werde nun zu einer Konzentration und Verdichtung auf wenige Abwicklungshäuser kommen, hieß es weiter in der Mitteilung. Der DSGV schloss aber nicht aus, dass das Projekt eines gemeinsamen Wertpapierhauses "zu einem späteren Zeitpunkt in einem anderen Rahmen wieder aufgenommen" werden könne.

Hintergrund ist der Streit um die dramatische Überschreitung des Kostenrahmens für die in Düsseldorf beheimatete WPS. Statt der kalkulierten 300 Mill. DM sollen sich die Kosten auf über 700 Mill. DM belaufen. Als Konsequenz hatten bereits die Gesellschafter des WPS, darunter Mehrheitsaktionär WestLB sowie die Landesbanken Kiel, Hamburg, Hannover und Mainz, die Eigenmittel um 440 Mill. DM aufgestockt.

Offensichtlich reichte das allein aber nicht aus, um die Deka/DGZ und die Landesbank Hessen-Thüringen, die zum Jahresanfang 2001 zusammen die Hälfte der Aktien übernehmen wollten, von der Solidität des WPS zu überzeugen. Vor dem Hintergrund eines internen Streits auch um die richtige Zurechnung von Kosten zwischen WestLB und WPS war in der Sparkassenorganisation eine intensive Überprüfung von Geschäftsplan und Kostenentwicklung des WPS verlangt worden. Auch bestand Unsicherheit darüber, ob der Kostenrahmen künftig eingehalten werden könne und damit die erwarteten Rationalisierungseffekte durch die Bündelung der Wertpapierabrechungen in einer bundesweit agierenden "Bankfabrik" auch tatsächlich erreicht werden könnten.

Mit dem Scheitern des WPS ist zugleich auch eines der ambitioniertesten Vorhaben von DSGV-Präsident Dietrich H. Hoppenstedt Makulatur geworden. Denn das einheitliche Abwicklungshaus war wichtiger Baustein in seiner im DSGV umstrittenen Strategie, Synergieeffekte durch Zentralisierung der Datenverarbeitung sowie durch die Bündelung von Ordervolumina zu erreichen. Offen blieb zunächst, welche Auswirkungen das Scheitern der "Bankfabrik" auf die Pläne zur Gründung eines gemeinsamen Online-Brokers der Sparkassenorganisation hat, der in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres an den Markt gehen soll. Hier hatte die Bereitschaft zur Teilnahme unter den Instituten und Regionalverbänden in den vergangenen Wochen deutlich zugenommen. So lehnte nur noch ein Regionalverband das Projekt rundweg ab, andere - auch bisherige Kritiker wie Westfalen, Bayern oder der Ostdeutsche Sparkassen- und Giroverband - hatten ihren Mitgliedsinstituten eine Teilnahme nach DSGV-Angaben inzwischen freigestellt. Zwei Drittel der rund 564 deutschen Sparkassen wollten sich demnach an dem Projekt beteiligen.

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