Geplatzte Finanzierungsrunde
Internet-Marktplatzbetreiber Portal AG in Schwierigkeiten

Mittelständlern den Handel über das Datennetz ermöglichen - das war das Ziel der Portal AG. Nun droht dem Unternehmen das Aus: Wenn nicht innerhalb kürzester Zeit neues Kapital fließt, ist das Ende nicht mehr abzuwenden.

DÜSSELDORF. Anfang August noch waren die Töne laut und kräftig, die aus der Portal-Zentrale im Kölner Ehrenhof kamen. Man wolle die "Marktführerschaft weiter ausbauen", tönte es vom Betreiber von Branchen-Portalen im Internet. Nun steht das erst im Januar 1999 gegründete Unternehmen vor dem Aus: Die Portal AG stellte am vergangenen Donnerstag beim Kölner Amtsgericht den Insolvenzantrag. Das bestätigte auf Anfrage des Handelsblatt Portal-Vorstand Jens Christophers. Der Antrag wurde allerdings bisher nur von zwei der drei Vorstände unterschrieben. Mitgründer und Vorstandschef Denis Premiski sei für längere Zeit erkrankt, erklärte Christophers.

Grund für die Turbulenzen ist eine geplatzte Finanzierungsrunde, die 12 Mill. DM bringen sollte. 18 Stunden vor Abschluss der Verträge sei ein Großinvestor aus Singapur abgesprungen, der rund 6 Mill. DM zuschießen wollte. Zwei weitere daran gekoppelte Geldgeber hätten daraufhin ihre Unterstützung ebenfalls entzogen, sagt der Vorstand. Ein Altinvestor, der sich weiter engagieren will, sei aber noch zur Investition bereit. Warum die Finanzierung nicht zu Stande kam, ist Christophers rätselhaft: "Das offizielle Statement ist unbefriedigend."

Mit Portal gerät eines der am meisten beachteten deutschen Geschäftsmodelle für den Internet-Handel zwischen Unternehmen (B2B) ins Trudeln. Für zersplitterte Branchen wollten die drei Gründer Christophers, Premiski und Yorck Harald Richter Marktplätze im Datennetz bieten. So sollten auch kleine bis mittlere Unternehmen ihren Einkaufsbedarf bündeln und bessere Preise erzielen. Ausgangspunkt war ein Krankenhausportal, es folgten Angebote für Fahrschulen, Hotels, Entsorger und Werbeagenturen. Die Kölner brüsteten sich, nahezu alle deutschen Fahrschulen und Krankenhäuser an ihre Portale angeschlossen zu haben.

Ehrgeizige Pläne - aber Technische Probleme

Die Pläne waren ehrgeizig: 8 Mill. DM wollte Portal im ersten vollständigen Geschäftsjahr 2000 umsetzen. Die Mitarbeiterzahl sollte von 70 Mitte 1999 bis auf 120 Ende des laufenden Jahres steigen; zehn Portale sollten bis Dezember funktionstüchtig sein. Als Startkapital sammelten die Gründer 4 Mill. DM, weitere 20 Mill. kamen im laufenden Jahr hinzu. Investoren waren der Risikokapitalgeber IVC, die Deutsche Ausgleichsbank, Net-IPO, Pre-IPO, Rhino Advisors sowie einige Business Angels. Im Januar hatte die Portal AG für Ende des Jahres ihren Börsengang angekündigt.

Doch seit einiger Zeit kursierten in der Netz-Branche bereits Gerüchte über technische Probleme der Portal AG. Es gelinge ihr nicht, die Internet-Marktplätze mit der Software der jeweiligen Unternehmen zu verbinden. Somit blieben die Handelsplattformen bessere Kataloge: Es konnte zwar eingekauft werden, doch eine automatische Bestellung - die erhebliche Einsparungen brächte - scheine oft nicht möglich zu sein, heißt es aus unternehmensnahen Kreisen.

Nun geht es ums Überleben. "Wir sprechen hier von ganz wenigen Wochen", bekannte Christophers gegenüber dem Handelsblatt. "Wir suchen aber fieberhaft nach Investoren, um den Fortbestand zu sichern. Wir sind zuversichtlich, die Probleme in den Griff zu bekommen." Die Idee der Portal AG werde wohl weiter bestehen, doch "ob das Gesamkonstrukt zu retten ist, ist nicht sicher".

Thomas Knüwer
Thomas Knüwer
Handelsblatt / Reporter
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